Monatsbericht März 2006

Wer braucht schon eine Einleitung?!

Und dann war da noch ein Besuch beim IEFP in Assomada. Das ist das Institut para Emprego e Formação Profissional. Also für Anstellung und professionelle Ausbildung. Die sind dort zuständig für sämtliche Ausbildungen die sich professionell nennen in ‚Santiago interior’. Daher auch für Tarrafal.
Sie haben uns nach ihrem Besuch des Zentrums gebeten vorbeizukommen und ganz schnell um Unterstützung anzusuchen da die Frist zur Einreichung Anfang März abläuft … Es war mir ein leichtes und ‚schnelles’ ein derartiges Ansuchen zu verfassen. Wir haben professionelle Ausbildungen im Bereich Schneider und Schreiner laufen und es fehlen uns – damit das IEFP uns anerkennt – ‚Zusatzausbildung’ in Theorie. Also Portugiesisch, Mathematik, Materialkunde, usw. Leider fehlt uns das Geld um für diese Bereiche weitere Ausbilder anzustellen.
Ich musste also nur eine Stundenanzahl für die jeweiligen Fächer ‚bestimmen’ und die Kosten für Ausbilder (die bekommen umgerechnet ca. 15 € die Stunde) kalkulieren. Und das habe ich dann ‚angesucht’.
In einem unglaublichen Tempo hat das IEFP das Ansuchen geprüft und uns bereits einen Tag nach Einreichung abgesagt. Noch nie in meinem langen Leben habe ich auf ein Ansuchen eine derart schnelle Antwort bekommen. Das schaffen nicht einmal die Schweizer Behörden!!!!
Habe daher umgehend eine Massenaussendung an sämtliche Behörden dieser schönen Welt rausgeschickt in der ich sie darauf aufmerksam gemacht habe, dass es in Cabo Verde auf der Insel Santiago im Städtchen Assomada ein Institut gibt, das eine neue unglaublich schnelle Ansuchensbeantwortungsmethode entwickelt hat und diese bei entsprechender Bezahlung auch weitergeben würde …

In Wirklichkeit hat sich bei mir natürlich der Verdacht breit gemacht, dass die nie vorgehabt haben uns zu unterstützen. Nur weil der Premierminister, die Unterrichtsministerin, das IEFP selbst (im August 2004!) schon so Einiges zugesagt haben, aber bisher so überhaupt nichts eingehalten haben, wollten sie halt so tun als ob sie Interesse hätten … die Begründung für die Absage war denn auch an den Haaren herbeigezogen: das Problem sei, dass unsere Ausbildung schon begonnen habe und die unterschiedliche Schulbildung der Lehrlinge.
Ich konnte nicht anders als dem lieben Mann zu sagen, dass ich beim besten Willen kein Problem darin sehen könne eine Ausbildung zu beginnen und auch diejenigen einzubinden die keine Schulbildung haben …
Der gute Zentrumsgeist hat uns daraufhin am Tag nach der Absage das Fernsehen geschickt. Sie haben einen Beitrag über die Ausbildungen gedreht und dabei natürlich das Projektleiterchen interviewt. Eine schöne Gelegenheit zu erzählen was uns ständig versprochen, aber nie gehalten wird.

