Das erste Kindergartenjahr im Bildungszentrum

Ein anstrengendes, mit positiven und negativen Überraschungen gepflastertes, erstes Kindergartenjahr im Delta Cultura Bildungszentrum ist zu Ende gegangen.

Was so leicht dahingesagt war – „machen wir einen Kindergarten für Kinder aus schwierigen, sozialen Verhältnissen“ – hat sich als riesengrosse Herausforderung für alle Beteiligten herausgestellt.

Grundproblem dabei: Prügeln, Schlagen, Brüllen sind in Tarrafal beliebte, weit verbreitete Erziehungsmethoden. Vor allem in der Bevölkerungsschicht unserer Zielgruppe. Das hat natürlich Konsequenzen. Eine sehr traurige dabei ist, dass diese Kinder einfach nicht auf jemanden hören der nicht schlägt und brüllt. Was wir natürlich trotzdem nicht machen …

Dieser Umstand hat dazu geführt, dass die Zuständige für den Kindergarten, die eine grossartige Vorbereitungsphase hingelegt hat, 3 Tage nach dem Start des Kindergartens das Handtuch geworfen hat, weil die Projektleitung ihre strenge Art und ihren Befehlston im Umgang mit den Kindern nicht akzeptiert hat.

Auch zwei Freiwillige aus Tarrafal, die im Kindergarten ausgeholfen haben, wurden nach einiger Zeit aus gleichen Gründen von dieser Aufgabe abgezogen.

Nach Elviny als Verantwortliche für den Kindergarten kam Mariana aus Portugal. Mit viel Geduld und Zuneigung für die Kinder, stellt sie sich seit November 2016 dieser wirklich grossen Herausforderung. Ihr zur Seite haben wir jetzt zwei langjährige Mitarbeiterinnen von Delta Cultura gestellt. Ohne Einheimische ist es schlicht und einfach unmöglich die Kinder davon abzuhalten sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.

Auch immer ein oder zwei der Freiwilligen aus Portugal helfen im Kindergarten aus.

In dieser Konstellation hat der Kindergarten im Bildungszentrum sodann richtig Fahrt aufgenommen. Hier ein paar Zitate von Mariana zum Kindergartenalltag:

„ … ein erstes Jahr Kindergarten voller Emotionen, Zuneigung, Freundschaften, Kreativität, Spontanität und gegenseitigem Lernen … „

„ … inhaltlich wurden allgemeine Dinge wie Farben, Nummern, Buchstaben, Wochentage, etc. vermittelt, es gab aber auch jeweils ein Thema des Monats. Dieses wird vom Bildungsministerium vorgegeben. Rund um diese Themen wie Ernährung, Transportmittel, Kommunikationsmittel, Pflanzen, Berufe, etc. haben wir Geschichten erzählt, Videos gezeigt und auch Ausflüge gemacht … „

„ … wichtiger als die Programminhalte waren uns die Vermittlung andere Kompetenzen und Werte. Schliesslich bekommen diese Kinder zu Hause ganz offensichtlich viel zu wenig Aufmerksamkeit und Zuwendung. Wenn wir uns den Werdegang jedes dieser Kinder heute anschauen, sehen wir, dass sie soziale Kompetenzen entwickelt haben. Auch ihre Ausdrucksfähigkeit und Kreativität hat sich sehr verbessert … „

„ … Was die Entwicklung der Fähigkeiten der Portugiesischen Sprache angeht, war der Fortschritt der Kinder bemerkenswert. Zwar können sie sich noch nicht auf Portugiesisch unterhalten, aber im Laufe der Monate haben sie sich angewöhnt gewisse Vokabulare auf Portugiesisch zu verwenden. Durch den täglichen Umgang mit Portugiesisch, haben die Kinder einen natürlichen Zugang  zu der Sprache gefunden … „

Zu Beginn des Kindergartenjahres gab es unnötigerweise auch Schwierigkeiten mit der lokalen Kindergartenaufsichtsbehörde. Diese wollte uns vollkommen unsinnige Disziplinarmassnahmen vorschreiben. So Dinge wie Uhrzeiten für die Kinder zu denen sie aufs Klo gehen dürfen, oder stillsitzen mit den Händen auf dem Tisch wenn Portugiesisch beigebracht wird. Ganz stolz hat die Beauftragte für die Kindergartenaufsicht erklärt ein Kind sei wie ein Batzen Ton der geformt werden will … Ob sie diese Theorie aus „Mein Kampf“ hat wissen wir nicht …

Die Schwierigkeiten die die gute Frau Delta Cultura gemacht hat, nachdem wir uns geweigert haben ihr zu gehorchen, haben sich erst gelöst nachdem Delta Cultura eine Inspektion von der nationalen Aufsichtsbehörde verlangt hat. Nachdem diese den Kindergarten zweimal besucht  hat und wir dabei immer sehr gute Gespräche über Bildung im Allgemeinen und Kindergartenaktivitäten im speziellen gehabt hatten, waren alle Unklarheiten ausgeräumt. Zwar sind wir jetzt nicht die besten Freunde der lokalen Beauftragten für Kindergartenangelegenheiten, aber die Zusammenarbeit funktioniert jetzt, die Kinder dürfen aufs Klo gehen wenn ihnen danach ist und wie alle anderen Kindergärten auch bekommen wir jetzt Hilfe bei der Verpflegung der Kindergartenkinder.

Zum Abschluss noch eine kurze Konversation, die sich am letzten Tag zwischen einem Kindergartenkind und Mariana zugetragen hat:

Mariana: „Heute ist letzter Kindergartentag, dann sind Ferien.“

Kind: „Warum? Ich will aber keine Ferien.“

„Aber wir wollen doch alle Ferien?“

„Nein, ich nicht. Dann komm ich halt alleine in den Kindergarten.“

Das erste Kindergartenjahr war also nicht unproblematisch, aber wie wir meinen, haben wir die Herausforderungen gemeistert und können uns mit den Erfahrungen des ersten Jahres, sowie Dank zahlreicher Gespräche mit Kinderpsychologen im zweiten Jahr weiter verbessern.

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