Fussballschule und hochrangiger Besuch

Alle Monatsberichte fangen immer irgendwie mit ‚ach, wie die Zeit vergeht‘ oder ‚was? Schon wieder ein Monat vorbei?‘ oder so ähnlich, an. Das wird fad. Nur fällt mir jetzt so auf die schnelle kein besserer Einstieg ein?!

Apropos ‚Einstieg‘: letztens im Fussballtraining STIEG EIN Spieler dem anderen auf die Zehen … womit wir bei der Fussballschule wären.

Endlich wieder ein Monat in dem ich mich intensiver um Diese habe kümmern können. Wir haben jeden Sonntag Spiele gehabt. Alleine 3 mal gegen die Fussballschule Praia. Anfang des Monats U12, U15 und Mädchen in Praia. Das Wochenende darauf U15 gegen den Nachbarort Chão Bom, dann U12, U15, U17 in Tarrafal gegen Praia und schliesslich vergangenes Wochenende eine grosse Premiere für die U15: sie haben im ‚grossen‘ Stadion in Praia erstmals auf Rasen gespielt!! Zwar nur kurz (2 x 20 Minuten) und ganz schlecht gespielt (0:4 verloren), aber es war sicher ein grosses Erlebnis für die Buben! Vielleicht haben sie ja vor lauter Begeisterung über den weichen Rasen ganz vergessen dass sie sich in einem Fussballspiel befinden?!

In all den Spielen im November hat man klar gesehen, dass die Mannschaften aus Praia taktisch viel ‚weiter‘ sind. Aber das macht mir keine grossen Sorgen. Erstens muss das Augenmerk bei der Ausbildung eines Kindes/Jugendlichen (so bis 14 bis 15 Jahre) sowieso auf der Technik liegen und zweitens haben wir jetzt im Dezember unsere Schweizer Profitrainer, Daniela und Beat, hier! Gerade mit der U15 werden wir in dem kommenden Monat an deren taktischem Verhalten arbeiten.

Mein intensive Arbeit an dem Ziel, ‚Cabo Verde Weltmeister 2014‘ hat durch diese lächerliche Niederlage auf alle Fälle keinen Einbruch erlebt!!

Altbekannte ‚Schwierigkeiten‘ mit der Mädchenmannschaft hat auch der November gesehen. 3 mal in Folge habe ich mich mit Müh und Not um halb sechs in der Früh aus dem Bett gequält um dann einsam und verschlafen vor meiner Tür zu sitzen und vergeblich auf fleissigen Fussballerinnen zu warten … das war mir denn doch zu blöd und ich habe die Gruppe kurzerhand für inexistent erklärt. Das haben mir die Mädchen ziemlich übel genommen. Meine Erklärung, dass ich nicht so wahnsinnig gerne um halb sechs aufstehe um zu schauen ob nicht doch eventuell die Eine oder Andere trainieren kommt haben sie nicht so ganz verstanden. Für sie ist es halt doch so, dass es mir eine Ehre sein muss sie trainieren zu dürfen und wahrscheinlich erwarten sie sich, dass ich jedes Mal wenn sie sich entschliessen zu trainieren ‚jubeltanzend‘ auf den Fussballplatz komme …

Auf alle Fälle gibt es die Mädchengruppe inzwischen wieder. Allerdings nicht mehr um 6 in der Früh, sondern um halb acht … da sitzt es sich dann auch schon besser einsam und verschlafen vor meiner Haustür!

Und natürlich versuche ich ihnen klar zu machen, dass sie sich fussballerisch nicht verbessern werden wenn sie nicht regelmässig trainieren.

Besser ‚verhalten‘ sich die lieben Teenagerinnen mit ihrer Batucugruppe. Zwei bis dreimal die Woche treffen sie sich auf unserer Veranda und verbessern ihre Batucufähigkeiten.

Auch haben sie eine ‚grossen‘ erfolgreichen Auftritt bei einem Festival am Strand von Tarrafal ‚absolviert‘. Allerdings verliert der Batucu meiner Meinung nach an ‚Wirkung‘ auf so grossen Bühnen. Vorallem weil aus Mangel an Mikrophonen meist nur die Vorsängerin ein solches benutzt. Dadurch ist sie dann zwar weithin zu hören, aber das Trommeln und das gemeinsame Singen geht etwas unter …

Aber wie auch immer, für die Mädchen war es ein Erlebnis!