So und jetzt liebe Leser aufgepasst! Es folgt eine kitschigtragische Analyse dieser Ansuchensgeschichte. Wie immer steckt hinter so kleinen Begebenheiten ja viel mehr als auf den ersten Blick preisgegeben wird!?
Vorallem im Hinblick auf ‚langfristige Finanzierung’ des Projekts müssen wir daraus natürlich einiges lernen.
Also ich sehe das so: es ist mir zwar kein ‚Kinderspiel’ aber doch ein sehr ebener Weg zur Finanzierung von bestimmten ‚Angeboten’ im Zentrum durch caboverdeanische Institutionen. Ich muss halt deren Richtlinien akzeptieren und um diese herum ein Ausbildungsprojekt ‚entwerfen’. Sie wollen ja auch, dass ich das mache. Sagen sie zumindest?!
Wenn ich also Ausbildungen von ‚so langer Dauer’ wie jetzt (eineinhalb Jahre) anbieten will, darf ich nur ja nicht mit irgendeiner Aktivität beginnen und darf nur Lehrlinge nehmen die die Schule abgeschlossen haben.
Für mich hat das aber den Beigeschmack von: fördern wir die Jugendlichen die ordentlich, brav und fleissig sind, die schon in den Schuljahren gezeigt haben, dass sie in diesem System ausgezeichnet zurecht kommen. Soll sich jemand anderer um die kümmern die aus welchen Gründen auch immer nicht so problemlos lernen und ihren (Über)lebenskampf mit anderen Mitteln zu bewältigen versuchen.
Ich müsste also eine klare Trennung zwischen zwei Menschentypen vornehmen und für jeden separat Angebote entwickeln. Es gibt ja für alle irgendwelche Institutionen und Einrichtungen die helfen.
Aus dieser Schilderung geht wohl schon hervor, dass dies nicht gerade mein Ziel ist.
Delta Cultura ist ja auch gerade dabei zu beweisen, dass eine Ausbildung von Lehrlingen mit unterschiedlicher Schulbildung sehr wohl möglich ist. Den Lehrlingen die nicht schreiben und lesen können bringen wir das bei und wenn sie nach eineinhalb Jahren nicht den Wissenstand der anderen Lehrlinge haben, dann bilden wir sie halt weiterhin aus. Oder geben ihnen Arbeit im Zentrum und bieten ihnen nebenbei weitere Ausbildungsmöglichkeiten … oder, oder, oder.
Ich sehe keine Problematik sondern Vorteile: die Lehrlinge die eine bessere Schulbildung haben, lernen die ‚Schwächeren’ ‚mitzuziehen’. Ihre Verantwortung die sie ihnen gegenüber haben wahrzunehmen.
Dass dadurch ihre eigene Ausbildung ‚leidet’ halte ich für eine Mähr. Das bestätigt mir auch der Schreinerausbilder.

Langred Kurzsinn:
Wir leiden unter dem grassierenden Schubladisierungswahn.
Den es doch ganz eindeutig gibt? Oder?
Arme – Reiche
Christen – Moslems – Buddhisten – Hindus
Fleissige – Faule
Schwarze – Weisse – Gelbe – Rote
Blöde – Gescheite
Professionelle – Amateure
Rationalisten – Sensibilisten
Schubladisierungsbefürworter – Schubladiesierungsgegner
Warmduscher – Kaltduscher
Soziale – Asoziale
usw.
Alle haben in irgendeiner Schublade Platz.

Die Frage die sich mir jetzt stellt ist halt die, in welche Schublade sich Delta Cultura begeben soll um möglichst viel Förderung und Unterstützung zu bekommen?! Oder sollen wir uns gar nicht ‚einordnen’ lassen?
Was die Sache der langfristigen Finanzierung sicherlich viel schwieriger gestaltet. Dann braucht es Kooperationspartner und Geldgeber die nicht nur ganz bestimmte Schubladen fördern wollen sondern sich das Zentrum und unsere Aktivitäten, die Erfolge und Misserfolge anschauen und auf dieser Grundlage über Förderung oder Nichtförderung entscheiden.
Wobei es sich ja schon über ‚Erfolg und Misserfolg’ streiten lässt. Weil auch der Begriff ‚Erfolg’ lässt sich hemmungslos schubladisieren.
Ab wann z.B. ist die Fussballschule ein Erfolg? Ab 100 Teilnehmern? Oder ab Gewinn der nationalen Fussballmeisterschaft? Oder ab Vermittlung eines Spielers zu Real Madrid? …
Natürlich ist es mein Traum das Zentrum so zu finanzieren, dass wir weiterhin anbieten können was und wie es das Projektleiterchen, der Delta-Vorstand und die Kinder- und Jugendlichen Tarrafals wollen.
Wenn ich mir aber so die Meinungen der verschiedenen Institutionen, Organisationen, etc. anhöre (siehe z.B.: IEFP), dann zweifle ich ein ganz klein wenig an der Realisierbarkeit dieses Traumes … weil ich noch keinem begegnet bin der nicht zwingend verlangt wir sollen es uns endlich in einer Schublade bequem machen, damit wir förderungswürdig werden …

