Monatsberichte September – November 05

Die Fussballschule hat im November auch sonst noch einen ganz grossen ‚Sprung’ gemacht. Wir sind jetzt ein beim Fussballverband eingetragener Verein und hiermit berechtigt an der caboverdeanischen Meisterschaft teilzunehmen. Was wir natürlich auch machen werden. Mit dem Trainer den wir für die ‚Kampfmannschaft’ (saublödes Wort, aber mir fällt jetzt keine besseres ein) haben, kann auch nur der Meistertitel das Ziel sein. Der Trainer ist ein ganz zuvorkommendes, äusserst sympathisches Wunder der Natur … ja, ja schon wieder!!
Seit ca. zwei Monaten bereite ich die Mannschaft akribisch auf die Meisterschaft vor. An der wir fast nicht hätten teilnehmen können weil die Präsidenten der anderen Vereine Tarrafals sich dagegen gewehrt haben. Mit der Begründung sie verstehen die Fussballschule als Ausbildungsort und nicht als Verein … sprich, sie haben sich das so vorgestellt dass wir das gesamte Jahr hindurch die Arbeit machen und sie dann für die Meisterschaft ganz toll ausgebildete Fussballer bekommen. Gott sei Dank hat der Verband diese Meinung in keiner Weise geteilt und den Herrn Präsidenten klar gemacht dass es nicht die Vereinsverantwortlichen sein können die bestimmen wer Meisterschaft spielt und wer nicht sondern einzig und alleine der Verband.
Der Meisterschaftsmodus ist dieses Jahr erstmals nicht in erste und zweite Division geteilt sondern so, dass jede Gemeinde ein Turnier organisiert deren Gewinner (oder die ersten zwei?) an der regionalen Santiago-Meisterschaft teilnehmen. Dieser Gewinner wiederum spielt dann an der nationalen Meisterschaft mit.
Dieses Turnier der Gemeinde wird Anfang Dezember starten. Es nehmen 7 Mannschaften teil.
Ich kann unmöglich sagen wie da unsere Chancen stehen. Dazu kenne ich die anderen Mannschaften zu wenig. Kann auch nicht sagen wie das Spielverhalten unserer Mannschaft sein wird. Im Training sehe ich schon immer wieder mal schöne Fortschritte, aber wie das dann in Wettkampfspielen sein wird??
Einen Namen hat der Fussballclub auch: ‚Pena d’aguia Tarrafal’. Was soviel heisst wie ‘Adlerfeder Tarrafal’. Und das ist nicht weil wir einen Indianerhäuptling in unseren Reihen haben sondern weil ‚Benfica Lissabon’ in seinem Wappen einen Adler hat … und die Mehrzahl der Spieler Benfica-Fans sind und unter diesem Namen schon vor der ‚Fussballschule Tarrafal’ zusammengespielt haben.
Das Projektleiterchen freut sich auf alle Fälle schon sehr auf seine Tätigkeit als Trainerchen. Das Ziel ‚Cabo Verde Weltmeister 2014’ ist ja bekanntlich nur dann realistisch wenn der Verband Beat und mich spätestens ab der Qualifikation für diese Weltmeisterschaft auf die Trainerbank der Nationalmannschaft setzt. Es wird also Zeit, dass ich mir schon mal einen Namen als DAS Fussballtränerchen (?) schlechthin mache …

Batucugruppe:
Mir fällt auf, dass dieser ‚Teil’ des Projekts immer ganz zum Schluss ‚drankommt’. Dabei ist diese Gruppe das Herzstück. Ohne die Lebensfreude der Batucumädchen, ohne deren Musik hätte ich das Projekt schon längst sausen lassen.
Sie ‚üben’ wie eh und je, allerdings nicht im Zentrum, sondern wie gehabt bei uns zu Hause. Die Mädchen wohnen alle mehr oder weniger in unserer Nähe und so wäre es sinnlos wenn sie abends den weiten Weg zum Zentrum und wieder nach Hause gehen.
Auftritte haben sie regelmässig und Marisa ‚schreibt’ praktisch wöchentlich neue Lieder.
Auch Mario Lucio ist sehr angetan von dieser Gruppe und will, dass wir eine Europatournee der Mädchen (mit ihm gemeinsam) organisieren. Wäre ein lang geträumter Wunsch von uns.
Sobald es meine Zeit zulässt will ich mich diesem ‚Projekt im Projekt’ annehmen und mit Mario Lucio gemeinsam eine ‚Kommission’ gründen die diese Reise organisiert.
Wäre natürlich toll wenn sich gleichzeitig auch eine Kommission in Österreich, Deutschland und der Schweiz gründet und mitorganisiert!?

