Monatsbericht April 2006

Nach ganz langer Zeit will ich wieder einmal versuchen einen Monatsbericht ganz pünktlich fertigzustellen. Wobei dazu erwähnt sei, dass ich mir das seit bald einmal 2 Jahren jeden Monat vornehme und auch immer mehr als rechtzeitig beginne zu schreiben … aber bis der Bericht dann endlich fertig ist, ist es doch immer Mitte Monat … Der April macht es mir aber auch wirklich nicht leicht mit dem ‚rechtzeitig’ fertig werden. Viel ist passiert in den vergangenen Wochen. Und über alles will berichtet werden: Batucofestival, Änderungen beim Ausbildungspersonal, Drohgebärden meiner geliebten Elektra uns den Strom abzudrehen, hoher Besuch aus Österreich, Abdichtungsk(r)ämpfe mit Flachdächern und zum Monatsabschluss noch ein grosses, dreitägiges Fussballfest in Calheta!
Dazwischen natürlich noch viele so kleine Begebenheiten die in der Summe gesehen auch ganz ordentlich dazu beigetragen haben, dass der April vergangen ist. Wären die alle nicht passiert hätten wir jetzt noch Mitte April … aber ich erzähle sie trotzdem nicht weil ich mich auf das Wesentliche beschränken muss. Genau so wie ich es in all den vergangenen Berichten ja auch gemacht habe. Kurz und prägnant. Wobei ich mich schon wundern muss warum prägnant wenn man es englisch ausspricht ‚schwanger’ bedeutet?! Gibt es da vielleicht eine heimliche Verbindung zwischen ‚prägnant’ und ‚schwanger’? Könnte ich also auch sagen ‚meine Berichte sind kurz und schwanger?’ Und die liebe Frau die 2 Tage lang vergessen hat die Pille zu nehmen, kann die dann ihrem Mann beichten ‚du … ich muss dir was sagen … ich bin prägnant.’
Aber ich wollte von dem Ausbildungslehrgängen im Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal’ erzählen.
Sie laufen gut. Sie laufen nicht durchwegs so wie ich es mir wünsche, aber ich sehe, dass die Kinder und Jugendlichen Fortschritte machen. Und das macht natürlich grosse Freude.
Die Schreinerlehrlinge können jetzt schon gepolsterte Sessel bauen, Tische, Küchenkästen, usw. Und noch viel wichtiger: ihre Anwesenheit ist nach einigen Anlaufschwierigkeiten sehr regelmässig geworden. Im Oktober war es um ihre Gesundheit anscheinend noch nicht so gut bestellt gewesen. Viele waren mindestens einmal die Woche so krank, dass sie nicht Schreinerlehrlinge sein konnten … inzwischen erfreuen sie sich sehr stabiler Gesundheit und alle möglichen Schweinehunde die sie daran gehindert haben früh morgens den Weg zum Zentrum zu finden, sind jämmerlich verdurstet. Das gilt Gott sei Dank auch für die Schneiderinnen. Wobei es bei den Mädchen einer grösseren ‚Kraftanstrengung’ bedurft hat …Was den beiden ‚Gruppen’ derzeit leider fehlt ist die Berufsberaterin. Wir haben derer inzwischen schon 2 ‚verbraucht’, nachdem Nair ihre Tätigkeit im Zentrum aufgegeben hat.
Ich bin allerdings nicht wirklich unglücklich darüber. Mir (und auch den Lehrlingen) hat ihre Art nicht so gefallen …
Wir stehen jetzt halt vor dem Problem, dass es in Tarrafal keine Berufsberaterin mehr gibt. An einer Lösung in Richtung ‚Kombination mit psychologischer Beraterin’ arbeiten wir derzeit. Es ist uns bisher ja leider nicht gelungen eine Psychologin für das Geld das uns diesbezüglich zur Verfügung steht einmal in der Woche aus Praia hierher zu lotsen. Nachdem auch die Kurse für ‚erste Hilfe’ und ‚Sicherheit und Hygiene am Arbeitsplatz’, welche die Ausbildung der Lehrlinge ergänzen sollen, nicht und nicht anlaufen weil der zuständige Herr vom Gesundheitsministerium uns ständig hinhält, arbeite ich an einer ‚Umschichtung’ der vorhandenen finanziellen Mittel … das erste halbe Jahr Ausbildung hat uns ja doch so einiges an Erfahrung gebracht und es ist sicher sinnvoll die ‚Lehren daraus zu ziehen’ und die Ausbildungen den Gegebenheiten anzupassen.
