Monatsberichte September – November 05

Heikel ist die Angelegenheit mit den Helfern denen ich nicht genügend Respekt und Dankbarkeit gezeigt habe oder zeige.
Es ist halt so eine Sache mit dem Respekt. Den hat man oder man hat ihn nicht. Genauso die Dankbarkeit. Heucheln kann man diese Dinge immer. Aber davon ist dringend abzuraten. Das kann zu unglaublichen Bauchschmerzen und irreparablen Gesundheitsschäden führen?!
Soll heissen: wenn ich mich bei jemandem bedanke dann nur deshalb weil ich dankbar bin. Und wenn ich gerade gestresst und grantig oder besorgt oder sonst wie komisch bin, dann bedanke ich mich trotzdem nur wenn ich tatsächlich dankbar bin. Wenn dann jemand findet das sei jetzt aber nicht gebührend gewesen so bitte ich innigst um Verzeihung. Von Herzen ist tatsächlich jeder Dank den ich je ausgesprochen habe! Hätte sonst die Angst mich in meinen Verschnaufpausen daran zu verschlucken?!
Es waren in den Monaten des Baus so einige Helfer aus Europa bei uns. Und entgegen den im Entwicklungszusammenarbeitsbereich üblichem Vorgehen haben wir ihnen Verpflegung und teilweise Unterkunft geboten. Wie Sophia Hubert vom ASB mich aufgeklärt hat ist es üblich, dass jemand der in so einem Projekt mitarbeiten will (gar nicht so wenig) Geld zahlen muss. Ich sehe es als einen Akt des Dankes dass wir den Helfern Unterkunft und Verpflegung geboten haben.
Marisa, die sich über derartige Vorwürfe besonders ärgert, sieht auch den folgenden Aspekt: die Helfer sind gekommen um den Kindern und Jugendlichen Tarrafals zu helfen. Das haben sie auch getan. Aber sie haben nicht uns (also mir und Marisa oder unseren Kindern) geholfen. Trotzdem haben wir ihnen aus unserer Tasche Verpflegung bezahlt, ihnen Kleider gewaschen … wo ist da der fehlende Respekt?
Ich sehe da vielleicht noch einen kleinen Unterschied. Etwas was ich sehe bzw. immer wieder zu hören bekomme. Nämlich, dass ich mich aufopfere, oder dass es so bewundernswert ist was ich da mache … oder was eben all die Helfer machen. Das ist aber in keiner Weise der Fall. Also bei mir nicht. Ich habe bis heute noch kein Opfer gebracht und ich mache alles was ich mache sehr gerne. Ich gebe dafür nichts auf was ich nicht auch aufgeben müsste wenn ich Kellner wäre … doch … das Trinkgeld. Kein Mensch gibt einem Projektleiterchen auch nur einen Escudo Trinkgeld. Aber egal. Wenn ich es bekäme würde ich es opfern …
Bewunderung … dieses Projekt ist tatsächlich ein Wunder. In drei Jahren von 6 Fussbällen zu einem Kinder- und Jugendzentrum. Aber so grössenwahnsinnig zu glauben, dass ich Wunder verbringen kann bin ich noch nicht. Also wer hat dieses Wunder vollbracht? Ich schwöre, ich war es nicht! Wenn ich Wunder vollbringen könnte würde ich ganz andere Dinge machen als Projekte zu leiterchen.
So also bin ich allen Helfern herzlichst dankbar! Wirklich und ehrlich. Ihr Entschluss uns zu helfen verlangt mir aber beim besten Willen keinen Respekt ab … und das soll auch noch einer verstehen!

