Monatsbericht Dezember 05 bis Jänner 06

Wie schon so oft in all den vergangenen Jahrzehnten war auch diesmal wieder der Dezember der letzte Monat im Jahr. Warum genau das so ist, wer sich das ausgedacht hat und ob der/diejenige sich was dabei überlegt hat … ich kann es nicht sagen. Gott sei Dank hat es aber eh nichts mit dem Kinder- und Jugendzentrum zu tun … und ich hab meine Einleitung für den Dezemberbericht.

Ich arbeite übrigens an einer Neuheit auf unserer Homepage. Ich will neben diesen strikt strukturierten Berichten … kommt ‚strikt’ von ‚gestrickt’? … ich weiss es nicht, weil ich bin sehr einfach gestrickt … gestrickt? Also ich wäre meiner Mutter ernsthaft böse sollte ich draufkommen, dass sie mich gestrickt hat … wer ist dann mein Vater? Und was wenn ich eine Laufmasche bekomme und irgend ein Trottel zieht d’ran … schrecklicher Gedanke.
Also neben diesen Monatsberichten wird es in naher Zukunft auf unserer Homepage auch regelmässige Kurzberichte über das Tagesgeschehen im Zentrum geben. Die Höhepunkte halt. Tatsachenberichte, keine Strickmuster. Eine Art Direktübertragung. Ich hoffe damit dann all Jene zum Schweigen zu bringen, die ständig und vollkommen zu Recht die Ausschweifungen dieser Monatsberichte kritisieren. Damit wäre dann für alle was geboten. Gott sei Dank gibt es ja nicht nur Kritiker dieser Berichte sondern auch Liebhaber und die hab ich auch lieb.

Versprochen habe ich im letzten Monatsberichte die genauen Zahlen der Baukosten. Versprochen ist versprochen und wird von Projektleiterchens ständig gebrochen. Daher an dieser Stelle keine Zahlen. Die Entschuldigung: es gibt noch so ein paar kleine Arbeiten die gemacht und bezahlt werden müssen. Also wären die Zahlen nicht endgültig. Die Vertröstung: die Zahlen folgen ganz bestimmt im nächsten Bericht. Versprochen.


Also im Dezember war das alles so:
Die Ausbildungen, die Fussballschule, die Batucugruppe, die restlichen Bauarbeiten, das Strom- und Telefonproblem, die Fliesenproduktion haben sich angefangen häuslich in dem wunderschönen Zentrum einzurichten. Teilweise habe ich das mit grosser Freude mitverfolgt, teilweise hat es mich zu den unterschiedlichsten Gluten gebracht. Hauptsächlich zur Weissglut. So wie ich im letzten Bericht erzählt habe war der Übergang von Bau zu Betrieb ja etwas abrupt. Zuwenig vorbereitet. Mit stolzer Brust (weil ich keine andere habe) muss ich sagen, dass es jetzt schon viel mehr so läuft wie ich mir das in meinen kühnen Träumen ausgemalt habe. Natürlich bin ich noch lange nicht zufrieden und habe auch noch keine Lorbeeren verdient auf denen ich mich ausruhen könnte. Aber so ein paar Unkrautpflänzchen habe ich schon herbeigeschafft und ruhe mich auch gerne auf denen aus … Die Schreiner, die ja eigentlich Tischler sind weil das Projektleiterchen österreichische Wurzeln hat und dort kein Mensch von Schreinern redet, haben im Dezember ihre wunderschöne Mehrzweckmaschine bekommen. Wir haben diese aus dem Salzburgischen ins Tarrafalianische gebracht. Finanziert hat es das Deutsche.Es ist wirklich eine sehr gute Maschine und alle haben grosse Freude damit. Hauptsächlich natürlich die Schreiner, aber auch das Projektleiterchen hat sich nicht zurückhalten können sogleich ein paar Kästen zu bauen, die in der Einrichtung des Zentrums gefehlt haben. Schliesslich ist das Multitalent ‚chen’ ja auch Hobbytischler. Es ist mir immer eine sehr willkommene Abwechslung mich – wenn die Schreinerlehrlinge nach Hause gegangen sind – in die Werkstatt zu begeben und mich dort noch ein bisschen handwerklich zu betätigen. (komischer Satz … da kommt so oft ‚mich’ vor … das könnte jemand der es kann sicher besser formulieren)Die Schreinermaschine ist Gott sei Dank nicht alleine gekommen. Sie hat einen guten Geist mitgebracht. Und der hat, wie es die Geister halt so machen, brav vorausgedacht. Weil: österreichische Schreinermaschine in Tarrafal ist ja schön und gut. Auch deutsche Betriebsanleitung dazu. Aber diese Anleitung hat ca. 200 Seiten und der Einzige der hier deutsch kann bin ich und wenn die lieben Schreinerlehrlinge warten hätten müssen bis ich mich durch die 200 Seiten durchgearbeitet habe um ihnen dann alles erklären zu können … bis dahin wären die lieben und dann auch armen Lehrlinge schon längst in wohlverdienter Pension gewesen.