Und geht das alles zu weit? Das was ich da so dahinschreibe? Stelle gerne die Möglichkeit zur Verfügung, dass Alles was ich da so erzähle ein an den Haaren herbeigezogener Blödsinn ist??!!

Der März im Kinder- und Jugendzentrum war des weiteren von undichten Dächern geprägt. Die plagen uns zwar schon seit Juli 2005, aber jetzt werden sie wieder akut. Die Regenzeit steht vor der Tür und eine Schnell-Schnell-Lösung der Dächer gibt es nicht. Auch keine Kostenlose. Nicht einmal eine Billige.
Nachdem ich im September 2005 ein Angebot der Schweizer Firma ‚Sarna’ zur Sanierung der Dächer eingeholt habe, habe ich diese Lösungsmöglichkeit auf Anraten des Architekten wieder zur Seite gelegt: ‚da gäbe es bestimmt viel billigere Lösungen und einmal zurück in Deutschland werde er sich der Sache annehmen’. Also habe ich mich in meinem Strandstuhl zurückgelehnt und mich auf den lieben Mann verlassen. Mir war ja klar, dass ihm klar ist, dass an diesen Dächern das gesamte Projekt scheitern kann. Wenn wir sie nicht abdichten, müssen wir, vor der Regenzeit, die Werkstätten ausräumen, dann stoppen die Ausbildungen und damit wohl auch die Förderung des BMZ.
Leider wurde ich enttäuscht. Monat um Monat ist vergangen und ich habe keine konkreten Lösungsvorschläge für die Dächer erhalten. Mir wurde die Sache zu brenzlig um mich weiter hinhalten zu lassen. Ich habe meinen Vater in Wien gebeten die Sache in die Hand zu nehmen. In seine über 90 jährige, erfahrungsreiche Hand!
Er hat sehr schnell verstanden um was es da geht und ich versuche seitdem mich ‚Backen zu beissen’, dass ich das nicht schon im Oktober, mit Bauende, meinem Vater übergeben habe. Dann hätten wir jetzt nicht diesen Zeit- und Gelddruck!
Nach einer Woche seiner Tätigkeit, ist es meinem Vater gelungen dem Architekten sämtliche gesammelten Angebote bezüglich Dachsanierung zu entlocken. Ergebnis: das billigste und beste Angebot ist das der Schweizer Firma Sarna! Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen hat der Architekt also 7 Monate gebraucht! Und das war soviel Arbeit, dass es ihm in diesen Monaten leider nicht gelungen ist auch nur einen Euro für die Sanierung der Dächer aufzutreiben.
Gott sei Dank gibt es in Wien aber die Uta Ribarits und ihre Freunde! Uta war während der Bauphase des Zentrums hier in Tarrafal und war anscheinend sehr angetan von unserem Projekt. Zurück in Wien hat sie sich entschlossen ein Fest zu Gunsten des Kinder- und Jugendzentrums zu organisieren. Anfang März hat dieses dann im Wiener Prater stattgefunden. Wie genau es ihr gelungen ist weiss ich nicht, aber bei dieser Gelegenheit sind sage und schreibe 4500! € für das Kinder- und Jugendzentrum übriggeblieben!
An dieser Stelle unseren allerherzlichsten Dank an alle Organisatoren dieses Festes! …