Schön langsam können wir daran denken eine CD aufzunehmen! Vielleicht gemeinsam mit einem europäischen Musiker … den Batucu weiterentwickeln … ein interkulturelles Projekt … Hubert von Goisern ist schon in Praia aufgetreten und kennt Tarrafal … dazu müssten wir nach Österreich kommen … und dann auch gleich mit einer Fussballmannschaft … an internationalen Turnieren teilnehmen … Wiener Schnitzel für alle … oder besser Zitroneneis? … und wer soll das finanzieren? … Ideen und Anregungen erwünscht!

Der November hat neben dem ’normalen‘ Projektbetrieb auch Höhepunkte in Bezug auf hochrangigen Besuch erlebt. Zunächst Frank Mössinger und Uli Hermann. Die Beiden ‚Vista-Verdianerinnen‘ sowie Architekt und Photoreporterin des Zentrums, haben ihre harmonische Beziehung in Tarrafal vorgelebt und damit allerorts ein gutes Beispiel gegeben … aber das nur so nebenbei … Wir haben in zahlreichen Gesprächen das Projekt analysiert, den Bau besprochen, angefangen mit Handwerkern Kontakt aufzunehmen und auch erste Versuche mit dem hiesigen Lehm gestartet. Der erste Lehmziegel wartet in unserem Hof auf seinen Einsatz!

Und mir ist jetzt eines so klar wie das Meer von Tarrafal an einem herrlich sonnigen Tag, an dem ich am Strand liege, mich im Meer abkühle, mich in der Strandbar von den Strapazen der hochrangigen Besuche erhole … also mir ist jetzt klar, dass es unbedingt notwendig sein wird den lieben Architekten Frank bei dem Bau des Zentrums vorort zu haben! Sollte das liebe BMZ (lang nicht so lieb wie Frank) das Projekt fördern, dann ist hier die Hölle los. Dann gibt es 727 Dinge zu organisieren während gleichzeitig das Ding gebaut werden muss … das schafft der liebe Florian (lieb wie Frank und BMZ zusammen) nie und nimmer ganz alleine. Auch weil wir den Bau nicht einem Generalunternehmen übergeben wollen/können sondern selbst die verschiedenen Handwerker ‚aussuchen‘ werden … es ist dies die einzige Möglichkeit mit den (noch nicht) vorhandenen Baugeldern auszukommen und die in Vergessenheit geratenen Baumethoden mit Lehm etc. durchzusetzen.

Frank und Uli waren zu Tode betrübt und panisch vor der ihnen bevorstehenden deutschen Kälte abgereist als schon der nächste Besuch eingetroffen ist. Liz und Bernie aus Wien! Von Vista-Verde zu Delta-Culture!

Auch ein sehr produktiver Besuch. Ich habe ja fast schon ein schlechtes Gewissen wenn so viele liebe Leute ihren Urlaub ‚opfern‘ um hier in Tarrafal Projektleitern, Barbesitzern, Fussballtrainern und sonstigen Wahnsinnigen unter die Arme zu greifen!

Natürlich haben viel über das Projekt gesprochen, Strategien entworfen, etc. Aber nicht nur das. Liz und Bernie haben unermüdlich ihr handwerkliches Geschick eingesetzt um unsere Bar auf Vordermann zu bringen.

All diesen Besuchern auf diesem Weg meinen allerherzlichsten Dank!

Um die Besuche der europäischen Projektpartner zu komplettieren sind Ende November Daniela und Beat aus der Schweiz in Tarrafal eingetroffen. Die Beiden haben ja vor ihrer Abreise einen Container mit Fussballmaterial und vielen ‚zentrumsnotwendigen‘ Gegenständen auf den Weg geschickt. Wir erwarten ihn dieser Tage und freuen uns tierisch auf den Kampf mit dem caboverdeanischen Zoll …

Mehr zu diesem Besuch dann im nächsten Monatsbericht!

Zu dem Förderungsansuchen in Deutschland hülle ich mich derweil noch in Schweigen. Es läuft immer noch. Das BMZ hat das Ansuchen angenommen und prüft … lassen wir sie das in Ruhe machen und beten dafür dass sie sich nicht zuviel Zeit lassen … am 9.12 schliesst nämlich die Bundeskassa in Deutschland und dann ist es vorbei mit Förderungen! Das heisst, ich werde dieser Tage über den Bescheid bescheid bekommen und dann bescheiden auch an alle Monatsberichtsempfänger Bescheid geben.

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