Der Ruf nach Tatsachen und der Wahrheit

Jetzt höre ich doch tatsächlich von verschiedenen Seiten meine Monatsberichte seien zwar sehr willkommen und sollten sich auch im Stil nicht ändern, aber es bräuchte doch auch einen etwas seriöseren Bericht …
Da will ich doch gerne wissen was denn ’seriös‘ ist? Reiner Tatsachenbericht? Ganz objektiv? Keine Ausschweifungen, wie z.B. Überlegungen zu Seriosität? Na dann seriööööö …
Also ich sehe das so: eigentlich hält kein Mensch reine Seriosität aus … auch in Berichten nicht. Ein objektiver Bericht ist wie ein verrichtetes Objekt … ?! Ein oberg’scheiter Philopsychosoph würde sicherlich meinen: der Wunsch nach Seriosität ist eigentlich die ‚Angst vor dem Leben‘, der Wunsch mit Regeln alles in den Griff zu bekommen … aber seien wir doch ehrlich: das geht nicht … sagt der Philopsychosoph oder sage ich?! …

Nein, bitte vielmals um Entschuldigung, so kann es ja auch nicht gehen. Der Ruf nach Tatsachen und der Wahrheit und zwar nichts als der Wahrheit ist ja gerechtfertigt. Fangen wir also an:
Das neue Jahr hat erstaunlich ähnlich angefangen wie das alte aufgehört hat. Das BMZ hat seine Förderung nicht zurückgezogen, die Kinder Tarrafals wollten nicht aufhören Fussball zu spielen, Frank der Architekt wollte nicht aufhören Kinderzentren zu erbauen, ich wollte weiterhin Projekte leiten, der Bürgermeister von Tarrafal war immer noch nicht zu sprechen und so ist fast alles beim Alten geblieben.
Eine grosse Neuerung hat der Jänner aber gleich zu Beginn doch gebracht. Er hat Frank seinen Wohnort von Sindelfingen nach Tarrafal verlegen lassen … nix Besuch des Architekten, oder bisschen mithelfen beim Projektstart … der liebe Frank sitzt seit Anfang Jänner halbtags vor seinem Computer zeichnet Pläne und macht Ausschreibungen, den Rest des Tages lernt er auf verschiedenen öffentlichen Stellen Creolo. Abends während dem Essen muss er sich dann mein Gejammer anhören wie schwierig es doch sei ein Kinderzentrum zu erbauen wenn man dabei auch nur minimal von einer Gemeinde abhängig ist …
Bisher ist der liebe Frank aber äusserst tapfer! Er zeichnet, schreibt aus, verhandelt mit Behörden und ‚Baumenschen‘ … und ignoriert meine Ausfälle standhaft!

Eine Premiere durfte der 3. und der 4. Jänner erleben. Eine Zusammenkunft von namhaften Grössen von ‚Vista Verde‘, ‚bd sport active‘, ‚Delta Culture – Wien‘ und ‚Delta Cultura Cabo Verde‘. Die da sind: Frank Mössinger, Daniela Liechti, Beat Clerc, Walter Löffler, Estela Amarilia Cabral Correia (besser bekannt als Marisa) und meine ganz viel Wenigkeit. Dazugekommen sind dann noch weitere Projekthelfer die sich (noch nicht) in einem Verein organisiert haben: Christian ‚Fu‘ Müller, der Mann der so schnell im Kopf ist dass er mit dem Reden fast nicht nachkommt und Fred Schuld der seinen Aufenthalt in Tarrafal zum filmen seiner ersten Dokumentation genutzt hat …
Erstmals seit Existenz dieser Vereine sind also Vertreter aller Drei an einem Tisch gesessen. Es war übrigens der Tisch der so eine dünne Hartholzplatte hat dass diese schon fast durchbricht …
Die Zusammenkunft war sehr gemütlich, alle haben mich über den Klee gelobt (als gäbe es hier Klee) …

Ich habe mein Problem mit der Seriosität jetzt geklärt: da ich immer nur abends an diesem Bericht schreibe und ich dann schon etwas müde bin, fällt es mir schwer mich zu konzentrieren … aber das muss jetzt anders werden sonst wird dieser Bericht nie fertig. Und eigentlich habe ich derzeit gar keine Zeit für ausschweifende Monatsberichte.

Also Tatsachen:
Der Bau des Zentrums hat noch nicht angefangen! Probleme mit der Vermessung des Geländes (Aufgabe der Gemeinde), Verzögerungen bei der Ausschreibung … und vor allem: Frank und ich müssen uns jetzt einmal ‚zurechtfinden‘. So haben wir z.B. nach langem Hin- und Her und zahlreichen Gesprächen beschlossen k e i n e n Bauleiter anzustellen. Wir machen das selber und schreiben Stück für Stück aus. Zuerst – der Natur der Sache folgend – die Planierung sowie die Fundamente. Dafür haben wir jetzt schon 4 Angebote und werden dieser Tage entscheiden und anfangen.