Leider konnten wir diese Spende nicht wie ursprünglich vorgesehen als Eigenanteil in das Projekt einbringen sondern mussten sie als Anzahlung für die Dachsanierung an die Firma Sarna überweisen. Sonst hätten die nicht angefangen Material herzustellen, Monteur zu organisieren, etc. Und es ist jetzt schon fraglich ob es sich zeitlich ausgeht die Dächer vor der Regenzeit dicht zu bekommen. Das Material muss ja erst einmal nach Tarrafal gebracht werden. Das dauert Wochen (hoffentlich nicht Monate). Je nach dem wie schnell die Spedition das nach Praia bringt und je nachdem wie gut der Zolldirektor dann gerade aufgelegt ist …
Auf alle Fälle eine gewaltige ‚Bremse’, dieses Dachproblem. Viele Arbeiten bleiben derzeit liegen weil ich Prioritäten setzen muss. Und die Dächer sind oberste Priorität!

Liegen geblieben sind unter anderem meine Bemühungen die Europareise im Sommer zu organisieren und zu finanzieren. Ich bin einfach nicht ausreichend dazugekommen. Und so nebenbei lässt sich für ein derartiges Unternehmen leider kein Geld auftreiben.
Möglicherweise wäre es uns gelungen wenn wir eine schöne Projektdokumentation gehabt hätten. Oder wenn wir die 8000 € die unser Kooperationspartner hierfür ausgegeben hat zur Verfügung gestellt bekommen hätten!
Aber keines von Beiden war der Fall.
Leider hat es Delta Cultura bei Auftragsvergabe für die Projektdokumentation verabsäumt einen schriftlichen Vertrag aufzusetzen der Art der Leistung und Zeitraum regeln hätte müssen! Eine schmerzliche Erfahrung, dass sogar im sozialen Bereich und unter ‚Freunden’ anscheinend alles vertraglich geregelt werden muss … Delta Cultura weiss das jetzt …
Delta Cultura weiss auch, dass es viele ganz ganz liebe Menschen auf dieser wirklich wunderschönen Welt gibt, die es für besser halten würden, diese Schwierigkeiten mit dem deutschen Kooperationspartner einfach nicht zu erwähnen, vor allem nicht auf einer Internetseite zu veröffentlichen.
Leider war der März aber von diesen Schwierigkeiten mitgeprägt, hat immer wieder die Arbeit des Projektleiterchens beeinflusst und dieses ‚chen’ findet daher es gehört erwähnt. Schliesslich handelt es sich hier ja um einen Situationsbericht und nicht um einen Verschwiegenheitsbericht.
Allerdings werde ich mich an der Kandare (heisst die wirklich so? und wo ist die?) nehmen (oder reissen?) … also ich werde mich irgendwo reissend nehmen und ‚nur’ die Tatsachen erwähnen die dazu geführt haben das Delta Cultura in einer Vorstandssitzung beschlossen hat die Kooperation mit dem deutschen ‚Partner’ zu beenden.
‚Aufgabe’ des deutschen Vereins war sozusagen die Finanzierung des Architekten und der Projektdokumentation. Abgesehen davon haben sie aber auch einen Teil (3000 €) des Eigenanteils 2005 (gesamt 20.000 €)geleistet, bei der Beschaffung des Zentrumsinventars geholfen und den Transport (6000 €) mitfinanziert. Sie haben also einen grossen Beitrag zum Gelingen des Projektes beigetragen.
Dies ist allerdings nicht der Grund warum wir die Kooperation beendet haben?!
Unstimmigkeiten gab es natürlich schon während dem Aufenthalt von Architekten und Projektdokumentatorin in Tarrafal während der Bauphase. Erstmals Ernsthafte als die Beiden während einer schwieirgen Phase des Baus auf Urlaub gefahren sind. An sich hatte der Architekt ja mein Einverständnis, ich wollte nur, dass er noch ein paar wesentliche Dinge klärt. Das hat er allerdings für unnotwendig empfunden und hat das schlicht und einfach mir überlassen.
Damals habe ich mir zum erstenmal gedacht, dass ich wohl kein geeigneter Chef bin. Ich mache immer wieder den Fehler, zu glauben die Angestellten haben selbst genug Verantwortungsgefühl und ich muss keine Befehle ausgeben. Ich merke dann zwar oft sehr bald schon, dass dies nicht der Fall ist, aber ich ‚schreite’ dann nicht sofort ein. Ich warte irgendwie darauf, dass der- oder diejenige von selbst auf die Idee kommt, dass es an der Zeit ist zu handeln ohne dass es jemand befiehlt … und ich schweige dann meist so lange bis mir die Geduld reisst und ich meinem Ärger Luft mache. Der- oder diejenige ist dann immer ganz überrascht und entsetzt weil er/sie in dem Glauben gelebt hat ihr/sein Nichtstun oder Langsamtun verzücke mich ganz ungemein.