Ein weiteres Beispiel für notwendige Anpassungen gibt es aus dem Bereich der Informatik. Der erste Kurs ist inzwischen beendet, die ersten ‚Zentrumsdiplome’ vergeben. Aber dieser erste Kurs hat ganz eindeutig unter dem hektischen Übergang von Bau zu Ausbildung gelitten. Das Netzwerk wurde schnell, schnell und irgendwie komisch installiert … alle Computer hatten Zugriff überallhin, seltsame IP-Adressen, alle waren sie ‚Administratoren’ und die Schüler waren hauptsächlich damit beschäftigt Musik, Videos, Photos und Spiele zu speichern, Verknüpfungen zu diesen an alle nur erdenklichen Orte zu legen … bis sie sich eines Tages beschwert haben, dass die Computer entweder nicht mehr funktionieren oder nur wahnsinnig langsam … ich selbst habe damals noch nicht gewusst, was eine IP-Adresse überhaupt ist, dachte mir es bedeute Immens-Professionelle-Adresse und war irrsinnig stolz auf meine Ausbilderin, dass sie so was überhaupt vergeben kann … den Status der ‚Administratoren’ wollte ich den Schülern auch nicht nehmen weil ich mir dachte darunter könnte ihr Selbstvertrauen leiden wenn ich sie zu ‚eingeschränkten Benutzern’ mache … was mir allerdings schon halbwegs klar war, war die Tatsache, dass wenn ein Computer 400 Gigabyte Photos und Spiele und Videos am Desktop gespeichert hat, er dann seine Rechenaufgaben nicht mehr ordentlich macht …
Drei Tage bin ich gesessen und habe die 10 Computer ‚gereinigt’. Nachdem ich den Schülern dann eindringlich erklärt habe sie sollen ihre Photos bitte nicht auf unseren Computern speichern und die Spiele erst gar nicht mitbringen, haben sie augenblicklich ihr Informatikwissen vertieft und angefangen an ganz versteckten Orten zu speichern … Es hat sich ganz einfach bewahrheitet was ich von Anfang an befürchtet hatte: wenn etwas hektisch und wenig vorbereitet beginnt dann schleichen sich so blöde ‚Angewohnheiten’ ein, die man dann nicht mehr wegbekommt.
Bei dem Entwurf der Diplome war ich sehr dazu verleitet ihnen ein ‚ausserordentlich ausgezeichnetes Speicherwissen’ zu bescheinigen, habe es dann aber doch unterlassen … und ich war heilfroh, als der Kurs endlich abgeschlossen war, die Diplome vergeben und alle Computer noch funktioniert haben. Halbwegs. Gott sei Dank war in dieser Übergangsphase vom ersten zum zweiten Kurs gerade Jenny und Fu auf Besuch und sie haben sich der Sache angenommen. Haben ordentliche IP-Adressen vergeben damit das Internetnetzwerk auch funktioniert, haben Virenschutz installiert, ein Programm dass sich ‚Windows Washer’ nennt und ganz selbständig Dateien löscht (dem Erfinder dieses Programms gehört ein Abzeichen für ‚besondere Reinigungsdienste’ verliehen) und sie haben sämtliche Computer im Informatikraum zu ‚eingeschränkten Benutzern’ gemacht.
Viel habe ich von den Beiden in den zwei Wochen ihrer Anwesenheit über Computer gelernt. Meinen herzlichsten Dank dafür!
Reich an Erfahrung was die Abhaltung von Computerkursen betrifft habe ich den Schülern des zweiten Kurses schon vor Antritt so einige Zentrumsregeln erklärt. Die Wichtigste: wer auch nur ein Photo auf einem der Computer speichert, fliegt raus und hat lebenslange Zentrumssperre … und meine Antrittsrede hat tatsächlich Früchte getragen. Die Ausbilderin erzählt mir jeden Abend auf der Heimfahrt wie wahnsinnig froh sie über diesen Kurs ist. Wie brav die Schüler sind und wie ruhig es während dem Unterricht zugeht … und ich habe jetzt schon über einen Monat kein einziges Photo mehr löschen müssen …

