Monatsbericht Februar 2007

Da der letzte Bericht (also der Januar/Jänner) erst so spät fertig geworden ist (da war es ja schon fast Mitte Februar) und ich diesen Bericht so früh beginne, gibt es eigentlich noch gar nichts zu erzählen. Seit Beendigung des letzten Berichtes sitze ich vor meinem Computer und warte, dass irgendwas passiert. Ich von irgendwem ein […]

Anfangen möchte ich mit meiner ‚Reihe’ ‚Afrika – Kontinent der Hoffnung’. Ich habe diesbezüglich ja schon in den Monaten davor meine Sichtweise dargelegt, will aber nicht aufhören Diese zu betonen. Solange bis es auch der letzte Pessim- Kapital- und Rass-ist verstanden hat. Kann sein, dass ich dieses Ziel zu meinen Lebzeiten nicht mehr verwirklichen kann, aber das macht nichts. Wir alle wissen ja was Tropfen auf Dauer mit heissen Steinen machen. Wobei ich mir durchaus bewusst bin, dass diese Monatsberichte (derweil?) kaum ‚Tropfenqualität’ haben. Welcher eingefleischte Pessim- Kapital- oder Rass-ist liest schon Projektleiterchen-Berichte? Meine grosse, grosse Hoffnung ist es aber, mit diesen Ausführungen Menschen anzusprechen die mir in mindestens 82% der ‚Ausführungen’ zustimmen und sich spontan entschliessen an der Tropfenbildung mitzuwirken. Soll heissen: Delta Cultura will und wird verstärkt in Richtung ‚Bewusstseinsbildung’ arbeiten und hofft diesbezüglich auf Ideen von allen Monatsberichtslesern!!!!

‚Bewusstseinsbildung’ … ein gar seltsamer Begriff. Ein Vielsagender. Weil es ist ja an sich schon erstaunlich (um nicht zu sagen ‚genial’), dass sich Bewusstsein bilden lässt. Natürlich birgt es auch Gefahren. Aber wenn es sich nicht bilden lassen würde, dann wäre es hier auf Erden saulangweilig (sag ich jetzt mal einfach so?!). Warum genial und gefährlich zugleich?

Gefährlich, weil es den bösen Wichteln die Möglichkeit schenkt den Herdentieren dieser Welt allen möglichen Stumpfsinn einzureden. Und diese Tierchen nehmen das dann für voll und sehen es als bewiesen an weil es ihnen eben so unglaublich bewusst ist. Und wenn es ganz vielen Menschen bewusst ist dann wird es zur Realität, zu einer Gott gegebenen, unumstösslichen Wahrheit. Jeder der – sei es auch nur ganz sanft – gegen diese ‚Wahrheiten’ auftritt wird augenblicklich als ‚Idealist’, ‚Wahnsinniger’, ‚Utopist’ oder sonst wie abgestempelt … gefährlich, oder?!

Und genial? Weil es die Möglichkeit schenkt die Herdentierchen eines Besseren zu belehren. Weil es sich dabei um die Freiheit handelt die wir Menschen haben. Ich meine nicht die Freiheit die uns tun und lassen lässt was wir gerade wollen, sondern die die es uns erlaubt unsere Realität selbst zu erfinden … genial, oder?!

Also: Delta Cultura will Bewusstseinsbildung betreiben. Weg von ‚Afrika der verlorene Kontinent’ hin zu ‚Afrika der Kontinent der Hoffnung’. Das Furchtbare an der Sache ist nämlich, dass inzwischen sogar viele Afrikaner die Meinung vertreten ihr Kontinent sei verloren, die Einwohner seien faul und korrupt und es gelte jetzt einmal diese ‚afrikanische Mentalität’ zu bekämpfen damit endlich was weitergeht … ein grausames Bewusstsein. Vorallem weil es ja in keiner Weise der Wahrheit entspricht. Ich bin mir sicher, der Anteil an faulen, korrupten, verbürokratisierten Menschen ist in Afrika nicht grösser als in anderen Teilen der Welt.