Ich weiss, dass ich diese Eigenschaft wohl ändern sollte. Es ist mir aber bis heute nicht gelungen. Jetzt im laufenden Betrieb rufe ich halt immer wieder Versammlungen der Angestellten ein und erzähle, dass es so denn auch nicht gehe und jeder mehr Verantwortung übernehmen solle. Das passiert dann auch immer, verschwindet aber nach ein paar Tagen wieder. Ich schreite dann nicht bei jeder Kleinigkeit ein, das ist mir einfach zu blöd und zu zeitaufwendig. So ist die Überraschung dann wieder riesengross wenn ich zur nächsten Versammlung rufe … ein ewiger Kreislauf an den ich mich jetzt aber schon gewöhnt habe und den ich auch so akzeptieren kann. Ich denke dann halt immer an mein eigenes Verhalten in den diversen Angestelltenverhältnissen die ich durchlaufen habe. In den seltensten Fällen hätte ich da mein Chef sein wollen!?
Abschweifung! Zurück zum Kooperationspartner.
Eine kurze Erklärung zu dieser Kooperation. Architekt und Photographin waren 10 Monate in Tarrafal. Der Architekt hat ein Monatsgehalt von ca. 300 € für Bauleitung etc. aus dem ‚Fördertopf’ des deutschen Ministeriums bekommen. Beide haben die 10 Monate die sie in Tarrafal waren in Marisas und meiner Bar ein Abendessen bekommen. Die ersten Monate auch Getränke (wenn es sein musste bis zum Besäufnis?!). Weiters haben sie von ihrem Verein Unterstützung bekommen. Es entzieht sich meiner Kenntnis wie viel.
Die Photographin hat uns vor ihrer Ankunft ein Angebot für eine Projektdokumentation sowie einer Powerpointpräsentation gelegt. 10.000 €. Das Geld war nicht vorhanden, sie hat sich aber bereiterklärt trotzdem zu kommen um den Bau photographisch festzuhalten.
Nebenbei sei erwähnt, dass sie das mit meiner Digitalkamera gemacht hat.
Im August 2005 hat der deutsche Verein eine Spende von 15.000 € für die Projektdokumentation bekommen. Davon wurde der Containertransport bezahlt (ca. 6000 €). Ich hatte zu dieser Zeit grosse Schwierigkeiten mit der Finanzierung des Baus. Es war eigentlich kein Geld mehr dafür da, weil Delta Eigenanteil an dem Projekt ‚geschuldet’ hat. Der deutsche Verein hat allerdings beschlossen den Rest der 15.000 € für die Projektdokumentation zurückzuhalten.
Diese Vorgehensweise hat endgültig zu Streitereien zwischen Delta und dem Kooperationspartner geführt. Es hat meinen ‚Glauben’ an deren Ernsthaftigkeit, an deren Interesse an dem Gesamtprojekt stark erschüttert. Aber natürlich habe ich es akzeptiert. Das Geldproblem habe ich damals mit einem zinslosen Kredit den Delta Cultura bekommen hat gelöst. Zunächst habe ich überhaupt nur weiterbauen können weil sich der Chefmaurer bereiterklärt hat auf das ausständige Gehalt derweil zu verzichten. Das ist zwar hier in Cabo Verde Gang und Gebe, es hat mir aber trotzdem ein blödes Gefühl gemacht, dass da ein deutscher Verein 8000 € für eine Projektdokumentation ‚zurückhält’ während ein caboverdeanischer Maurer und seine Angestellten auf ihren Lohn warten müssen …
Das Verhältnis zwischen Delta und dem deutschen Verein ist dementsprechend getrübt geblieben. Zumindest von meiner Seite aus. Durchaus möglich, dass Architekt und Photographin nach zahlreichen Gesprächen über dieses Thema gefunden haben es sei ‚alles wieder prima’.
Und dann gehört zu dieser Geschichte das leidige Dachproblem. Wobei ich vorausschicken will, dass ich diesbezüglich dem Architekten nie die Schuld dafür gegeben oder es ihm vorgeworfen habe.
Ich bin aber immer davon ausgegangen, dass er seinen Teil – sowohl was Lösungsvorschläge als auch was Finanzierung betrifft – beitragen wird, dass er diesbezüglich Verantwortung übernehmen wird. Aber ich habe auch hier meinen oben beschriebenen Fehler gemacht, dass ich Verantwortungsbewusstsein vorausgesetzt habe … wie es schlussendlich gelaufen ist steht ja auch weiter oben beschrieben: Lösung habe ICH gefunden, mein Vater organisiert diese, die Finanzierung fehlt. Wir alle hoffen sehr, dass diesbezüglich noch eine ‚letzte Hilfe’ von Seiten des deutschen Vereins oder des Architekten kommt!