Aber eben: der gute Geist hat sich die folgende Lösung ausgedacht. Er hat einem begnadeten Tischler aus Salzburg, dem Franz Rettenbacher, der jahrelang auf genau so einer Schreinermaschine gearbeitet hat, eingeflüstert er solle doch einmal Urlaub in Tarrafal machen. Das hat sich dieser nicht zweimal flüstern lassen und ist samt Frau Claudia aufgebrochen.
Das wäre ja an sich noch nicht die Lösung. Weil wie soll das Projektleiterchen wissen, dass der Franz, einer von vielen Touristen die Tarrafal besuchen, Schreiner ist? Aber auch da hat sich der gute Geist was einfallen lassen. In einer weiteren Flüstersitzung hat er dem Franz eingeredet er solle doch ein Päckchen Tabak mit auf die Reise nehmen … und so ist es gekommen wie es kommen musste … Der Franz sitzt in meiner Bar und rollt sich eine Zigarette. Ich kann nicht wiederstehen und schnorre ihn um eine an. So kommen wir ins Gespräch. Ich erzähle von der Schreinermaschine und Franz von der Herstellerfirma die sich in seiner Heimatgemeinde befindet und seiner jahrelangen Arbeit an einer solchen Maschine.
Der liebe Franz hat sich sofort bereiterklärt mir und dem Schreinerausbilder eine Einführung in die Arbeit mit der Maschine zu geben. Jetzt in Nachhinein muss ich sagen, ich wüsste nicht was ich gemacht hätte wenn Franz nicht zufällig (?) nach Tarrafal gekommen wäre. Weil einfach ist die Maschine in der Handhabung nicht. Da gibt es viele Feinheiten und spezielle Handgriffe … die der Schreinerausbilder und ich jetzt allesamt beherrschen. Mein allerherzlichster Dank an Franz! Und eine Empfehlung an alle Leser. Schaut euch mal die Homepage von Franz an (http://www.sbg.at/woodart). Der Mann ist ein begnadeter Tischler und Künstler. Gerne würde ich ihn für einen Workshop nach Tarrafal holen. Nein: ich WERDE ihn für einen Workshop nach Tarrafal holen. Der gute Geist ist schon am überlegen wie er die Finanzierung dafür finden kann … soweit hat er nämlich dann doch nicht vorausgedacht.