Problematisch bei unserer gewünschten Bewusstseinsveränderung ist, dass wir kein ‚Gegenbewusstsein’ bilden wollen. Wir wollen also nicht eine Schubladisierung durch eine Andere tauschen. Besser ist es den Schubladenkasten zu Kleinholz zu verarbeiten und in einem Freudenfeuer restlos zu vernichten … wenn das denn so leicht wäre. Weil wie genau das passieren soll, das weiss ich auch nicht so genau. Tatsächlich hoffe ich sehr auf Ratschläge, diesbezügliche Veranstaltungsideen, etc. von vielen, vielen Monatsberichtslesern … und solchen die es noch werden wollen??!

Von Bedeutung bezüglich ‚Bewusstseinsveränderung’ ist wohl an einer der ersten Stellen die Sprache! Wie gerne verwenden wir alle Verallgemeinerungen wenn wir von anderen Menschen, Kulturen, Ländern, etc. reden. ‚Die afrikanische Mentalität’, ‚die Caboverdeaner’, sehr beliebt sind derzeit auch die ‚bösen Amerikaner’ und die ‚fundamentalistischen Araber’ … kaum jemals unterhalte ich mich jemandem über Entwicklungszusammenarbeit oder über ‚Land und Leute’ ohne entweder selbst derartige Verallgemeinerungen zu verwenden oder ohne diese zu hören zu bekommen. Unser ‚Wille zur Schachtel’ scheint unstillbar!?

Gerne werden derartige Verallgemeinerungen auch verharmlost. ‚Ich weiss ja eh, dass nicht ALLE Afrikaner so sind, aber …’

Ich bemühe mich inzwischen ganz besonders auf diese ‚Schachteln’ zu verzichten. Oft und oft habe ich erlebt wie dankbar mein Gegenüber diese aufnimmt und ganz stolz ‚weiterverteilt’. Überglücklich endlich wieder eine Schachtel erworben zu haben die ihm sein Weltbild ‚erleichtert’. Es ist ja doch unangenehm zu sehen, dass es soviel Elend auf der Welt gibt … die Beruhigung die das Gewissen erfährt wenn man sagen kann ‚die faulen, korrupten Afrikaner sind selbst Schuld’ verleitet dazu jegliche diesbezügliche Verallgemeinerung für voll zu nehmen!

Weiterhin bin ich überzeugt, dass ein Mensch der mit derartigen ‚Schachtelsprüchen’ durchs Land zieht … einfach weiterziehen sollte. Die Wüste Gobi hat ja auch ihre Reize?!

So! Genug palavert. Besser ‚Tatsachenbericht’ bevor ich restlos bösartig werde?!

Was hat sich bezüglich unserer ‚Zentrumsbetriebskostenfinanzierungsbemühungen’ getan? Nichts! Und ich vermute ganz einfach deshalb weil ‚Zentrumsbetriebskostenfinanzierungsbemühungen’ ein viel zu langes Wort ist. Das kann garnicht gelingen?! Die Bedeutung der Sprache habe ich ja gerade eben erst erwähnt … Wir sollten also vielleicht ganz einfach einmal die Bemühungen weglassen. Dann wäre die Sache schon einfacher: Zentrumsbetriebskostenfinanzierung’. Weiters liesse sich das ‚ung’ schlicht und einfach streichen, ‚Betriebskosten’ braucht auch kein Mensch und ein Zentrum kann ja nicht am Anfang stehen. Es bleibt uns sodann also was? … Ein Finanzierzentrum!!!

Das Fazit dieses Berichtes: wir lassen die Sprache weg, weil da soviel unsinniges Bewusstsein gebildet wird und machen ein stilles Finanzierzentrum!

Nein, so ein Blödsinn, das machen wir doch nicht! Schliesslich ist es immer noch mein Ziel mit Finanzen nichts mehr am Hut haben zu müssen. Ich weiss ja bis heute nicht warum gerade ich mich soviel damit beschäftigen muss. Ich hasse Hüte … und Finanzen sowieso …

Also! Die Sache sieht so aus. Wer sich noch an den letzten Bericht erinnern kann weiss, dass es da 3 Stellen in Cabo Verde gibt die bereits mehr oder weniger finanzielle Unterstützung zugesagt haben. Und wer ALLE bisherigen Berichte gelesen hat weiss auch, dass es von Zusagen bis ‚Geld am Konto’ ein weiter mühsamer Weg ist.