Letzten Ausschlag zur Beendigung der Kooperation hat schlussendlich die Projektdokumentation gegeben. Offensichtlich fälschlicherweise bin ich immer davon ausgegangen, dass die Photographin während ihres Aufenthaltes mehr als nur alle paar Tage Photos von der Baustelle macht. Ich dachte sie arbeitet nebenbei an dem Text, dem Layout etc. Ich wollte ja eigentlich höchstens zwei, drei Monate nach Bauende die Dokumentation gedruckt haben, also noch 2005. Das hätte ich wohl ganz deutlich so formulieren sollen. Bei Angebotslegung.
Tatsächlich war es dann so, dass ich auf meine Anfrage Ende Dezember wo denn jetzt eigentlich die Projektdokumentation sei die Antwort bekommen habe es dauere noch 5 Wochen. Ich habe das gar nicht ‚prima’ gefunden und meine Bedenken bekommen ob das Ganze denn noch Sinn mache. So lange nach Bauende eine Projektdokumentation von jemandem machen zu lassen der nur während der Bauphase vor Ort war?! … Meine Zweifel wurden verstärkt als ich erste Entwürfe der Dokumentation bekommen habe. Vorallem was den Text betraf. Allerdings hatte ich immer noch Hoffnung, da es sich bei dem vorgelegten Text ausschliesslich um solchen gehandelt hat der schon in diversen veralteten Foldern und auf Internetseiten zu finden war. Die eigentlich wesentlichen Textteile haben noch vollständig gefehlt.
Nach diversen Emails und auch einem Telefongespräch hat sich die Aufgabe des Text Verfassens immer mehr von der Photographin zu mir verschoben. Eh klar. Je länger der Bauabschluss zurücklag umso unbedeutender wurde er für die Dokumentation, umso wichtiger wurde der laufende Betrieb und den konnte die in Deutschland weilende Photographin ja nicht beschreiben.
Auf Grund von Zeitmangel bin ich aber nicht und nicht dazu gekommen an diesem Text zu arbeiten. Erst Anfang März habe ich mir die Zeit einfach genommen und habe sehr schnell bemerkt, dass das Konzept der Photographin meine Schreibphantasie zu sehr einengt. Auch habe ich sehr schnell Ideen entwickelt wie man z.B. in der Dokumentation das Land und die Leute beschreiben sollte. Nämlich ganz einfach von den Leuten selbst. Interviews führen, etc. … Irgendwann habe ich mir dann gedacht: ‚verdammt und zugenäht wäre es nicht eigentlich Aufgabe der Projektdokumentatorin gewesen solche Dinge während ihres 10 monatigen Aufenthaltes in Tarrafal zu machen?!’ Und: ‚verdammt und zugenäht, wofür haben wir denn eigentlich 8000 € bezahlt (im August 2005) wenn jetzt ICH den ganzen Text schreiben muss?!
Auf alle Fälle sind die im Dezember erwähnten 5 Wochen bis zur Fertigstellung der Dokumentation verstrichen und sie war tatsächlich wie versprochen fertig. Es hat nur der Text gefehlt!? Und unter sämtlichen Photos stand, anstatt einer Beschreibung, geschrieben ‚Jamila kauft Haifisch’ … und obwohl das höchstens eine Arbeit von einer Woche gewesen wäre die vielen Photos alle richtig zu beschreiben, habe ich einen Schlussstrich gezogen. Ich habe es als unsinnig erkannt da noch viel Zeit und Hirnschmalz für eine veraltete Dokumentation zu opfern und dann noch Geld für den Druck auszugeben.
Auch habe ich mit Jenny und Fu zusammen (die beiden haben uns im März zum wiederholten Male besucht – mehr dazu später) ein vollkommen neues Konzept für eine Projektdokumentation erarbeitet. Oder vielmehr haben Jenny und Fu das gemacht. Und an dieser Dokumentation arbeite ich jetzt.
Der deutschen Photographin habe ich freundlich aber bestimmt mitgeteilt, dass wir die Dokumentation in ‚ihrer’ Form nicht mehr benötigen. Was jetzt damit passiert, ob die Photographin trotzdem die 8000 € bekommt, ob sie die Dokumentation wie von mir vorgeschlagen zu einer Referenz für den Architekten ‚umarbeitet’, weiss ich nicht. Es beschäftigt mich auch nicht weil ihr ‚Auftraggeber’ ist ja unser ‚Ex-Kooperationspartner’. Sie müssen selbst entscheiden ob eine Ausgabe in dieser Höhe gerechtfertigt ist oder nicht.
Vollkommen unter den Tisch gefallen ist die im Angebot der Photographin inkludierte Powerpointpräsentation. Von der habe ich noch nie was gehört, geschweige denn gesehen. Und alles das ein halbes Jahr nach Bauabschluss.