Eine Episode also die dazu beigetragen hat, dass sich der Ausbildungsbetrieb der Schreiner und Schneiderinnen recht gut eingespielt hat. Dazu waren und sind immer noch regelmässige ‚Krisensitzungen’ notwendig um einerseits die Ausbilder zu mehr Initiative zu bewegen, um Streitereien zwischen pubertierenden Lehrlingen zu schlichten und um (ach so geliebte) Regeln zu definieren. Anwesenheitslisten sind jetzt eingeführt. Wer zu spät kommt wird einmal durch die Hobelmaschine gepresst (einer der Schreinerlehrlinge ist schon ganz dünn, dafür wahnsinnig glatt). In der langen Mittagspause (2 ½ Stunden) dürfen die Lehrlinge jetzt ganz geordnet und gesittet (sittlich sowieso) den Computerraum benutzen. Allerdings nur unter Aufsicht, da die Lehrlinge dazu tendieren die eigenartigsten Dokumente an den seltsamsten Orten der Festplatte zu speichern und den Computern damit ihre Grenzen aufzeigen.
Diese Aufsicht übernehmen dankeswerter Weise Schüler des Informatikkurses. Wobei ich das Gefühl nicht los werde, dass sie eigentlich nur die SchneiderINNEN in Computerkenntnisse und vielleicht sonstige Geheimnisse des Lebens einführen wollen und die Schreiner nur als lästige ‚Anhängsel’ auf diesem Weg empfinden. Na ja, wir sind eben ein Jugendzentrum …
Und auch ein Kinderzentrum.
Dieser Tatsache haben wir vor allem zu Weihnachten Rechenschaft gegeben. Rechenschaft gegeben? Kann ich das so sagen? … oder heisst es ‚getragen’? … Aber egal ich sag das jetzt einfach einmal so. Sonst muss ich mir einen neuen Übergang von Frühlingsgefühlen zu Weihnachtsfesten überlegen und da gibt es nicht allzu viele. Wir haben also ein Weihnachtsfest für ‚bedürftige’ Kinder gemacht. Mit Essen und Geschenkvergabe, aber ohne Weihnachtslieder, Weihnachtsmänner und Ohtannenbäume. Es war sehr spontan organisiert, weil uns Verantwortlichen die Zeit gefehlt hat das ‚durchzuplanen’. Natürlich hat es trotzdem viel Freude bereitet. Welches Kind bekommt nicht gerne Geschenke. Und seien es ‚nur’ Kleider und ein paar wenige chinesische Billigpuppen die uns ein Händler aus dem Land der aufgehenden Sonne gespendet hat.

Womit ich bei ‚Sonnenaufgang’ wäre. Aber über den habe ich eigentlich gar nichts zu sagen. Womit ich wieder im berichtsleeren Raum hänge … ich glaube ich würde diese Berichte viel schneller verfassen wenn ich mir nicht dauernd irgendwelche Übergänge überlegen müsste. Das kostet immer wahnsinnig viel Zeit und Formulierungshingabe. Und die fehlt mir dann beim eigentlich Wesentlichen … das Wesentliche!? Ein Wort das zu philosophischen Ausschweifungen anregt. Aber das überlasse ich lieber den lieben Lesern. Es ist jede/r dazu angehalten hier anzuhalten und wesentliches zum ‚Wesentlichen’ zu denken …
Und ich fahre ohne Ausschweifung und Übergang fort.
Nach dem Kinderweihnachtsfest gab es auch ein Fest für die Angestellten. Aber nur ein kleines. Weihnachten ist hier ja nicht so üppig. Dazu fehlt es an Kaufkraft. Sie wird ersetzt durch Musik- und Tanzkraft. Da diese aber das ganze Jahr hindurch sehr stark vorhanden ist, hebt sich Weihnachten nicht so sehr von anderen Festen ab. Das gilt übrigens auch für Silvester. Nicht Silvester Stallone sondern das Ding am Jahresende.