Eine klare Aussage haben wir von ‚Luta contra Pobreza’ bekommen. Der Organisation die Armut bekämpft und dafür Geld von der Regierung bekommt. ‚Betriebskostenfinanzierung’ interessiert sie nicht. Das ist nicht Teil ihres ‚Aktionsplanes’. ABER. Sie wollen verschieden Ausbildungen im Zentrum finanzieren. Und wie der nette Herr dieser Organisation meint, müssen in diesen Ausbildungsfinanzierungen natürlich auch entsprechende Summen für die Betriebskosten des Zentrums dabei sein.

Sie haben Geld für ‚Keramikausbildung’, ‚Schneiderinnenausbildung’, ‚Kunsthandwerkskurse’. Und einige andere auch. Aber mit diesen 3 wollen sie in unserem Zentrum starten.

Wie es der Zufall, den es nicht gibt, so will, haben wir am Tag an dem sie uns dies bei einem Treffen im Zentrum mitgeteilt haben, gerade mit einem einmonatigen Keramikkurs begonnen. Sie waren beeindruckt und wir haben den Kurs sogleich um einen weiteren Monat verlängert. Den zweiten Ausbildungsmonat finanziert ‚Luta contra Pobreza’. Ein vielversprechender Anfang unsere Kooperation mit dieser Organisation ist also gemacht!

Aber nicht nur die Mitfinanzierung ist Vielversprechend. Der Ausbildungslehrgang selbst ist es noch viel mehr!!!!!

Unsere Arbeit mit Lehm haben wir ja bereits während dem Bau begonnen. Die Herstellung von Terracotta-Fliesen war ein Anfang. Der Lehmofenbau der mit Gas und Sägespännen beheizbar ist ein weiterer Schritt. Viele Schwierigkeiten (technischer, finanzieller und bürokratischer Natur) haben unsere Lehmbau/Ton/Fliesen-Bestrebungen zwar verlangsamt, aber nie zum Erliegen gebracht.
Mit diesem Workshop erhoffen wir uns jetzt den endgültigen ‚Durchbruch’. Möglichkeiten auf diesem Gebiet sind zahlreich und sollen in Zukunft helfen der ‚finanziellen Selbständigkeit’ des Zentrums einen Schritt näher zu kommen.
Zwei weitere ‚Bereiche’ unserer Lehmbau/Ton/Töpferei Aktivitäten treten mit dieser Ausbildung in ihre Experimentierphase.
Aus Ermangelung an Schatten im Zentrum haben wir ja schon vor längerer Zeit das Holzgerüst für ein Schattendach vor der Schreinerei gebaut. Es hat bisher aber an Geld für das ‚Deckmaterial’ gefehlt. So sind wir auf die Idee gekommen die Dachziegel selbst herzustellen. Was uns mit den Fliesen gelungen ist könnte ja auch für Dachziegel gelten?!

Die Ausbilderin hat uns beigebracht wie man Gipsformen für Tongegenstände macht und die erste Form die entstanden ist war die eines Dachziegels …

Der zweite Versuch wird jener mit Glasuren sein. Wir haben von der Gemeinde Tarrafal eine Glasmühle zur Verfügung gestellt bekommen. Wir hoffen damit das viele Altglas das hier die Gegend verschmutzt so fein mahlen zu können, dass wir damit Glasuren herstellen können. Sollte das gelingen müssen wir Versuche starten wie sich das Glas mit dem Ton hier ‚verträgt’. Irgendwie muss sich das während dem Brennvorgang ja verbinden. Und wenn es das nicht und nicht tun will könnte Waschpulver nachhelfen (Waschpulver enthält Bor und Bor weiss wie sich Glas mit Ton verbindet). Diesbezüglich bekommen wir wieder Fernunterricht von unseren Spezialisten aus Österreich, Martin und Maria!

Also: ‚Luta contra Pobreza’ finanziert, ‚Delta Cultura’ experimentiert, Martin und Maria fachsimpeln … was bitte soll da noch schief gehen??!!