So, das war’s. Eine leidige Geschichte, die aber jetzt Gott sei Dank ihr Ende gefunden hat … uns bleibt einfach nur die Hoffnung, dass der Architekt bei der Sanierung der Dächer finanziell unterstützt sodann ist diese für beide Seiten unglückselige Auseinandersetzung Vergangenheit.
Sollte es Projektfreunde und Unterstützer geben die jetzt ganz schockiert sind, dass Delta Cultura die Kooperation mit dem deutschen Verein beendet hat, bin ich für Stellungnahmen dankbar. Schliesslich interessiert es mich immer wie Aussenstehende unser Gewurschtel sehen und wir wollen ja auch für zukünftige Kooperationen dazulernen.

In der Schilderung oben ist von Jenny und Fu die Rede. Fu, der deutsche Schnelldenker, der meine Familie und das Projekt seit unserer Anfangszeit in Tarrafal kennt und unterstützt und Jenny seine Freundin/Frau der wir unsere Internetseite verdanken! Auf dieser gibt es übrigens eine Neuerung: die Startseite heisst jetzt ‚Aktuelles’ und ich veröffentliche darauf kurze Meldungen zum Tagesgeschehen. Wirkliche Kurzmeldungen ohne Ausschweifungen in die Tiefen der ungemein komplexen menschlichen Seele.
Jenny und Fu waren also einen Monat hier bei uns und es war eine sehr fruchtbare Zeit für mich. Neben ihrer Tätigkeit in unserem Computerraum (Einrichtung des Netzwerks, Installation der mitgebrachten ISDN-Anlage – ja wir haben jetzt endlich Telefon und Internet im Zentrum!) haben wir in zahlreichen Gesprächen Ideen für die Zukunft des Zentrums entwickelt. Unter anderem auch das bereits erwähnte neue Konzept für die Projektdokumentation. Wir wollen dieser unter anderem auch eine CD mit Photos, Videos, etc. beilegen. Auch haben wir uns eine ‚Druckmethode’ ausgedacht bei der wir dann bei Neuerungen nicht die gesamte Dokumentation neu drucken müssen.
Den Druck hätte ich inzwischen schon fast finanziert, jetzt brauche ich nur noch die Zeit um den Text zu schreiben … das wird sicher ein paar Monate dauern, aber wie sagt man so wahnsinnig schön: ein Koch kann auch nicht von heute auf morgen Suppen auslöffeln … oder sagt man das so gar nicht?! Wie wär’s mit: ‚zu viele Suppen verderben aber jeden Koch von heute auf morgen’ … oder: ‚heute koch ich, morgen löffle ich übermorgen hol ich mir der Photographin ihre Projektdokumentation’ … unglaublich, man kann so irrsinnig viele Sachen so wahnsinnig schön sagen …
Abschliessend noch zu Jennys und Fu’s Besuch: wir haben tatsächlich viele Ideen entwickelt. Natürlich ist noch keine davon spruchreif, aber wir erarbeiten gemeinsam (oder derweil Jenny und Fu gemeinsam) ein Informatikausbildungkonzept für die Zeit ab März 2007 und ich werde dafür dann Finanzierung finden.