Kommen wir zu den ‚Batucadeiras’. Des Projektleiterchens Lieblingsgruppe. Zu Silvester (schon wieder der?!) sind sie in unserer Bar aufgetreten und zu Santo Amaro (der Dorfheilige von Tarrafal am 15.01. – das grösste Fest hier in Tarrafal) auf der grossen Festbühne. Wie immer sehr erfolgreich. Sie sind ja inzwischen eine echte Grösse im tarrafalianischen Kulturleben. Keine Veranstaltung in Tarrafal und Umgebung ohne Auftritt von den ‚Batucadeiras Delta Cultura’. Doch! Sehr viele Veranstaltungen im Jänner haben ohne sie stattgefunden. Nämlich die Wahlkampfveranstaltungen. Diese werden hier immer mit Auftritten von bekannten Musikern begleitet. Beziehungsweise bestehen diese Veranstaltungen praktisch nur aus Musik. Zwischendurch wird kurz von durchtrainierten Einpeitschern ‚Viva MPD’ (die ‚bürgerliche Partei’) oder eben ‚Viva PAICV’ (die ‚Linkspartei’) gebrüllt und noch zwischendurcher treten gestandene Politiker auf und schimpfen auf die jeweils andere Partei.
Die Musikgruppen die dabei auftreten verdienen recht ordentlich. Trotzdem hat sich Marisa, die Alleinherrscherin über die Batucadeiras, nicht dazu hinreissen lassen ‚Partei zu ergreifen’. So gibt es weiterhin nur einige wenige Menschen in Tarrafal die erfolglos versuchen ‚Delta Cultura’ in ein politisches Eck zu drängen. Damit auch diese Wenigen zum Schweigen gebracht werden wird ‚Delta Cultura’ bei der nächsten Wahl selbst kandidieren (wirklich?) … ob dann die ‚Batucadeiras Delta Cultura’ in den Wahlkampf einsteigen??!
Die Wahl am 22.01. 06 hat übrigens die PAICV gewonnen. Also keine Veränderung in der caboverdeanischen Politik. Die PAICV hat schon die vergangenen 5 Jahre regiert.
Aber zurück von der hohen Politik zur Kultur. Oft habe ich in den diversen Berichten schon erwähnt, dass es der grosse Wunsch der Batucadeiras ist eine CD aufzunehmen. Wir haben jetzt endlich die Möglichkeit gefunden ein Tonstudio kostenlos zu nutzen zu können! Eine grossartige Sache die uns diesem Ziel einen grossen Schritt näher bringt. Ein ganz klein bisschen verkompliziert sich das Ganze dadurch, dass sich dieses Tonstudio in Wien befindet!
Also haben wir schlicht und einfach das Ziel ‚umformuliert’. Wir wollen mit den Batucadeiras nach Wien! Und Deutschland. Und die Schweiz. Und mit einer Fussballmannschaft auch.
Und das ist kein blöder Februarscherz. Diese Idee besteht ja schon des längeren und wir haben jetzt beschlossen die Sache etwas konkreter anzugehen. Es hat sich eine Gruppe von Jugendlichen ‚gebildet’ die dieser Tage begonnen hat sich nach Finanzierungsmöglichkeiten umzuschauen. Der Plan sieht folgendermassen aus. Zunächst versuchen wir mit der Projektbeschreibung, die ich in lupenreinem Kreolportugiesisch verfasst habe, hier im Lande