Unser zweiter potenzieller Geldgeber für die Zeit ab April und in alle Ewigkeit ist bekanntlich die ‚Gemeinde Tarrafal’. Unser letztes Treffen mit dem Bürgermeister war vielversprechend. Passiert ist seitdem nichts. Aber Delta Cultura hat sich nicht lumpen lassen. All das was der Bürgermeister vorgeschlagen hat und was die Gemeinde hätte tun sollen, haben wir einfach selbst gemacht.

Es sollte ja ein ‚Conselho administrativo’ (ein ‚administratives Konsölchen’) ins Leben gerufen werden. Nachdem die Gemeinde dieses nicht einberufen hat, haben wir selbst die Vertreter dieses Ausschusses ‚bestimmt’: ein Vertreter der Gemeinde (den müssen sie noch ernennen), ein Vertreter der Regierung (der Delegierte des Erziehungsministeriums in Tarrafal), der Präsident des Ausschusses (ein Projektleiterchen darf endlich auch Präsidentchen werden!), ein Vertreter von Delta Cultura (Adilson unser Koordinator für professionelle Ausbildungen nachdem Marisa abgelehnt hat) sowie ein Vertreter aus der Bevölkerung (ein sehr engagierter Mann namens … hab’ den Namen vergessen).

Diesen Monat noch soll es die erste Versammlung dieses Ausschusses geben. Mein Ziel wird es sein die genauen Aufgaben dieses Ausschusses zu definieren. Weil was ich sicher nicht will ist eine weitere Instanz die über Dinge entscheidet über die schon Delta Cultura, die Projektleitung, der Koordinator und die diversen Ausbilder entscheiden. Das ergäbe dann ein Entscheidungschaos in dem vor lauter Entscheidungen das ‚Ent’ verschwindet und nur noch Scheidungen übrigbleiben?!

Aufmerksame Leser werden zwischen den Zeilen lesen, dass ich nicht restlos von der Sinnhaftigkeit dieses Ausschusses überzeugt bin. Noch viel weniger als ich erst jetzt – bei der Aufzählung der Vertreter – bemerke, dass diesem Ausschuss keine Frau angehört!? Das müssen wir noch ändern … Sonst läuft der Ausschuss noch viel mehr Gefahr nur Ausschüsse zu produzieren?!

Eine weitere Umsetzung einer Bürgermeisteridee ist die Einladung aller ‚wichtiger Menschen Tarrafals’ zu einem Abendessen im Zentrum. Dieses findet am 16 März statt. Und wer es genau wissen will: Tarrafal hat genau 32 wichtige Persönlichkeiten! Denen werden wir also an diesem besagten Freitag aufkochen und ihnen vorher und nachher ans Herz legen uns zu helfen das Zentrum am Leben zu erhalten. Meine rauschende Rede die ich an diesem Abend halten werde entsteht bereits in meinem klugen Köpfchen. Die Einladung die wir zu diesem gemütlichen Beisammensein verschicken beinhaltet die Bitte sich vor Erscheinen den Kopf zu waschen damit ich das dann nicht während meiner Rede machen muss?! Obwohl ich mir das ganz lustig vorstelle während einer Rede irgendwem den Kopf zu waschen … würde sicher eine ganz stimmige Atmosphäre erzeugen?!

Hallodrio, was freue ich mich auf diesen Abend. Ich werde mein Rumpelstilzchenseelchen herausholen und stampfen, dass die selbstgebrannten Terracottafliesen unter meinen Füssen zerbröseln. Ich bin mir sicher wir werden nach meinem Auftritt Finanzierungen zum Schweinefüttern haben.

Was die Finanzierung der Betriebskosten ab März betrifft habe ich ja eine mündliche Zusage des Bürgermeisters sich an diesen zu beteiligen. Das Umständliche ist nur, dass er zunächst mit dem Gemeinderat darüber reden muss und der tagt anscheinend nur alle 17 Jahre. Das nächste mal 2014! Also in dem Jahr in dem wir Fussballweltmeister werden … womit ich beim nächsten Thema wäre.

Die Fussballmeisterschaft. Bissl blöd hat sie begonnen, saublöd ist sie weitergegangen um uns sodann einen berauschenden Erfolg nach dem anderen zu bescheren. Solange bis wir an der Tabellenspitze waren! 1:0, 5:1, 3:0 waren die Ergebnisse die uns dorthin gebracht haben.