Aufmerksame Leser werden gemerkt haben, dass ich im März angefangen haben mir intensiver Gedanken zu der Zeit nach März 2007 (Förderungsende durch BMZ/ASB) zu machen. Es gibt da schon einige Projekte die wir verwirklichen wollen. Da sich Finanzierungen aber bekanntlich nicht von heute auf morgen finden lassen müssen wir anfangen an schriftlichen Konzepten zu arbeiten mit denen wir dann auf Geldsuche gehen können.
Aber natürlich habe ich mich bei Weitem nicht nur mit der Zukunft beschäftigt. Das Tagesgeschehen beansprucht immer noch den Grossteil meiner Zeit. Aber dieser Monatsbericht ist jetzt so lange, dass ich keine Details aus den diversen Ausbildungen und Aktivitäten mehr erzähle. Wie schon erwähnt sind diese ja jetzt auch regelmässig auf unserer Internetseite nachzulesen.
Für den April verspreche ich aber ganz viele Anekdoten aus Schreiner- und Schneiderwerkstatt, aus Informatik- und Unterrichtsraum und natürlich von unseren kulturellen und sportlichen Umtrieben.
Möchte mich noch entschuldigen falls dieser Bericht von allzu vielen negativen Schilderungen geprägt ist, aber es ist nun mal so wie es ist: der März hat es nicht gut mit uns gemeint. Zumindest mit mir nicht. Sonst hätte er mich nämlich öfter mal an den Strand gehen lassen … der Sauhundmärz …

Deus ku njos,

das Projektleiterchen

4 thoughts on “Monatsbericht März 2006

  1. Der vorliegende Bericht ist für die Betroffenen sehr verletzend und verleumderisch.
    Vista Verde e.V. distanziert sich von dieser Art der Berichterstattung!
    Wir sind offen für alle Fragen, die auf Grund dieses Berichts aufkommen
    könnten. Sie können mit uns Kontakt aufnehmen über: info@vista-verde.net

  2. Armer Florian,
    Du musst total bekifft oder betrunken gewesen sein, als Du diesen Bericht geschrieben hast. Anders ist es nicht zu verstehen, wie man seinen Lesern einen solchen Sermon schreiben kann. Mit Deinem Brief hast Du viele Menschen verletzt und Deinem Projekt Schaden zugefügt.
    Erich Mössinger

  3. Herr Florian
    sie haben vergessen, dass der
    Deutsche Architekt alle Voraussetzungen geschaffen hat das Projekt zu verwirklichen

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