Unterstützung zu bekommen. Sprich, wir schnorren öffentliche Institutionen, Privatfirmen, die paar wenigen betuchten Caboverdeaner, etc. um Flugtickets an. Alle sollen ein oder zwei oder 20 Tickets beisteuern. Ende Februar ziehen wir Bilanz, schauen wie weit wir gekommen sind und entscheiden dann ob und wie viele Jugendliche die Reise antreten werden. Bei ‚positivem’ Entscheid werde ich versuchen europäische Sponsoren aufzutreiben um die Reisekosten in Europa zu finanzieren. Vom Gefühl her wird das die leichtere Aufgabe. In Cabo Verde ist es schwierig an Gelder heranzukommen. Alle reden und keiner gibt. Diese Erfahrung haben wir jetzt schon des öfteren gemacht:
Der Premierminister hat lange vor der Wahl versprochen unser Stromproblem zu lösen. Wir sollten ihm ‚nur’ den Kostenvoranschlag schicken. Den hat er jetzt seit ca. 4 Monaten. Aber Antwort geschweige den Geld haben wir noch keines bekommen.
Die Erziehungsministerin hat uns bei der Eröffnung (vor laufender Kamera) versprochen uns bei den Kosten für die Ausbilder zu unterstützen. Bis heute ist diesbezüglich nichts passiert. Nur immer Absagen wenn ich irgendwen vorgeschlagen habe. Ich weiss eh warum. Weil der Zuständige einen Freund von ihm in die Zentrumsleitung hieven will … diese Rechnung hat er aber ohne das Projektleiterchen gemacht. Das lächelt zwar immer brav und schmiert auch Honig überall hin – mindestens so gut wie der liebe Politiker das macht – aber dessen Freund ist immer noch arbeitslos.
Leider betrifft dieses ‚gross Reden und dann nichts tun’ auch Mario Lucio. Der hat uns ja auch was weiss ich nicht was für Unterstützung zugesagt. Wenn wir ihn aber konkret ansprechen kommt gar nichts.
Etwas mühsam also. Aber wir lassen nicht nach. Zumindest auf das was schon fix zugesagt wurde werden wir vehement bestehen. Ich kenne da eine Journalistin die scharrt schon in den Startlöchern und will dass ich mit der Geschichte der nicht eingehaltenen Versprechen in die Öffentlichkeit gehe. Aber derweil halte ich mich zurück. Ich will es mir ja nicht ganz verscherzen. Beziehungsweise hätte ich keine Bedenken es mir selbst zu verscherzen, aber es geht ja um das Projekt.
Jetzt bin ich schon wieder bei der blöden Politik … es reicht.
Noch ein Satz zu der geplanten Reise. Natürlich versprechen wir uns davon mehr als nur eine CD … neue Kooperationspartner, für alle Beteiligten neue Erfahrungen, usw. Wir möchten daher alle lieben Berichtsleser bitten doch ganz kurz innezuhalten und sich zu überlegen ob sie/er nicht gerade letztens mit jemandem geredet hat der den unbändigen Wunsch geäussert hat endlich einmal einen ordentlichen Jugendaustausch mitzufinanzieren. Alle, denen dazu etwas einfällt, bekommen gerne eine Projektbeschreibung zugesandt.

