Förderungsansuchen

Schon wieder erfolgt der Monatsbericht ein paar Tage zu spät … diesmal kann ich aber wirklich nichts dafür: in all den bald 39 Jahren die ich jetzt auf dieser Welt herumwurscht’l ist noch nie ein Monat so schnell vergangen!

Insider wissen, dass ich praktisch den ganzen Monat damit verbracht habe an einem Förderungsansuchen zu arbeiten. Habe es glaube ich auch schon im letzten Monatsbericht erwähnt. Auf alle Fälle war es viel mehr Arbeit als angenommen. Aber der Antrag ist fertig. Dank tage- und nächtelanger Schreiberei, Kostenkalkuliererei, Finanzplanerei, Bürokratiererei von Katrin Blume (ASB) und meiner Wenigkeit (ich hasse diesen Ausdruck! Aber er ist mir vom Kopf in die Finger geflutscht und so steht er jetzt halt da.)

Dieses Ansuchen stellt der Arbeiter-Samariterbund-Deutschland an das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Und da es ’nur‘ ein Ansuchen ist und noch weit entfernt von einer zugesicherten Förderung möchte ich auch gar nicht so viel darüber berichten. Eines sei dazu nur gesagt: ich würde mich freuen wenn wir die Förderung bekommen!

Für dieses Ansuchen war übrigens eine kleine Vereinsstrukturänderung notwendig. Bisher hat Delta Culture ja eine Zweigstelle hier in Cabo Verde, mit mir als Geschäftsführer, gehabt. Das war für dieses Ansuchen aber nicht zulässig. Es hat einen eigenständigen caboverdeanischen Verein gebraucht. Und so hat Delta Culture in Wien in einer überstürzt einberufenen ausserordentlichen Generalversammlung die Zweigstelle in Cabo Verde aufgelöst und mich als Geschäftsführer fristlos entlassen. In einer ebenso eiligen Aktion wurde der Verein ‚Delta Cultura Cabo Verde‘ in CV registriert. Mit knapper Not konnte ich die Stelle des Kassiers ergattern. Marisa ist ‚Presidente‘. Das steht ihr gut und sie glaubt jetzt endgültig über mich herrschen zu können …

Diese Aktion wirkt auf den ersten Blick etwas sinnlos, ist bei näherer Betrachtung aber sogar mir einleuchtend. Wenn nämlich Geld von deutschen Steuerzahlern für das Kinder- und Jugendzentrum auftauchen sollte, dann soll dieses Geld ja auch wirklich in Cabo Verde ‚landen‘. Und wenn Delta Culture ein österreichischer Verein ist dann bekommt sozusagen Österreich wirtschaftliche Entwicklungshilfe aus Deutschland …

Soviel zu dem Ansuchen. Unsere Aktivitäten hier in Tarrafal waren wie immer im September von Chaos beherrscht. Mitte des Monats ist Schulbeginn und bis ein paar Stunden davor wissen die Kinder nicht ob sie Vormittags oder Nachmittags in die Schule müssen. Wenn sie es dann endlich wissen ändert es sich am zweiten Schultag meistens wieder …

Es ist also nicht möglich neben diesem Hin- und Her einen regelmässigen Trainingsbetrieb zu führen. Nachdem ich mich vergangenes Jahr noch darüber gewundert und geärgert habe, ist es dieses Jahr schon ‚September-Alltag‘.

Inzwischen hat sich ja auch schon alles wieder ‚beruhigt‘ und die Kinder sind in der ‚grossen, richtigen Schule‘ und in der ‚Fussballschule‘ wieder in Klassen und Gruppen eingeteilt. Leider hat es mir dabei meine U14 Gruppe zerrissen. Nachdem die Kinder letztes Jahr alle nachmittags Schule hatten und also am Vormittag trainiert haben gehen sie dieses Jahr teilweise am Vormittag teilweise am Nachmittag in die Schule. Habe jetzt also eine U14 Gruppe am Vormittag und eine am Nachmittag zum Training. Abgesehen von der Mehrarbeit für den armen Trainer Florian ist es auch für die Kinder schade. Werde einfach noch regelmässiger Spiele an den Sonntagen organisieren müssen damit sie ihr Zusammenspiel nicht verlernen.

Ein weiterer ‚Umstand‘ mit dem sich Delta Cultura konfrontiert gesehen hat, hat auch mit dem Schulbeginn zu tun. Für das ‚Gymnasium‘ herrscht hier ja Uniformpflicht. Und zwar strenge. Ohne Uniform kommen die Kinder und Jugendlichen nicht ins Schulgebäude. Nachdem aber auch Schulgeld zu zahlen und Bücher, Hefte, Schreibmaterial zu kaufen ist, geht vielen Familien ‚das Geld aus‘. Viele der Kinder der Fussballschule haben bei uns um finanzielle Hilfe angesucht. In unserem Rahmen haben wir natürlich auch geholfen. Aber dieser Rahmen war sehr beschränkt. Für nächsten September sollten wir besser darauf vorbereitet sein!

Marisa war übrigens bei der Eröffnungsrede des neuen Schuldirektors bei der dieser auch die ‚Uniformpflicht‘ erklärt hat: es geht dabei darum den Klassenunterschied Reiche-Arme zu ‚vertuschen‘. Wobei das in einer so kleinen Gemeinde wie Tarrafal eh fast egal ist. Da kennt fast jeder jeden … Tatsächlich ist es aber so, dass den Familien durch diese Uniform kaum Mehrkosten entstehen. Keine noch so arme Familie würde ihre Kinder in zerfetzten, dreckigen Kleidern in die Schule schicken. Das verbietet ihr Stolz. Lieber das Kind zu Hause lassen als dreckig in die Schule zu schicken.

Soviel also zu uniformierten Chaosansuchen … ?!

Möge der Oktober in Europa noch keine allzu unerträgliche Kälte bringen … hier fängt ja jetzt die vom Klima her angenehmste Jahreszeit an: angenehm warme Sonne tagsüber, schlaffördernde Kühle in der Nacht. Herrlich!

Deus ku njos,

Florian

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