Der Bau des Kinder- und Jugendzentrums Tarrafal hat begonnen!

Angefangen hat alles mit dem 1. Tag im Monat. Und als sich dann der 28. Tag verabschiedet hat war es auch schon wieder vorbei.

Soviel zum Monat Februar.
Liebe Grüsse,
Florian Wegenstein

… diese mögliche Kurzfassung eines Monatsberichtes ist eine der vielen Zeiteinsparungsmassnahmen die ich in stundenlanger Arbeit entwickelt habe.
Bin eigentlich den gesamten Monat vor meinem Computer gesessen, habe mir schöne Musik aufgelegt und versucht Zeit zu sparen. Ist mir auch ganz gut gelungen.
Störend war eigentlich nur Frank der Architekt der immer wieder reingeplatzt ist und irgendwas von einer Baustelle erzählt hat. Um ihn ruhig zu stellen habe ich ihm halt immer wieder mal einen Scheck zugesteckt … habe nämlich ganz unerklärlicherweise plötzlich Millionen am Konto … und ganz viele sehr liebe neue Freunde die mich jetzt jeden Tag besuchen kommen. Wie ja alle wissen bin ich kein geiziger Mensch also bekommen die halt auch alle einen Teil vom Kuchen. Es ist hier in Afrika ja schon sehr wichtig sich beliebt zu machen. Sonst trifft einen der Voodoo Zauber oder sonst ein Hühnerbein …
Seltsamer Weise gibt es im fernen Deutschland ein Ministerium, dass sich mit meiner diesbezüglichen Vorgehensweise überhaupt nicht einverstanden zeigt. Warum das so ist werde ich versuchen im März herauszufinden …

Das geht jetzt fast schon zu weit, gell??! Wenn das jemand liest der mich nicht kennt … Gott behüte.
Bleiben wir also bei der Wahrheit … aber es wird doch eh niemand geglaubt haben dass einem hier Hühnerbeine um die Ohren fliegen! Oder? So viele Hühner gibt es hier ja gar nicht. Die werden alle aus Portugal importiert.

Am 8. Februar war es endlich soweit! Der Bau des Kinder- und Jugendzentrums Tarrafal hat begonnen! Ein sehr erhebendes Gefühl!
Wir hatten ja bereits seit Wochen die Baugenehmigung, aber die Vermessungstechnikerin der Gemeinde hat sich von den zahlreichen Dornenbüschen auf dem Gelände aus der Fassung bringen lassen und sich beständig geweigert das Land einzumessen.
Der Bagger der Gemeinde hat sich auch nicht bereiterklärt die blöden Dinger zu vernichten … also haben wir eine ‚Gewaltaktion‘ gestartet: ein Aufruf an alle Fussballkinder sich am Sonntag den 6. Februar auf dem ‚Dornenbuschgelände‘ einzufinden um dieses von den aggressiven Pflanzen zu befreien.

Natürlich sind nicht alle diesem Aufruf gefolgt, aber doch eine grosse Anzahl an Kindern und Jugendlichen haben singend, tanzend, klagend, die Büsche auf grosse Haufen ‚zusammengestossen‘. Das Vielzweckauto von Delta Cultura hat die grossen Baumstämme vom Gelände gezogen und am frühen Nachmittag konnten wir mit grossen Feuern die erfolgreiche Geländereinigung feiern. So hatten wir denn nicht nur einen brennenden Dornbusch, sondern ganz viele … offenbart wurde uns trotzdem nichts …

Die Voraussetzungen zur Landvermessung waren damit endlich geschaffen und gleich am nächsten Tag haben wir die liebe Vermessungstechnikerin denn auch in aller Früh abgefangen, gefesselt und geknebelt und im Kofferraum des Delta Cultura Autos auf das Gelände geschafft … widerwillig hat sie sich unseren Drohgebärden gebeugt und so war am Abend dieses denkwürdigen Tages auch diese Arbeit getan.
Endlich hat Carlitos, unser beauftragter Bauunternehmer, ‚ausrechnen‘ können wo er die Fundamente graben soll … es hat sich bewahrheitet was uns Viele angekündigt haben: sind einmal die bürokratischen Hürden genommen geht das mit dem Bau ruckzuck …
Wie erwähnt hat am 8. Februar der Spatenstich stattgefunden und bis heute (Anfang März) sind bereits gewaltige Fortschritte auf der Baustelle sichtbar. Frank der Architekt zeichnet zwar dauernd alles ganz falsch, aber Carlitos reisst geduldig alles nieder was Frank verbrochen hat.
Trotzdem gehe ich sehr liebevoll mit dem Architekten um. Es ist ja sein erstes Projekt und ich bin zuversichtlich dass sogar er es lernen wird! Sein nächstes Projekt wird sicher ganz fantastisch.

Inzwischen sind die Fundamentierungsarbeiten schon sehr weit fortgeschritten und wir sind zuversichtlich, dass Carlitos unsere ‚Vorgabe‘ mit den Arbeiten bis Mitte März fertig sein zu müssen, einhalten kann.
Es geht wirklich alles viel schneller als erwartet.

So und damit genug zu der Baustelle. Es ist nämlich auch so, dass Frank der Architekt jetzt auch jeden Monat einen Bericht verfasst … und der beschäftigt sich natürlich intensiver mit der Baustelle, ihren Problemen, Freuden und Fortschritten … ab kommenden Monat werde ich also diesen, seinen, Bericht dem meinigen ‚anhängen‘ … vonwegen Zeiteinsparungsmassnahmen!