So, jetzt ist mir leichter. Der Monatsbericht, der diesmal ein Monatebericht ist, neigt sich dem Ende entgegen und mein saudummes schlechtes Gewissen, dass ich seit Anfang Oktober vonwegen ‚ausbleiben der Monatsberichte’ habe kann sich in den Urlaub verziehen.
Alles was jetzt noch folgt tut zwar Einiges zur Sache ist aber überhaupt nicht sachlich. Ich möchte mich an dieser Stelle daher von allen ganz herzlichst verabschieden die ‚nur’ wissen wollen was das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ so treibt. Entschuldige mich auch gleich für all die Aus- und Abschweifungen der vergangenen Seiten.

Das Projektleiterchen

Und weiter für alle die immer schon subjektive Hintergrundinformationen und Projektleiterchenmeinungen lesen wollten.
Da gibt es diese Teile im Bericht die den ‚Streit’ zwischen ‚Delta Cultura’ und ‚Vista Verde’ erwähnen. Da gibt es die Unzufriedenheit des Projektleiterchens. Dinge die ein bisschen näher erklärt werden können … bevor sie zu Missverständnissen führen.

Also es gab keinen Streit zwischen Delta Cultura und Vista Verde weil das sind ja nur Rechtspersonen. Und die streiten prinzipiell nicht. Die tun immer nur Recht. Meist wichtiges Recht. Manchmal machen sie sich auch recht wichtig. Wichtig ist, dass alles sein Recht hat. Und Ordnung? Und so?
Innerhalb dieser Rechtspersonen bewegen sich aber auch recht ordentliche Menschen … und die streiten eben manchmal. Oder sind anderer Meinung und finden der Andere müsste auch anderer Meinung sein.
So ist es uns auch hier in Cabo Verde, in diesem ‚Kinder- und Jugendzentrum’ ergangen. Obwohl hier ständig die Sonne scheint und das Meer gleich da unten ist.
Irgendwann hat irgendwer angefangen irgendwem Vorwürfe zu machen. Oder Kritik zu üben (klingt doch viel vernünftiger).
So wurde an mir geübt, dass ich auf der Baustelle ein kleiner Hitler sei, viel zu viel arbeite und daher dauernd Fehler mache und deshalb demnächst den Psychenkater aufsuchen werde müssen oder krank werde, dass ich so viele Ideen hätte die ich aber niemandem kundtue, dass ich den Eindruck vermittle nicht genau zu wissen was ich mit dem Zentrum eigentlich wolle, dass ich mehr Rücksicht auf die Geldgeber nehmen müsse, dass ich Helfern nicht genügend Respekt und Dankbarkeit zeige, dass ich über alle Geldgeber schlecht rede, dass die Geldgeber genauer wissen wollen wohin das Geld fliest, dass ich nicht wisse wie ich das Zentrum ab 2007 finanzieren will …
Was genau ich an anderen geübt habe will ich an dieser Stelle nicht erwähnen weil der/diejenigen an denen ich übe ja keine Möglichkeit haben sich zu ‚rechtfertigen’.
Soviel sei aber doch verraten: ich habe ganz gemeine Sachen gesagt. Es dürfte aber wohl Allen klar sein dass die Vorwürfe die an mich gemacht wurden allesamt an den Haaren herbeigezogen waren während ich ganz besonnen und reiflich überlegt (so wie es halt meine Art ist) vorgeworfen habe … so wünsche ich es mir zumindest. Weil wenn ich jetzt dann nicht bald perfekt werde schaffe ich es überhaupt nicht mehr. Mir läuft die Zeit davon.
Tatsächlich gibt es auch in diesem Streit keinen Guten und keinen Bösen (nur einen Besseren und das bin zweifellos ich?!). Ich will/muss/kann/soll aber auf diese Vorwürfe eingehen. Es kann ja durchaus sein, dass ganz viele Menschen – auch diejenigen die diese Berichte lesen – dem voll und ganz zustimmen und das der Grund ist warum sie mir schon seit Monaten nicht mehr mailen?!
Zu meiner Person und meiner Art zu leiten: ich bemühe mich natürlich das so gut wie möglich hinzubekommen. Dass ich dabei Fehler mache ist klar. Noch viel mehr als ich ein ziemlicher Stimmungsmensch bin und darunter praktisch alle meine Mitmenschen leiden. Ein Erbe meiner Mutter.
Es kann auch nie schaden mich zu kritisieren. Das kann unter günstigen Umständen helfen. Wenn auch nicht direkt sofort und auf der Stelle. Weil auch mir es bis heute noch nie gelungen ist eine Charaktereigenschaft von einem Moment auf den anderen abzulegen oder umzumodeln. Das können nur indische Gururus.