Übergang zur Fussballschule.
Der Dezember war der Monat in dem die Fussballschule erstmals an der Meisterschaft teilgenommen hat. Wie im letzten Bericht erwähnt unter dem Namen ‚Pena d’aguia’ und zunächst einmal bei der Gemeindemeisterschaft. Sieben Mannschaften haben teilgenommen.
Trainer der Kampfmannschaft war/ist seit ein paar Monaten ja bekanntlich das ‚chen’. Die Amis würden sagen: Projektleiterchen goes Trainerchen …
Allerseits grosse Spannung vor dem ersten Spiel … das wir gegen Varandinha 4:1 gewonnen haben. Ohne dabei wirklich zu glänzen. Mein geschultes Trainerauge hat sofort gesehen, dass die 4er-Kette zwar halbwegs gut steht, aber im Spiel nach vor zuwenig geht. Das mag bei 4 Toren etwas komisch klingen, aber der Gegner war äusserst schwach. Hat im weiteren Verlauf der Meisterschaft auch alle Spiele hoch verloren.Das zweite Spiel, gegen eine Mannschaft aus Chao Bom, haben wir auch gewonnen.
Aber nur mit Müh und Not 1:0. Ein Kopfballtor nach einem weiten Einwurf. Ansonsten wenig Torchancen … die bereits erwähnte Schwäche im Spiel nach vor.
Das dritte und vierte Spiel war dann gegen die beiden grossen Mannschaften aus Tarrafal. Estrela und Barcelona. Einer von den Beiden gewinnt regelmässig die regionale Meisterschaft und beide haben auch schon national gespielt.
Zuerst gegen Estrela. In den ersten zehn Minuten haben wir eine riesige Torchance gehabt aber vergeben. Dann haben wir das 0:1 aus einem Freistoss kassiert. Und das war es dann an Torchancen für den Rest des Spieles. Es war ein furchtbar anzuschauendes ‚Spiel’ in dem nur im Mittelfeld herumgemurkst wurde.
Die Spieler waren über die Niederlage natürlich sehr enttäuscht. Noch dazu war das am 24.12. … wie der Stürmer der die Chance in der Anfangsphase vergeigt hat nach dem Spiel gemeint hat: ‚Scheissweihnachten’.
Ich selbst war natürlich auch enttäuscht. Wer verliert schon gern. Aber bekanntlich bin ich ja DAS Motivationskünstlerchen schlechthin und bis zum Spiel gegen Barcelona habe ich die Spieler wieder bestens vorbereitet und aufgerichtet gehabt. Warum sie trotzdem gegenüber der vergangenen Niederlage kaum besser gespielt haben kann ich mir nicht erklären. Am Trainer kann es unmöglich gelegen haben?!
Nein, sie haben schon etwas besser gespielt. Allerdings ein blödes Tor relativ an Anfang des Spieles bekommen. Die 4er-Kette hat eigenmächtig kurzfristig auf 3er-Kette umgestellt weil der linke Verteidiger diese unbändige Lust verspürt hat ein Tor zu schiessen … das ist ihm leider nicht gelungen. Darüber war er so enttäuscht, dass er einfach nicht zurück in seine Verteidigerposition ist. Und während der linke Flügel – anstatt die Position des Verteidigers einzunehmen – diesen versucht hat zu trösten hat der Gegner die vollkommen offene Seite genutzt und kaltblütig eingenetzt. Ein Raunen ging durch’s Stadion. Barcelona hat sich schon als Meister gefühlt. Aber dann kam die 35 Minute. Eine Traumkombination zwischen unserem Mittelfeldregisseur und dem der Gegner … der Ball kullert unglücklich (für Barcelona) in den Strafraum und unser Stürmer ist zur Stelle. 1:1!
Die zweite Spielhälfte haben wir erstmals halbwegs so gespielt wie wir es im Training teilweise schon ganz gut hinbekommen. Barcelona war am Boden. Wir haben sie gegen die Wand gespielt. Aber kein Tor geschossen … Was aber fast zur Nebensache wurde weil es ein brutales Foul eines Barcelona Spielers gegen unseren Innenverteidiger gegeben hat. Der arme Badau (so heisst er) hat sich dabei einen doppelten Schienbeinbruch zugezogen. Und das am 31.12. …
Was ich bis heute nicht ganz verstehe: der Schiedsrichter hat nach diesem Foul auf Freistoss für Barcelona entschieden?! Meine Frage wie man den seiner Meinung nach einem Spieler einen doppelten Schienbeinbruch zufügen kann ohne ihn dabei zu foulen hat er mir nicht wirklich beantworten können.
Es war natürlich ein Foul und zwar ein sehr brutales. Mit gestrecktem Bein und voller Wucht ist er ihm hineingefahren. Ich möchte gar nicht daran denken was passiert wäre wenn er ihn bisschen höher am Knie getroffen hätte …