Und leider ist es wirklich so, dass in diesen Monaten so viel passiert, dass es fast nicht mehr möglich ist über alles detailliert zu berichten. Da müsste ich schon fast zu Tages- oder Wochenberichten übergehen … und das kann ich niemandem zumuten. Zuallererst mir selbst nicht …

Die Fussballschule! Mein drittliebstes Kind! Nach Natalina und Idalena! … sie leidet etwas unter meinem Zeitmangel. Wie bereits im letzten Bericht erläutert.
Trotzdem sind wir unserem Ziel ‚Weltmeister 2014‘ wieder einen Monat näher gekommen. Ich kann es kaum noch erwarten über den Siegestreffer von Duducu im Finale gegen Brasilien zu jubeln, den Pokal in Händen zu halten, den Titel des weltbesten Trainers entgegenzunehmen, mich mit gespielter Bescheidenheit in die Herzen aller Fussballfans zu ‚katapultieren‘ … ganz im Gegensatz zu diesem arroganten Affen Jose Mourinho, der 2014 Nationaltrainer von Brasilien sein wird und nach der blamablen Niederlage gegen Cabo Verde im Finale nie mehr einen Trainerposten bekommen wird!
Aber das sind noch lange nicht alle meine Ziele! Nächste Woche will ich mit der U15 Chão Bom schlagen … nachdem wir vergangene Woche ’nur‘ 1:1 gespielt haben. War aber ein unbedingt vielversprechendes Spiel. Obwohl der Sieg ausgeblieben ist. Sie haben etliche Chancen herausgearbeitet, halt leider fast ebenso viele vernebelt. Wobei zu erwähnen ist, dass wir auf unserem Trainingsplatz gespielt haben der nur kleine Tore hat. Da ist es viel schwieriger zu ‚verwandeln‘.
Der Ausgleichstreffer der Gastmannschaft ist erst kurz vor Schluss gefallen. Aus einer Standardsituation. Eckball. Und so ein Riesentyp der eigentlich gar nicht Fussballspielen kann aber durch seine Grösse gewisse Vorteile hat, hat per Kopf verwandelt. Ansonsten war unsere Verteidigung sehr sattelfest und hat davor eigentlich überhaupt keine Chance zugelassen … aber leider gibt es ja diese saublöde Regel im Fussball: wer die Tore nicht schiesst bekommt sie … gerne würde ich mit dem Erfinder dieser Regel ein ernstes Wort sprechen …
Die Mädchen, von denen 2 ganz regelmässig zum Training kommen, haben diesen Monat kein Spiel absolviert. Aber morgen (Sonntag) findet ein Turnier statt … Bericht über den Pokalgewinn im nächsten Monatsbericht.

Bleibt noch von der Batucugruppe zu erzählen: die sind einfach phantastisch. Ihre zweimal wöchentlichen Übungstreffen bei uns im Hof sind jedes Mal ein Erlebnis für mich. Ich liebe es. Zu diesen Treffen kommen auch regelmässig Touristen denen wir in unserer Bar davon erzählen. Die sind auch meist ganz hin und weg. Letztens war eine Deutsche da, der sind die Tränen gekommen … das sei Lebensfreude pur …
Am 26. Februar hat die Gruppe ihr einjähriges Bestehen gefeiert! Es gab zwar keinen Batucu im Hof, dafür Musik und Tanz, gegrillten Fisch und Hühnerflügel, eine liebe Ansprache von Batucuchefin Marisa und einen – ob der vielen hübschen Mädchen – ganz nervösen Architekten.

Und das war er denn auch schon … der Februar 2005. Vielleicht noch ein kurzes Statement (ja, ja ich beherrsche auch Fremdwörter!) zu meiner Gemütslage bzw. zu meinem Gefühl für das Projekt, jetzt wo der Bau angefangen hat. ‚Jetzt wo der Bau angefangen hat‘ ist kein schönes Deutsch … aber machen wir diese Stelle des Berichts zu Jener an der alle Leser umformulieren dürfen …
Es ist natürlich ein ganz besonderes Gefühl das Zentrum entstehen zu sehen. Die täglichen Besuche der Baustelle geben Kraft und Zuversicht. Vorallem Morgens wenn Frank und ich unseren ersten Inspektionsbesuch abstatten bin ich immer ganz voll der Freude und besonders motiviert. Leider ändert sich das manchmal im Laufe des Tages. Wenn mir die Arbeit über den Kopf wächst, mir tausend Dinge einfallen die ich machen muss … dann verfalle ich in den Fehler den Marisa mit ‚du denkst immer alles auf einmal‘ beschreibt!
Aber natürlich übertrifft meine Zuversicht und Freude an dem Projekt wie eh und je alle Bedenken und Mühen.
Und um diesen kleinen unnötigen Absatz abzurunden noch ein Zitat aus einem Mail dass ich letztens von meinem Bruder Johannes bekommen habe. Es geht dabei um Muße bzw. um das Fehlen von dieser.
Ein interessanter Hinweis diesbezüglich: ‚Geschäft‘ heisst im lateinischen ’negotium‘ und das heisst wörtlich übersetzt ’nicht Muße haben können‘ …
In diesem Sinne wünsche ich uns allen wenig Geschäfte damit mehr Zeit bleibt für ….

Deus ku njos,
Florian Wegestein

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