Natürlich war ich mit unseren Leistungen bei diesen Spielen zufrieden. Natürlich haben wir noch lange nicht unser gesamtes Potenzial ausgeschöpft. Immer noch fällt mir auf, dass die Spieler das, was sie oft im Training zeigen im Spiel nicht umsetzen können. Jetzt soll mir nur keiner sagen das sei die Schuld des Trainerchens!? …

Bei unserem letzten Spiel in Assomada (0:0) war auch der neue Präsident des Regionalverbandes anwesend und er war sehr angetan von unserem Spiel. Hat uns gelobt und betont wie wichtig unsere Arbeit sei. Weil er habe gesehen wie die anderen Mannschaften aus Tarrafal spielen und es sei auffällig wie wir diesen Mannschaften taktisch voraus seien. ‚Wenn die in Zukunft was zu sagen haben wollen müssen sie auch in die Jugendarbeit investieren und nicht erst eine Woche vor Meisterschaftsstart zu trainieren beginnen’.

Ich hoffe und glaube, dass er damit Recht hat. Weil genau das war immer mein Ziel: die anderen Mannschaften dazu zu bewegen auch mehr für den Fussball zu tun. Und den Verband auf uns aufmerksam zu machen. Dies ist uns mit dieser Meisterschaft auf alle Fälle gelungen. Der Präsident hat mir versprochen, dass er demnächst mit Zuständigen der U20 Nationalmannschaft in Tarrafal vorbeikommen wird. Und dass er auch darauf schauen wird, dass bei der Aufstellung der Olympiamannschaft Tarrafal berücksichtigt wird.

Immer noch bin ich überzeugt, dass meine Spieler sich das verdienen. Ich sehe keinen Qualitätsunterschied zu den Spielern aus der Hauptstadt Praia.

Und zur weiteren Meisterschaft. Wir sind zwar eine Runde vor Schluss immer noch hauchdünn Tabellenführer, aber die Sache ist so knapp, dass wir unser letztes Spiel unbedingt gewinnen müssen. Sollte das gelingen ist uns einer der beiden ersten Plätze sicher und wir würden in die nächste Meisterschaftsphase aufsteigen. Dort ‚befinden’ sich dann noch 4 Mannschaften die in Hin- und Rückrunde gegeneinander spielen. Der Gewinner nimmt dann an der nationalen Meisterschaft teil … aber jetzt ist einmal unser Samstagspiel wichtig. Sollten meine Spieler nicht allzu nervös sein, bin ich zuversichtlich! Die Nerven werden – wie so oft – alles entscheiden.

Und dann fällt mir auf, dass ich viel zu schnell von der Gemeinde zum Fussball gewechselt bin. Es fehlt ja noch der Stand der Dinge bezüglich unserer dritten Betriebskostenfinanzierungsmöglichkeit. Die Portugiesische Kooperation respektive das caboverdeanische Arbeits- und Solidaritätsministerium. Die haben uns ja auch Hilfe versprochen wollen aber, dass wir mit dem ICA – Institut für Kinder- und Jugendlichenhilfe zusammenarbeiten.

Der liebe Präsident dieses Institutes scheint aber leider ein vielbeschäftigter Mann zu sein. Trotz Zentrumsbesuches einer seiner Mitarbeiterinnen die einen sehr positiven Bericht über unsere Aktivitäten verfasst hat, ist es uns bis heute nicht gelungen einen Termin bei ihm zu bekommen. ‚Gut Ding braucht Weile’ denkt sich das Projektleiterchen und versucht zu vergessen, dass April schon ‚bedrohlich nahe’ ist..

Nein, Bedrohung verspüre ich keine. Ich sehe nur eine gewisse Schwierigkeit in den ersten Monaten nach Förderungsende. Weil bis die Gemeinde Tarrafal und wie sie alle heissen ihre Versprechen einlösen, werden wohl noch ein paar Wochen vergehen. Delta Cultura hat zwar in den ersten 1 ½ Jahren ‚geförderten’ Betrieb gewisse Rücklagen (hauptsächlich aus Verkauf Schreinerei und Schneiderei) … wie sagt man da? … angehäuft. Oder angelegt? Aber ‚Anlagen anlegen’ klingt auch nicht so gut?! Auf alle Fälle haben wir einen kleinen Haufen Geld mit dem wir … nicht weit kommen werden.