Nach diesen zwei Spielen war leider schon klar, dass nur noch Estrela oder Barcelona die Meisterschaft gewinnen können. Estrela hat schlussendlich gewonnen. Was dann aber leider passiert ist und das ist jedes Jahr so: Die Mannschaften die keine Chance mehr auf den Titel gehabt haben sind einfach nicht mehr angetreten. So wurde unser 5. Spiel strafverifiziert (3:0) weil der Gegner nur mit 5 Spielern erschienen ist.
Das letzte Spiel war dann gegen die Fussballschule Chao Bom. Gegen die wir ja regelmässig Spiele in allen Altersklassen organisieren. Es war ein komisches Spiel. Ich habe schon vor Spielbeginn gemerkt, dass meine Spieler nicht mehr so ganz bei der Sache sind. Trotzdem haben sie ganz ordentlich begonnen und das Spiel ganz eindeutig bestimmt. Zur Pause haben wir 1:0 geführt. Danach das Spiel zunächst noch mehr bestimmt. Dann gab es für den Gegner eine rote Karte und plötzlich war der Faden gerissen. Aber unserer. Ohne wirklich besser zu spielen als wir hat Chao Bom zwei Tore geschossen. Ich war tatsächlich etwas perplex. In keiner Phase des Spiels habe ich das Gefühl gehabt wir könnten verlieren. Was wir dann Dank einem Elfmeter in der letzten Minute auch nicht haben. Aber zufrieden war ich mit diesem letzten Spiel und dem neuerlichen Unentschieden in keiner Weise.
Die Meisterschaft haben wir somit an dritter Stelle beendet. Wobei es fast schon übertrieben ist von einer Meisterschaft zu sprechen. Ein Kurzturnier halt. Das noch dazu durch die vielen Strafverifizierungen verzerrt worden ist. Barcelona z.B. hat von den 6 Spielen 4 gespielt. Davon 2 gewonnen, 2 Unentschieden gespielt und 2 am grünen Tisch gewonnen. Wobei in ganz Tarrafal kein grüner Tisch aufzutreiben gewesen ist …
Das also war unsere erste Meisterschaftsteilnahme. Die Enttäuschung ist inzwischen gewichen und ich werde die Mannschaft jetzt das ganze Jahr hindurch betreuen. Bin mir ganz ehrlich relativ sicher, dass wir dann nächstes Jahr besser abschneiden. Bis dahin wird ihnen das 4-4-2 in Fleisch und Blut übergegangen sein. Wie die Spieler selbst sagen überfordert es sie noch etwas. Vieles ist ihnen ganz neu. Aber sie sagen auch, dass sie diesem System vertrauen und sie sind vor allem gewillt das Jahr hindurch daran zu arbeiten es zu verbessern.
Natürlich war aber nicht nur die ‚Kampfmannschaft’ aktiv. Alle Altersklassen haben in den vergangenen Monaten Spiele absolviert. So viele, dass ich gar nicht alle Ergebnisse im Kopf habe. Ist ja auch nicht so wichtig.
Nach Beats Heimkehr in die Schweiz Anfang Dezember waren zunächst die Mädchen und die U17 ohne Trainer. Da mir leider die Zeit fehlt noch weitere Mann- oder Frauschaften zu übernehmen – ich bedauere es wirklich, aber das geht sich zeitlich derzeit einfach nicht aus – haben Jugendliche der Kampfmannschaft diese Gruppen übernommen. Zu meiner grossen Freude. Je mehr Jugendliche im Zentrum auch Verantwortung übernehmen umso erfolgreicher sehe ich das Projekt. Und das wird tatsächlich immer besser.
Gerade eben ist z.B. eine Gruppe von Jugendlichen aus Praia zurückgekommen. Sie waren dort den ganzen Tag unterwegs und haben den ‚Bettelbrief’ (Projektbeschreibung der geplanten Europareise) bei diversen Firmen und Institutionen abgegeben. Zu ein paar Zuständigen sind sie sogar vorgedrungen. Das ist schon eine Leistung. Fast immer wird man von der Empfangsdame aufgehalten die von der ‚wichtigen Sitzung in der der Chef gerade ist’ erzählt und die den Brief entgegennimmt. Zu- oder Absagen gibt es natürlich noch keine, aber wie die Jugendlichen berichten ist das Projekt ‚gut aufgenommen worden’ und alle haben versprochen ihr Möglichstes zu tun?! … man wird sehen.
Der nächste ‚Teil des Projektes’ von dem ich erzählen will, war für mich der Höhepunkt der vergangenen Monate. Der Besuch von Martin und Maria. Kunze und Kosareva. Die Keramiker aus Österreich.
Abgesehen davon, dass die Beiden ganz besonders liebe Menschen sind und mir sehr ans Herz gewachsen sind waren die zwei Wochen, die sie Anfang Jänner hier waren, wieder sehr intensiv, spannend und im Endeffekt erfolgreich.