… unglaublich aber wahr: während ich diese Zeilen über meinen Kampf mit den Computern geschrieben habe, macht es plötzlich einen kleinen ‚Tusch’ und der Bildschirm ist schwarz. Ich denk mir zunächst nichts dabei, weil hier ja ständig der Strom ausfällt.
Es war ein Samstag, ich war alleine im Zentrum und habe mir fest vorgenommen gehabt diese Ruhe für die Fertigstellung dieses Berichtes zu nutzen … immer noch in der Überzeugung der Strom sei ausgefallen, bin ich auf die an sich absurde Idee gekommen mir einen Kaffee zu machen. Wie denn, wenn die Kaffeemaschine keinen Strom hat?! Diesen einfachen Gedanken habe ich dem Moment aber nicht zu denken vermocht. Also habe ich der Kaffeemaschine Wasser gegeben, Kaffee in den Aufsatz getan und den Schalter betätigt. Erst als die Kaffeemaschine mir ihr rotes Licht gezeigt hat ist mir die furchtbare Erleuchtung gekommen: es ist gar kein Stromausfall sondern mein Computer hat seinen Geist aufgegeben oder zumindest seinen Geist gewechselt und der Neue kann das Einmaleins nicht.
Der Gedanke, dass mein Computer jetzt für immer tot sein würde und alle meine lieben Daten mit in sein Grab genommen hat war mir so unerträglich, dass ich die Schuld einer gefallenen Sicherung gegeben habe … Fehlanzeige. Also musste es am Stecker liegen …
Fehlanzeige.
In diesem Augenblick kam der arme Néne, unser Trainer der U10 ins Büro um sich meine Pfeife für die Leitung des Trainings auszuborgen. Er fand mich unter meinem Schreibtisch eingeklemmt, von zahllosen Kabeln umwickelt, neben mir ein geistloser Computer und eine funktionierende Steckdose. In Gedanken auf der Suche nach einer irrsinnig einfachen Lösung für den schwarzen Bildschirm über mir, allerdings schon mit der Vermutung, dass da etwas Gröberes passiert ist, habe ich – soweit ich mich erinnern kann – nicht sehr freundlich auf seine Bitte reagiert. Ich weiss nicht ob ich ihm gesagt habe er solle sein saublödes Training auf den Fingern pfeifend leiten, oder ob ich ihn aufgefordert habe gar nicht zu pfeifen weil wenn meine Daten weg sind ICH auf Alles pfeifen werde … derartige Ausbrüche von mir sind leider gar nicht gut für den lieben Néne. Er ist eh so schüchtern und vertragt es überhaupt nicht wenn ich genervt auf seine ja wirklich harmlosen Bitten reagiere …
Als ich dann zu der Vermutung gekommen bin, dass mein Computer gar nicht den Geist gewechselt hat sondern sich mit seinem Netzteil zerstritten und die Verbindung zu ihm ein für alle Male abgebrochen hat, habe ich wieder leise Hoffnung geschöpft und bin mit meiner wieder gewonnen Fassung und der Schiedsrichterpfeife auf den Fussballplatz um mich bei Nené zu entschuldigen. Der Gute war auch gar nicht böse und hat mir Genesungswünsche für meinen Computer mit auf den Weg gegeben.
Es war denn auch tatsächlich das Netzteil. Wie sich allerdings erst am folgenden Montag herausgestellt hat. Nachdem ich in aller Früh nach Praia gefahren war, ein neues Netzteil gekauft hatte und es in meinen Computer eingebaut hatte … da hat es plötzlich wieder geflutscht, der Rechner hat Daten ausgespuckt wie nie zuvor, Nené bekommt zu all seinen Trainings alle Pfeifen die ich auftreiben kann … und wenn sie nicht gestorben sind rechnen und pfeifen sie sich heute noch eins …