Oft werde ich gefragt: ‚der März ist zu Ende! Wie geht es mit dem Zentrum weiter?’ ‚Garnicht!’, antworte ich dann und vertiefe mich in mein Handbuch ‚Wie kann ich mir in Kuba den Lebensunterhalt sichern!’.
Unbeachtet lasse ich dabei mein zweites Handbuch ‚Welche Scherze sollte man besser unterlassen!’.

In Wahrheit ist es natürlich so, dass ich mir meiner derzeitigen Verantwortung sehr wohl bewusst bin. Die Förderung durch ASB/BMZ zu bekommen war ein Glücksfall, den Bau zu realisieren und das Ausbildungsprogramm zu organisieren war keine so grosse Sache. Es ist ja leider wirklich so, dass das liebe Geld die Welt ‚go round’ macht. Und Geld war in den letzten Jahren Dank ASB/BMZ und vielen weiteren Gross- und Kleinspendern reichlich zur Verfügung. Die wahre Herausforderung beginnt also eigentlich erst im April. Wobei die positiven Nachwirkungen der Förderung für viele viele Jahrzehnte bestehen bleiben werden. Weil das Zentrum steht. Man braucht es ‚nur’ mit Leben zu füllen.

Und genau das werden wir ab April auch machen:

Die Fussballschule arbeitet seit Bestehen mit zunächst überhaupt keiner Finanzierung und später mit sehr Geringer. Es wird sie also mit Sicherheit weiterhin geben.

Unsere Schreinerwerkstatt wird von einem reinen Ausbildungsbetrieb zu einer ‚Verkaufswerkstatt’ umgewandelt. Soll heissen: der Ausbilder bleibt uns als Werkstattleiter erhalten. Die 15 Lehrlinge (von denen ja Einige noch nicht wirklich das Alter haben um ‚auf den freien Arbeitsmarkt geworfen’ zu werden) bleiben auch. Ausbildungsentschädigung, Mittagessen, etc. bekommen sie allerdings nicht mehr. Ab April müssen sie sich ihr Einkommen selbst erwirtschaften. Schon seit Anfang Februar arbeite ich mit ihnen an diesem ‚Übergang’. Aufgabenbereiche (Werkstattleitung, Lagerverwaltung, Werbung, etc.) wurden definiert, Verantwortliche bestimmt, etc. Natürlich bekommen sie in allen Bereichen Unterstützung seitens der Projektleitung, je länger je mehr sollte diese Werkstatt aber vollkommen selbständig laufen. Aus den Kalkulationen die wir in unseren Sitzungen so ‚angestellt’ haben, geht hervor, dass es durchaus realistisch ist, dass die Werkstatt ausreichend Umsatz macht um (zunächst natürlich geringe) Gehälter zu zahlen und den Strom- und Wasserverbrauch zu bezahlen.

Auch mit ‚Luta contra Pobreza’ könnte es bezüglich Schreinerei eine Kooperation geben. Diese Organisation unterstützt ja immer wieder besonders arme Familien bei der ‚Verbesserung ihrer Lebenssituation’ und finanziert ihnen Fenster, Türen, Tische, Betten etc. Diese Aufträge könnte unsere Schreinerei für ‚reduzierte Preise’ ausführen. Weil reiner ‚Verkaufsbetrieb’ wird die Schreinerei auf keinen Fall. Erstens werden wir immer 2 bis 3 Jugendliche in Ausbildung nehmen und zweitens werden wir hoffentlich sehr schnell in der Lage sein eben besonders günstig oder gar kostenlos bedürftigen Familien zu helfen.

Mit der Umsetzung dieser Idee werden wir auch unserer ‚Vorgabe’ gerecht nicht einfach auszubilden, Diplome zu vergeben und die Ausgebildeten sodann wieder ihrem Schicksal zu überlassen.

Also: Fussballschule und Schreinerei wird es auch im April geben. Aber das ist noch lange nicht alles!