Hauptziel war es, einen Lehmofen zu bauen den wir mit Gas beheizen können, damit wir unsere Terra-Cotta-Fliesenproduktion nicht auf Grund von fehlendem Brennmaterial einstellen müssen. Positiver Nebeneffekt ist natürlich auch, dass der neue Ofen ein grösseres Fassungsvermögen hat.Der Bau war nicht einfach, konnte nur schrittweise erfolgen weil die einzelnen Schichten trocknen mussten bevor weiter hochgezogen werden konnte. Aber wie schon bei ihrem ersten Besuch waren die Beiden auch diesmal wieder mit unglaublicher Schnelligkeit und Ausdauer an der Arbeit.

Dass sie DIE Spezialisten auf ihrem Gebiet sind wissen wir ja alle schon von ihrem ersten Besuch. Die Terra-Cotta-Böden im Zentrum belegen das eindrücklich. Den Gasofen haben sie mit kräftiger Hilfe von Sarah (eine Deutsche die im Dezember das Projekt besucht hat und geholfen hat wo Not an der Frau war … ) und einigen Jugendlichen des Zentrums in den zwei Wochen ihres Aufenthalts fertiggestellt. Auch die mitgebrachten Gasbrenner konnte Martin noch installieren.

Am letzten Tag ihres Besuchs wollten wir noch brennen. Haben den Ofen eingeräumt, aber dann war leider der Wind zu stark und hat die Gasflammen auf der einen Seite des Ofens ‚rausgeblasen’ … Wir sind jetzt dabei eine Stampflehmwand als Windschutz um den Ofen zu bauen und werden dann den Ofen ‚einweihen’.Ich habe schon erwähnt, dass Martin und Maria immer nur in ‚Abschnitten’ Ofen bauen konnten. Wer aber glaubt, dass sie die Pausen zum ‚Nichtstun’ genutzt haben hat weit gefehlt. Sie haben mit Erdproben experimentiert um herauszufinden ob man die ‚Erde’ so fein ‚auflösen’ kann dass man damit töpfern kann. Die Ergebnisse waren vielversprechend.Ich bin daher gerade dabei einen Töpferworkshop vorzubereiten. Habe einen sehr interessierten Jugendlichen (einen aus meiner Deutschklasse) der schon viel aus Ton modelliert hat und eindeutig Talent und vor allem Tatendrang zeigt. Er ist einer der Vielen hier die die Schule abgeschlossen haben und jetzt nichts zu tun haben.Und wer jetzt glaubt das wäre schon alles gewesen war Martin und Maria in den nicht einmal zwei Wochen die sie hier waren geleistet haben hat schon wieder und viel weiter gefehlt.Sie haben nämlich gleich noch einen Ofen gebaut. Einen Pizzaofen in unserer Bar!! Habe jetzt leider kein Photo davon, aber es ist ein Schmuckstück. In einer ganz anderen Technik gebaut als die anderen Öfen. Natürlich auch aus Lehm, aber diesmal haben sie einfach eine Kuppel aus Sand gemacht und über diese dann den Lehm ‚gepappt’. Als er trocken war haben wir den Sand heraus und fertig war der Ofen.Leider ist er noch nicht in Betrieb. Es fehlt ihm noch die Eisentür. Aber die ist in Auftrag …

Fehlen in diesem Bericht eigentlich nur noch Erzählungen aus Informatik- Englisch- und Deutschunterricht … Die Kurse laufen problemlos. Wir haben ausgezeichnete Ausbilder, nur die ComputeranerInnen brauchen regelmässige Hinweise darauf, dass sich ein Computer zu mehr nutzen lässt als zu Karten- und sonstigen Spielen. Der erste Informatikkurs geht ja bereits seinem Ende zu. Die Absolventen werden daher die ersten sein, die ein Diplom von uns bekommen. Ich habe sie schon darauf hingewiesen, dass es eine ‚Abschlussprüfung’ geben wird und nur die- derjenige ein Diplom bekommt der diese Prüfung auch besteht. Der Rest bekommt eine Bescheinigung dass er/sie die verschiedenen Kartenspiele die der Bill Gates seinem Windows beifügt zur Perfektion beherrschen …
Weiters habe ich ihnen als ‚Abschlussaufgabe’ die Erstellung einer ‚Delta-Cultura-Internetseite’ vorgeschlagen. Dem ‚Siegerteam’ (an jedem Computer arbeiten ja jeweils zwei SchülerInnen), dessen Seite wir dann auch online stellen werden, habe ich eine ‚Premie’ versprochen. So kann ich zwei Fliegen auf einen Schlag … was kommt da jetzt für ein Verb? Schlagen? Aber ‚Fliegen mit einem Schlag schlagen’ klingt doch blöd. Wie wär’s mit ‚zerquetschen’? oder ‚in den Fliegenhimmel schicken’ … Also! Ich will damit zwei Fliegen auf einen Schlag abmurksen. Einerseits endlich zu der portugiesischen Delta-Internetseite kommen und andererseits den InformatikerInnen die Möglichkeit zur Praxis geben.

Soviel zu Fliegen und sonstigem Getier. Ich beende diesen Bericht hiermit in dem untrüglichen Wissen, dass ich Vieles vergessen habe zu erzählen. Und dadurch mit dem Wunsch ab sofort wieder mit Berichten in Monatsabständen fortzufahren. Bei der Menge an Aktivitäten die sich hier so abspielen vergesse ich schnell einmal was. Ich will die Rückkehr zu tatsächlichen Monats-berichten aber nicht versprechen weil ich ja weiss wie es durchaus kommen kann. Der Februar geht zu Ende und mit fehlt die Zeit für den Bericht …
So wünsche ich allen Lesern (und auch mir selber) viel Zeit für die ganz ganz lustigen Dinge des Lebens …

Das Projektleiterchen

One thought on “Monatsbericht Dezember 05 bis Jänner 06

  1. Lieber Florian,
    dein Bericht ist ja recht schön, aber zu lang, um es auf den Punkt zu bringen… wie wär´s zusätzlich mit einer kurzfassung zu den Facts? Damit man erlesen kann, was Ihr gerade für eine Hilfe braucht!!!???
    LG
    Gale

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