Ich lebe daher immer schon mit der Einstellung: wenn mir der Chef nicht passt dann suche ich mir halt eine andere Arbeit. Weil ich weiss – und es war auch nie mein Interesse – dass es mir nicht gelingen wird den Chef und/oder seine Art zu arbeiten zu ändern. Mein lieber Bruder Johannes kann davon ein Lied singen. Und er singt es wahnsinnig schön. Allerdings immer nur Sonntags unter der Dusche. Also wer es hören will … er wohnt in Wien in der Gumpendorferstrasse, sein Badezimmer befindet sich gleich hinter seinem Schlafzimmer …
Heute bin ich sozusagen mein eigener Chef und wünsche mir ausschliesslich Angestellte die gerne mit mir als Leiterchen arbeiten … und wenn sie dazu keine Möglichkeiten sehen weil ich so blöd bin, dann tut es mir herzlich leid, aber dann ist es zum Wohle aller besser ,wenn sie nicht mit mir arbeiten.
Klingt ein bisschen grosskotzig, gebe ich zu. Aber ich bin weder gross noch ist mir schlecht?!
Ausserdem finde ich, dass ich ganz manchmal auch das Recht habe zu sein und zu machen wie ich will. Schliesslich trage ich die alleinige Verantwortung, bin auch noch niemandem begegnet der bereit war sie zu teilen (Ausnahme ist ganz eindeutig der ASB und dort Sophia Hubert und Edith Wallmeier – mein ganz herzlichster Dank) also darf ich das. Manchmal muss ich es sogar. Weil irgendwer muss ja schliesslich gewisse Dinge entscheiden. Und in einem Projekt ist das der Projektleiter. So wie es in einem Garten die Gartenleiter ist!
Einen Vorwurf den ich nicht wirklich nachvollziehen kann ist der, dass ich nicht kundtue was ich eigentlich will und was in dem Zentrum eigentlich passieren soll. Ich finde es passiert ja schon sehr viel. Nicht umsonst hat dieser Bericht schon 18 Seiten (auch wenn 18 davon ‚Verirrungen’ sind). Missverständnisse könnte es geben weil ich vielleicht den Eindruck vermittle diese Ausbildungen etc. sind bis 2007 bereits gesichert. Das ist leider in keiner Weise der Fall. Alle Aktivitäten die wir im Sport- und Kulturbereich anbieten und noch anbieten wollen werden nicht von BMZ/ASB finanziert. Und die anderen Ausbildungen (Schreiner, Schneider, Informatik, Sprachen) werden zu 85% von BMZ/ASB finanziert. Die fehlenden 15% muss Delta Cultura beitragen. Und die sind in keiner Weise gesichert.
Das heisst, dass alle Spendengelder die Delta Cultura derzeit bekommt (viel zu wenig – das nur so nebenbei) fliesen als Eigenanteil in das Projekt. Finanzieren sozusagen die verschiedenen Ausbildungen und die Betriebskosten des Zentrums. Gott sei Dank ist der ASB da sehr kulant und verständnisvoll und setzt mich und Delta Cultura da in keiner Weise unter Druck. Ich selbst verspüre diesen Druck allerdings ganz gewaltig. Wobei ich mir sicher bin, dass es besser werden wird sobald ich mehr Zeit habe mich um Spenden etc. zu kümmern. Und sobald ich aufhöre so lange Berichte zu schreiben?!
Dass ich mit meinen Ideen hinterm Berg halte … dass kann glaube ich nur jemand sagen der mich nicht gut kennt. Weil genau das Gegenteil ist der Fall. Ich komme ständig mit neuen Ideen daher. Von denen ich allen die es hören wollen ganz begeistert erzähle … bis mir meine Frau dann immer sagt ich solle aufhören alles gleichzeitig zu denken.
So ist es auch. Ich habe viele viele Ideen für dieses Zentrum. Aber derweil fehlt es ganz bestimmt an Zeit diese umzusetzen. Wenn ich der Typ wäre würde ich nicht einmal daran denken. Die Aufgaben im laufenden Projekt, also ordentliche Ausbildungen anzubieten, die ‚nicht schreiben und lesen können Kinder’ zu integrieren, das fehlende Geld aufzustellen, Deutsch zu unterrichten, Fussballtrainer zu sein … das ist derzeit wirklich mehr als genug. Ich glaube auch nicht dass irgendjemand von mir verlangt noch ein bisschen mehr zu machen?!

One thought on “Monatsberichte September – November 05

  1. In der Kürze (läge) die Würze. Es ist freilich nichts schwieriger, als sich selbst – auch schreiberisch – zu disziplinieren. Aber vielleicht wollen Sie als Langschreiber-chen die möglicherweise kurzentschlossenen Helferchen verschreckerchen?

    Trotzdem viel Glück für Ihr Vorhaben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Website