Die Alphabetisierungskurse laufen weiter. Diese werden ja vom entsprechenden Institut finanziert.

Wegen Fortführung oder ‚Neuaustragung’ Schneiderausbildung sind wir wie erwähnt ‚in Verhandlung’.

Workshops lassen sich ‚schnell’ organisieren und finanzieren. Genauso wie ‚Schwerpunktmässige Veranstaltungen’.

Und dann gibt es da ja noch einen Umstand der uns freudig und hoffnungsvoll stimmt. Die Übersiedlung. Ende März … nein, nicht meine nach Kuba!? … sondern die von Fu und Jenny von Düsseldorf nach Tarrafal. Die Beiden sind bereits dabei ihre Wohnung in ihrem Vaterland zu räumen um in ihr Mutterland zu kommen?! Wer die Beiden kennt weiss was das für uns und das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ bedeutet. Viel Schwung! Unendlich viele neue Ideen und deren Umsetzung …

Wie ich meine, ein sehr mutiger Schritt von Fu und Jenny. Weil Gehälter oder sonstige Sicherheiten können wir ihnen hier derweil keine bieten! Auch haben sie keine Mami oder keinen Papi der bei Notfällen ein kleines Taschengeld schicken könnte. Ihre Bankkonten haben sie plündern müssen um sich die Übersiedlung leisten zu können … sprich: vollkommen unrealistisch was die da machen!!! Ohne Sicherheiten in ein fernes Land auszuwandern um in einem ‚Kinder- und Jugendzentrum’ zu arbeiten, das geht nicht, ist reine Utopie! Es muss sich bei den Beiden also um Sozialromantiker, Idealisten oder sonstige Spinner handeln. Oder doch um Menschen die wissen wie das mit der Realität wirklich ist?! Menschen die sich nicht von sicherlich sinnlosem Sicherheitsdenken ins Handwerk pfuschen lassen?! Ich vermute Letzteres und freue mich darauf schon bald von ihren und damit unseren Erfolgen berichten zu können. Als weiteren Hinweis darauf, dass Utopisten und Idealisten die wahren Realisten sind … wie die Geschichte des ‚Kinder- und Jugendzentrums’ ja doch eindrucksvoll beweist?!
Also es wird sicher nix mit ‚Schluss mit lustig’ im kindlich jugendlichen Tarrafal. Es wird weiterhin lustig sein im ‚Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal’ und wir werden all die Erfahrungen die wir in den ersten Jahren Betrieb gesammelt haben in die Verbesserung der Zentrumsaktivitäten ‚einbauen’.

Nicht vergessen, sondern für den Schluss aufgehoben, habe ich unsere ‚Batucadeiras Delta Cultura’. Die wird es sowieso von April bis in alle Ewigkeit weitergeben. Schliesslich sind sie unser eigentliches Herzstück. Unsere besten Repräsentanten. Nichts auf der Welt kann sie in ihrer Lebensfreude versprühenden Fröhlichkeit stoppen.

Das haben sie im März ein weiteres Mal eindrucksvoll bewiesen. Sie haben ihren ‚dritten Geburtstag’ gefeiert. Mit einer wunderschönen Veranstaltung bei der sie zu einer Diskussionsrunde über ‚Batuco in der Gemeinde Tarrafal’ geladen, Mittagessen verteilt und natürlich Auftritte verschiedener Batucogruppen organisiert haben. Nach dem von der Gemeinde Tarrafal organisiertem Wettbewerb für Batucogruppen hat es ja leider so einige Unstimmigkeiten zwischen den Gruppen gegeben. Marisa unserer Batuco-Chefin ist das aufgestossen und sie wollte diese Eifersüchteleien ein für allemal aus der Welt schaffen. Leider haben sind nicht alle Gruppen der Einladung zur Diskussionsrunde gefolgt, aber ‚erfolgreich’ war sie trotzdem. Der Kulturgemeinderat und Marisa haben die Runde geleitet und sie konnten einige ‚Gerüchte’ aus der Welt räumen … bekanntlich wird ja viel geredet wenn Wettbewerbe von Jurys entschieden werden …
Grosses Lob hat Marisa für diese Veranstaltung auch von der Gemeinde bekommen. ‚Die ‚Batucadeiras Delta Cultura’ seien viel mehr als nur eine Batucogruppe …’