Und dann war plötzlich Mitte Mai und mein Vorsatz mit dem pünktlichen Monatsbericht war über Bord …
Trotzdem erlaube ich mir an dieser Stelle einen kleinen Einschub … und bitte alle Leser mich nicht zu fragen warum mir bei dem Wort ‚Einschub’ der ‚Einlauf’ einfällt …

Der letzte Monatsbericht hat – ich war ganz eindeutig darauf gefasst gewesen – so einige Reaktionen ausgelöst. Und das ist gut so! Schliesslich berichte ich ja nicht um mit so grausigen Sachen wie Schleim in Verbindung zu geraten oder gar um zu kriechen oder zu färben. Nie in meinem langen Leben wollte ich Schleimer, Kriecher oder Färber werden. Diese Berufe liegen mir einfach nicht. Da bin ich lieber ‚chen’ …
Ein Einschub im Einschub: auch dieses ‚chen’ am Ende des Projektleiters verursacht öfters mal Reaktionen. Mir wird immer wieder nahegelegt es doch wegzulassen … das kann ich aber nicht. Es wäre ja eine Lüge … ich bin nun mal ein Projektleiterchen, was kann ich denn dafür?! Ausserdem: wenn ich das in den Monatsberichten verschweigen würde, was sollen mir denn dann all die Leute sagen die mich so gerne kritisieren? Ich bekomme ja kaum mehr ein Kritisiermail in dem nicht dieses ‚chen’ angesprochen wird. Und diese ‚chen’-Reaktionen sind teilweise so erheiternd, dass ich schon angefangen habe sie zu sammeln und mir überlege sie in einem Bildbänd-chen zu veröffentlichen?! … also, liebe Kritisierer-chens, lasst mir doch bitte meine kleinen Freuden und bekrittelt mein ‚chen’ auch weiterhin!
Aber zurück vom Einschubeinschub zum Einschub … ich behaupte bis heute, dass ich in meinem Berichten keine Lügen verbreite und auf der anderen Seite auch nichts zurückhalte. Wer es nicht glaubt soll mal auf der anderen Seite dieses Berichtes nachschauen (Bildschirm aufschrauben, Abdeckung abnehmen) … Und? … Steh ich dort und halte irgendwas zurück? … Na eben! … Ich weiss, dass es Menschen gibt die mich in ihren Bildschirm wünschen um dort zurückzuhalten was das Zeug hält … aber ich halte nun mal nicht gerne. Schon gar nicht zurück.
Also werde ich weiterhin kritisieren, Freude kundtun, Leiden schildern, Ärger Luft machen und die Bildschirmwünsche diverser Leser in den Wind schlagen.
Es ist ja so, dass uns der liebe Gott so geschaffen hat, dass uns niemand zwingen kann etwas zu lesen was wir nicht lesen wollen! Eine irrsinnig sinnvolle Fähigkeit. Da hat sich der liebe Gott schon was dabei gedacht! Stellt euch vor wir müssten alles lesen was geschrieben steht …
Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass sämtliche Menschen auf dieser Welt von dieser Fähigkeit auch Gebrauch machen. Jetzt bin ich eines Besseren belehrt worden … es gibt da nämlich einige Ex-Monatsberichtsempfänger die mir vor mehr als einem halben Jahr mitgeteilt haben ich solle sie doch bitte aus dem Verteiler nehmen, sie wollen meine Berichte nicht lesen! Das habe ich natürlich umgehend gemacht. Und was machen diese Berichtshasser jetzt? Sie ‚gehen’ auf unsere Internetseite und lesen die Berichte dort!!?? … Das ist ja wie wenn ich jeden Tag 2 kg Rotkraut runterwürge obwohl mir bereits nach dem ersten Bissen übel wird … also wenn ich so was machen würde, dann würde ich diese Verirrung nicht auch noch mit verräterischen Kurzkommentaren kundtun?!
Und Einwurf abschliessend möchte ich noch zu dem auf der Internetseite veröffentlichten Vorwurf Stellung nehmen ich müsse beim Verfassen des Märzberichtes ja besoffen oder bekifft gewesen sein. Dazu sei gesagt: ich habe meine Drogenjahre mehr als 20 Jahre hinter mir! Mein Alkoholkonsum geht über 2 Zuckerrohrschnäpse und 3 Caipirinha pro Monat nicht hinaus. Ich möchte jenen Leser der anscheinend nach Erklärungen für mein Geschreibe sucht weil es nicht seiner Norm entspricht, aber nicht einfach so in der normleeren Luft hängen lassen. Weil was diese Berichte also wirklich nicht wollen ist ‚Weltbilder erschüttern’. Daher möchte ich Alternativerklärungen anbieten, von denen sich jeder der es braucht eine aussuchen darf:
1. Ich bin während dem schreiben zwar nicht bekifft oder besoffen, leide aber unter Dauerschäden aus meinen jugendlichen Ausflügen in die Drogenwelt.
2. Ich bin endgültig aus meinen Neurosen in die Psychosen aufgestiegen.
3. Ich leide unter noch nie dagewesenen Hosen.
4. Die afrikanische Sonne weicht meine Innereien auf.
5. Ich bin vollkommen überarbeitet und kann nicht mehr klar denken.
6. Ich kann vollkommen denken, aber nur über Arbeit.
7. Ich bin’s, der Schizoflo.