Das Problem mit der Landvermessung sind die Pflanzen die auf dem Gelände herumliegen. Die Gemeinde hat diese bereits ausgerissen, aber jetzt liegen sie dort herum und die Vermessungstechnikerin sagt sie könne nicht vermessen … glaube ich zwar nicht, aber sie ist bis jetzt nicht dazu zu bewegen.
Leider ist der Bagger der Gemeinde seit ein paar Wochen kaputt und so können sie die Pflanzen nicht wegschaffen.
Die Lösung des Problems könnte sein, dass wir die Arbeit selber, also mit den Fussballschülern- und schülerinnen machen. Eventuell mit Einsatz unserer Autos … bin mir nicht sicher ob das möglich ist aber Frank und ich werden das jetzt auf die eine oder andere Art angehen. Zu warten bis die Gemeinde ihren Bagger repariert hat ist kaum möglich … das kann noch Monate dauern.

Und ja, ihr habt richtig gelesen: ‚unser Auto‘. Dank ASB und BMZ haben wir jetzt eines. Einen Toyota Dyna 150. Nicht neu aber dafür gebraucht! Das ist so eine Art Kleintransporter mit grosser Ladefläche die mit einer Plane überdacht ist … bzw. noch nicht überdacht ist. Die Plane ist schon in Auftrag gegeben und wird ‚Delta Cultura‘ usw. draufstehen haben!
Auf alle Fälle ist dieses Auto ein Meilenstein in der Geschichte der Fussballschule auf ihrem Weg zum Kinder- und Jugendzentrum. Jetzt kosten die Fahrten nach Praia zu unseren Auswärtsspielen nicht mehr 80 € sondern gerade mal 10 € Benzin.

Die Erzählreihenfolge dieses Berichts zeigt leider schon wo derzeit die Prioritäten unserer Arbeit liegen. Die Fussballschule leidet etwas darunter. Noch vielmehr weil ja Anfang des Monats Daniela und Beat aus der Schweiz in eben diese zurückgereist sind! Warum sie nicht hier geblieben sind weiss ich nicht genau?! Ich vermute aber weil sie festgestellt haben dass man auch in Cabo Verde von Luft und Liebe nicht leben kann??!! Trotz guter Luft und liebesfähiger- und würdiger Menschen!
‚Die Fussballschule leidet‘ heisst aber nicht, dass das Training verringert oder eingestellt ist. Sicher nicht! U17, U12, U11 und U10 haben ja weiterhin ihre Trainer die mit Bau etc. nichts zu tun haben. Und meine U15 und die Mädchen trainieren weiterhin regelmässig. Immer wieder muss ich mir aber einen ‚Ersatztrainer‘ suchen weil mir wichtige Termine dazwischenkommen. Ersatz ist dann meist Nené, der Trainer der U10.
Was die Fussballschule aber bräuchte – das haben auch Daniela und Beat gesehen und ‚gefordert‘ (unter Androhung von Strafsanktionen seitens der FIFA) – ist ein ausgearbeitetes, durchdachtes Konzept sowie Trainingspläne für die verschiedenen Altersstufen.
Das wird kommen! Wir sind alle davon überzeugt. Aber vielleicht erst wenn das Zentrum erbaut und in Betrieb genommen ist. Sind ja nur mehr ein paar Monate bis dahin?!

Wer unter meiner Zeitknappheit in keiner Weise leidet ist die Batucugruppe. Obwohl ich ihnen jetzt bei ihren wöchentlichen Übungstreffen nicht mehr vortanzen- und singen kann lassen sie sich in ihrer Entwicklung nicht aufhalten.
Im Jänner hatten sie einen weiteren Auftritt. Anlass was das grosse Dorffest ‚Santo Amaro‘. Wie jedes Jahr ein Höhepunkt des Dorflebens in Tarrafal.
Für die Batucumädchen gab es aber einen fast noch wichtigeren Termin im Jänner. Das Fernsehen (3Sat) war hier und hat die Mädchen bei einer ihrer Übungssessions aufgenommen. Der Bericht sollte Ende März auf 3 Sat zu sehen sein! Sobald ich genauen Termin weiss werde ich noch speziell darauf hinweisen.
Und dann wäre der nächste logische Schritt der Batucadeiras – nach öffentlichen Auftritten und Fernsehpräsenz – die Aufnahme einer CD! Vielleicht dann wenn in dem hypermodernen Jugendzentrum ein noch viel hyperes Tonstudio eingerichtet ist? … wer das bezahlen soll weiss nur der Gott der Kopfhörer …

Na gut, lassen wir diesen Bericht jetzt fertig sein … bevor er noch mehr Götter beschwört deren Existenz mehr als fraglich ist … ausserdem ist das in keiner Weise seriös …

Wünsche wenig Schneeverwehungen, warme Fäustlinge und auch sonst so Einiges,

Florian Wegenstein

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