Dieser Batuco-Veranstaltung, allen unseren Fussballspielen sowie unseren täglichen Kämpfen, Krämpfen, Freuden und Tänzen hat in den vergangenen Wochen eine Helferin aus Österreich beigewohnt. Hanna Stepanik aus Wien war einen Monat lang bei uns in Tarrafal um zu erleben wie sich das hier Alles so abspielt. Aber nicht nur das! Sie war auch aktiv beteiligt. Unsere Schreiner- und Schneiderlehrlinge sowie ein paar Angestellte haben unter Hannas Leitung 2 Stunden täglich ihr Englisch aufbessern können. Und erstmals sind in unserem Zentrum Capoera-Klänge erklungen. Wobei ‚Klänge erklingen’ nicht schön ausgedrückt ist, aber mit fällt verdammt noch mal nichts Besseres ein.

Die Teilnahme an den abendlichen Capoerastunden war zwar sehr unterschiedlich ausgeprägt, bis heute begegne ich aber Jugendlichen im Zentrum die mit dem typischen Capoera-Schritten durch Schreinerei, Schneiderei, Hauswerkstatt und Computerraum tanzen! Ein voller Erfolg also!

Auch bei unserer Finanzierungssuche hat uns Hanna unterstützt. In zahlreichen Stunden hat sie das Internet durchforstet und mir die verschiedensten Seiten von möglichen Förderstellen herausgesucht. Jetzt liegt es an mir die jeweiligen Ansuchen an diese Stellen zu stellen … ja, ja ich weiss ‚an Stellen stellen’ klingt blöd. Sogar mein Rechtschreibprogramm macht mich darauf aufmerksam. Aber dieser Bericht muss fertig werden, ich kann meine Zeit nicht damit vertrödeln nach gut formulierten Formulierungen zu suchen.

Und ausserdem hab ich das ja nicht geschrieben um einen Preis zu gewinnen sondern um unseren Dank an Hanna Stepanik zu richten. Sie hat viel für uns getan und wir hoffen ihr mit den Erfahrungen die sie hier gesammelt hat auch ein bisschen Hilfe auf ihrem Lebensweg gegeben zu haben. Oder muss es heissen ‚gegeben haben zu können’?

Eines aber ist sicher: der letzte Absatz macht deutlich wie wichtig es wäre, dass ich diesen Bericht endlich beende und abschicke. Ich habe mich sozusagen ‚ausformuliert’. Die einfachsten Sätze kommen nicht mehr ordentlich rüber … dabei wollte ich noch so viel erzählen. Angesichts der immer schwieriger werdenden Formulierungsformalitäten werde ich mich aber auf zwei abschliessende kurze Hinweise beschränken.

Der erste Hinweis ist eine Bitte. Ich hoffe sehr, dass ich in diesem Bericht glaubhaft vermitteln konnte, dass die Zukunft unseres Zentrums durchaus rosig werden wird, dass alle bisherige Unterstützung nicht umsonst war und alle weitere Unterstützung weiterhin viel bewegen wird. Wie erwähnt wird der ‚Übergang’ von ‚Förderung aus Deutschland’ zu ‚Förderung durch einheimische Institutionen’ nicht leicht und wir sind in dieser Phase besonders auf finanzielle Unterstützung durch ‚Delta Cultura – Österreich’ angewiesen. Gross ist daher unsere Freude und Dankbarkeit über jeden Euro der auf unser österreichisches Konto eingeht!

Und ganz abschliessend eine Erfolgsmeldung aus dem Fussball. Inzwischen ist hier Montag und unser Alles entscheidende Samstagspiel ist Vergangenheit! Wir haben es in (nicht übertrieben) eindrucksvoller Manier 4:1 gewonnen (nach zahlreichen verhauten Torchancen und 0:1 Rückstand!). Damit sind wir Gruppensieger und steigen in die nächste Phase der regionalen Meisterschaft auf. Cool, gell?! Und ausserdem affengeil (wobei ich persönlich Affen garnicht so geil finde!) …

In tiefster Ergebenheit,

das Projektleiterchen

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