Hoffe inständigst mit diesen Erklärungen Weltbilder aufrecht halten zu können! Die Liste darf auch gerne ergänzt werden …

Und das war jetzt schon sehr weit von Entwicklungszusammenarbeitsprojekten entfernt … oder doch nicht?

Ganz unbestritten hierher gehört aber die Erzählung über das erste Batucofestival Santiagos an dem (fast) alle Gruppen der Insel teilgenommen haben! Organisiert von Delta Cultura unter Hauptverantwortung von Marisa und Shy! Die Beiden Batucadeiras wollten ein Zeichen setzen und der aufkommende Rivalität zwischen den verschiedenen Gruppen (allein die Gemeinde Tarrafal hat inzwischen 4 Batuco-Gruppen) Einhalt gebieten.
Die Veranstaltung war wirklich ein grosser Erfolg und hat Delta Cultura grosses Ansehen gebracht. Von der Gemeinde Tarrafal bis zum Kulturministerium haben wir Dank und Gratulation bekommen! Der Fernsehbericht der am Tag nach dem Festival in den Nachrichten gebracht wurde hat unseren Bekanntheitsgrad weiter gehoben. Und was mich wirklich ganz besonders gefreut hat: ich habe so absolut überhaupt nichts zu dieser Veranstaltung beigetragen. Von der Idee über die Durchführung bis zur Nachbearbeitung war es ausschliesslich die Präsidentin die Feder geführt hat.
Der Tag des Festivals war der Ostersonntag. Früh am Morgen sind die erfahrensten Köchinnen im Zentrum zusammengekommen um für die 16 erwarteten Batucogruppen (über 250 hungrige Menschen) aufzukochen. Gegen Mittag sind dann die ersten Gruppen eingetrudelt. Unser Zentrum war Treffpunkt und hat sich über die vielen fröhlichen Frauen wie ein Osterhase gefreut. Wobei zu klären gilt wie sich ein Osterhase freut …Viele Batucoepisoden wurden erzählt, Erfahrungen ausgetauscht … von Rivalität keine Spur. Alle haben Marisa zu dieser Veranstaltung gratuliert und noch bevor es so richtig angefangen hat war schon beschlossen derartige Treffen in Zukunft regelmässig abzuhalten.Ein bisschen aus der Reihe getanzt ist einzig die Gruppe ‚Po di terra’. Sie sind derzeit die Stars der Batucogruppen, haben vor ein paar Monaten eine CD herausgebracht und die Mädchen der Gruppe haben sich so ein paar kleine dumme Starallüren zugelegt. Sie sind um Stunden zu spät gekommen, nicht wie alle anderen in traditioneller ‚Batucokleidung’ und haben sich eher abgesondert als an dem Austausch beteiligt.Am frühen Nachmittag ging es dann ins Dorfzentrum wo im grossen Innenhof des Kinos die eigentliche Veranstaltung begonnen hat. Von der ersten bis zur letzten der 16 Gruppen die an diesem denkwürdigen Tag aufgetreten sind waren zahlreiche Zuschauer anwesend.So sehr sich Marisa darüber gefreut hat so peinlich war es ihr als Veranstalterin eine Ansprache halten zu müssen. Aber sie hat das sehr gut ‚gelöst’. Wirklich souverän war sie dann aber beim Fernsehinterview. Sie ist ganz eindeutig mit der Aufgabe gewachsen.Auffallend oft war das Lob welches Marisa und Delta Cultura bekommen hat von dem Nebensatz ‚warum organisiert die Gemeinde eigentlich nie derartige Veranstaltungen’ begleitet … worauf wir keine Antwort haben. Es ist ja auch müssig sich das zu überlegen. Vielleicht haben sie kein Geld oder keine Lust oder keine Ideen … Geld hat Delta Cultura auch keines … aber Lust und Ideen in Hülle und Fülle. Es wird ganz sicher weitere Veranstaltungen in dieser Art geben. Das hat Marisa jetzt schon so vielen Menschen versprechen müssen …