Eines sollte eigentlich auch selbstverständlich sein. Ich kann – vor allem will ich nicht – unterscheiden zwischen einheimischen und europäischen Helfern. Wenn ich von einem Caboverdeaner verlange, dass er seine Arbeitszeiten einhält, dass er sich nicht einfach Urlaub nimmt wenn es ihm gerade passt, dann muss ich das auch von einem Europäer verlangen … was eigentlich klar ist. Inzwischen wissen wir ja alle dass es keinen Unterschied zwischen schwarz und weiss und rot und grün gibt.
Es sei aber bedacht was es für ein ‚Bild macht’, wenn all die Europäer die hier waren um zu helfen ihre Arbeitszeiten gestaltet haben wie es ihnen gefällt während die Caboverdeaner ganz regelmässig von Montag bis Samstag von 8 bis 16 Uhr auf der Baustelle waren. Das ist ein Ungleichgewicht dass auch einem caboverdeanischen Maurer auffällt … klar, dass er sich dann seinen Teil dazu denkt. Einen Teil von dem ich nicht will dass er ihn sich denkt. Einen Teil den ich in keinem Delta Cultura Projekt haben will. Dagegen werde ich mich immer wehren und ich habe aus dieser Erfahrung gelernt.

Ach, ich könnte da noch stundenlang weiter polemisieren. Aber ich weiss nicht was ‚polemisieren’ genau heisst, also höre ich lieber auf.

Noch ein letztes Wort zu der Finanzierung des Projekts ab März 2007. So wie ich nicht gewusst habe wie ich mit 6 Fussbällen und ohne finanzielle Mittel eine Fussballschule anfangen soll, so wie ich nicht gewusst habe wie ich ein ‚Kinder- und Jugendzentrum’ bauen und ‚beinhalten’ soll, so weiss ich auch nicht wie wir das Zentrum ab 2007 finanzieren werden.
Die Meinungen der Experten gehen diesbezüglich sehr auseinander. Die einen sagen es ist leicht einen Bau zu finanzieren, aber viel schwerer den folgenden Betrieb. Die Anderen sagen es ist leicht einen Betrieb zu finanzieren wenn schon mal was steht …
Wenn ich sage ‚ich weiss nicht wie wir das Zentrum ab 2007 finanzieren werden’ so heisst das nicht, dass ich diesem Problem ratlos gegenüber stehe. Es gibt da zahllose Möglichkeiten, Ideen, Ansatzpunkte … und es gibt öffentliche Stellen in Cabo Verde die jetzt schon mithelfen (Erziehungsministerium, Gemeinde) und ich bin überzeugt, dass wenn wir bis März 2007 gute Arbeit leisten werden die auch weiterhin mitfinanzieren. Es sei denn das Zentrum wird zu einem Politikum … aber wir arbeiten daran, dass es ein Deltikum’ bleibt.
Weiters gilt auch hier: im Augenblick fehlt mir die Zeit diese sicherlich ganz wichtige Aufgabe in Angriff zu nehmen. Aber ganz bestimmt noch in der ersten Hälfte 2006 werden wir anfangen in diese Richtung zu arbeiten!

So, und jetzt reicht es wirklich. Sollte es einen Leser geben der sich tatsächlich bis hierher durchgekämpft hat würde ich mich freuen wenn er mir das kundtut! Ich fürchte dieser Bericht läuft auf Grund seiner Länge Gefahr von niemandem ordentlich gelesen zu werden?!
Damit so elendslange Schilderungen in Zukunft ausbleiben habe ich mir fest vorgenommen ab sofort wieder monatlich zu berichten. Der Nächste folgt Anfang 2006. Dann mit den endgültigen Zahlen was den Bau des Zentrums betrifft, mit Schilderungen meiner Begegnungen mit dem Christkind, mit ersten Ergebnissen der Meisterschaftsspiele und mit Antworten auf all die Fragen die ich bis dahin gestellt bekomme!

Es bleibt mir nur noch, allen Lesern, Helfern, Spendern und allen die noch eines dieser Drei werden wollen, ein gesegnetes Weihnachtsfest … nein, dafür ist es also wirklich noch viel zu früh … das schiebe ich dann zwischen diesen und den nächsten Bericht.

Seid alle umarmt und gedrückt! Wünsche einen schönen Winter mit viel Schnee (weil dann wird alles so leise und regt zur Gemütlichkeit an!) …

Das Projektleiterchen

One thought on “Monatsberichte September – November 05

  1. In der Kürze (läge) die Würze. Es ist freilich nichts schwieriger, als sich selbst – auch schreiberisch – zu disziplinieren. Aber vielleicht wollen Sie als Langschreiber-chen die möglicherweise kurzentschlossenen Helferchen verschreckerchen?

    Trotzdem viel Glück für Ihr Vorhaben!

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