Das Batucofestival war also eine weiterer Höhepunkt in der Laufbahn von ‚Delta Cultura’ … eine, wie wir nicht ohne Stolz sagen können, sehr erfolgreiche Laufbahn. Oder? Das darf ich doch sagen?! In drei Jahren von null auf hundert … da könnte sich auch der Schumi in seinem Ferrari eine Scheibe abschneiden (oder einen Kolben ausborgen?!).
An dieser Stelle möchte ich einmal mehr meinen besonderen und herzlichen Dank an den ASB (Arbeitersamariterbund) aussprechen. Die Finanzierung der ganzen Geschichte kommt zwar vom deutschen BMZ, aber mit dieser Stelle bin ich nie in Kontakt. Nicht, dass ich dem Ministerium nicht dankbar bin, natürlich bin ich das! Aber es kommt mir immer komisch vor Dank an Organisationen oder Institutionen auszusprechen. Ein von Herzen ausgesprochener Dank muss irgendwie an ‚ein Gesicht’ gehen. Und das ist beim ASB jenes von Sophia Hubert. Unsere Projektbetreuerin, die ja auch mit uns die Eröffnung des Zentrums gefeiert hat. Speziell bei ihr möchte ich mich für die Geduld die sie mit uns hat bedanken! Für ihr ständiges Bemühen uns die Arbeit zu erleichtern, für ihr Verständnis was unsere ständigen Geldprobleme betrifft. Delta Cultura hat wirklich grosses Glück gehabt das Projekt mit dem ASB machen zu dürfen. Einen ‚angenehmeren’, verständnisvolleren Kooperationspartner hätten wir nicht finden können!

Und damit kommen wir zum letzten Teil dieses schon ziemlich verspäteten Monatsberichts. Es war am letzten Wochenende des wirklich denkwürdigen Aprils 2006. Praktisch die gesamte Fussballschule (130 Buben und Mädchen) ist gemeinsam mit der Fussballschule aus dem Nachbarort Chão Bom (70 Buben und Mädchen) für 3 Tage nach Calheta, einem Ort an der Ostküste Santiagos ‚übersiedelt’.

Es gibt dort seit kurzem ebenfalls eine Fussballschule , die uns zu diesem ‚Drei Tages Event’ eingeladen hat. Untergebracht waren die Kinder und Jugendlichen in einer Schule. Die Klassenzimmer wurden kurzfristig zu Schlafsälen umgebaut … Küche und Speisesäle haben hier alle Schulen. So war für das Wohl der Kinder gesorgt. Einzig Matratzen waren Mangelware und haben beim ‚Einzug’ zu langen hitzigen Diskussionen geführt. Der gesamte Schulhof war Schauplatz von zahlreichen Kämpfen um Matratzen. Irgendwie hat sich das Chaos dann organisiert und jede/r hatte seinen Streifen Matratze erkämpft.Der Spielplan war gesteckt voll. Auf 3 Fussballplätzen gab es 3 Tage ein Spiel nach dem anderen. In allen Alters- und Geschlechtsklassen: U10, U12, U15, U17, Kampf- und Mädchenmannschaft. Es würde jetzt natürlich den Rahmen sprengen zu sämtlichen Spielen Berichte, Ergebnisse und Analysen zu liefern … aber auch in diesem Bereich waren die Tage in Calheta für uns sehr erfolgreich! So erfolgreich, dass es doch tatsächlich Stimmen gegeben hat die behauptet haben Delta Cultura habe die Schiedsrichter gekauft!?Ich hatte dies eigentlich auch vor. Aber mein Ansuchen beim deutschen Ministerium um Finanzierung dieses Vorhabens wurde leider abgelehnt?! Spiele von denen ich aber ganz unbedingt erzählen muss waren jene der Mädchenmannschaft. Vor ein paar Monaten habe ich ja wieder das Training der Mädchen übernommen, nachdem es bei ihnen immer Schwierigkeiten bezüglich Regelmässigkeit und Ernsthaftigkeit gibt. Nicht das wir die Fussballschule als eine ernste Angelegenheit sehen, aber auf eine gewisse Regelmässigkeit legen wir schon Wert. Ich sage den Mädchen immer, dass ich sie wirklich nur trainiere wenn ich das Gefühl habe sie verbessern sich … und diese Spiele waren ein eindrucksvoller Beweis dieser Verbesserung. Wirklich erstmals in meiner Zeit in Cabo Verde habe ich eine Mädchenmannschaft so richtig Fussball spielen gesehen. Sie haben teilweise richtig schön kombiniert, die Tore die gefallen sind waren keine Zufallsprodukte sondern herausgespielte gekonnt abgeschlossene Aktionen.Ganz ehrlich, diese Spiele haben mir eine riesengrosse Freude bereitet. Und nicht nur weil wir beide Spiele gewonnen haben (jeweils 3:1) sondern eben wegen der Art und Weise wie diese Siege zustande gekommen sind.Der (fast) einzige Schwachpunkt war die mangelnde Kondition der meisten Spielerinnen. Vor allem der Leistungsträgerinnen. Teilweise musste ich sie im Laufe der zweiten Spielhälfte gegen viel schwächere Spielerinnen austauschen, weil sie ganz einfach am Ende ihrer Kräfte waren.Dazu muss aber auch gesagt werden, dass die Spiele in der brennenden Mittagssonne stattgefunden haben und die Mädchen wohl nicht wirklich ausgeschlafen eingelaufen sind. Die Nächte in der Schule waren nicht nur von schlafen geprägt … Es war ein wirklich schönes Wochenende. Schon alleine die Freude der Kinder zu erleben …. auch diese Veranstaltung verlangt ganz unbedingt nach Wiederholung!

Und damit findet auch der Aprilbericht sein Ende! Zwar gäbe es noch Vieles zu erzählen und über so Einiges müsste noch philosophiert werden, aber es gibt ja noch den Mai und den Juni, den Juli …

Herzlichste Grüsse aus Tarrafal,
das Projektleiterchen

One thought on “Monatsbericht April 2006

  1. neu Rosen
    oder psüch Röschen
    sind ja dein Motor?

    wäre ja nett mehr über das Projekt zu hören als das gequatsche.

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