Monatsbericht September 2006

Das Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal gibt es immer noch!!??
Ein dazugehöriges Projektleiterchen das Monatsberichte verfasst, auch!!??
… ist ja alles keine Selbstverständlichkeit … in Zeiten wie diesen!!??
Oder ist nie etwas selbstverständlich, egal in welchen Zeiten?
Oder versteht sich sowieso Alles wenn, dann nur von selbst?

Ich hatte heute ein langes Gespräch mit Patriki. Seit es die Fussballschule gibt trainiert er bei uns. Seit ich Trainer der ‚Kampfmannschaft’ bin unter meinen Fittichen. Wobei ich keine innige Beziehung zu meinen Fittichen pflege. Ich weiss ja nicht einmal wo ich die hab?! Ich möchte es auch gar nicht wissen, vielleicht sind die Dinger ja grauslich?!Ich hatte also ein langes Gespräch mit Patriki, der vor 2 Jahren die Schule in Tarrafal abgeschlossen hat und dann hier geblieben ist um den ‚Werdegang’ des Zentrums und der Fussballschule zu verfolgen. Er hätte schon längst nach Portugal gehen können.Patriki ist jetzt 20 Jahre alt, ein talentierter Fussballer, einer der Wenigen die immer am Training teilnehmen und sich ordentlich reinhauen. Er hat schon während der Bauphase des Zentrums für uns gearbeitet, ist dann übergangslos Trainer der U17 geworden, hilft bei der Fliesenproduktion, unterstützt den Hauswart und ist ausserdem Vizepräsident von Delta Cultura. Für seine Arbeit bekommt er ein bescheidenes Gehalt.
In dem Gespräch ging es zunächst um die Zukunft der Fussballschule. Ich bin auf der Suche nach einem ‚Assistenten’ der sich auch um organisatorische Dinge der Fussballschule kümmert, der bei der Öffentlichkeitsarbeit hilft, etc. Und Patriki wäre mein erster Kandidat dafür. Also wollte ich von ihm einfach wissen wie seine Zukunftspläne aussehen, ob ich in der Fussballschule auch weiterhin mit ihm rechnen könne oder nicht. Es wurde daraus ein sehr intensives Gespräch über ‚das Leben und die Zukunftsaussichten in Tarrafal’. Über Auswandern und Umziehen in die Hauptstadt Praia. All das gemischt mit allgemeinen Ansichten über ‚Entscheidungen treffen’, ‚Gottvertrauen’ und sonstige Lebensbereiche über die man sich hin und wieder den Kopf zerbricht.
Das Gespräch hat auf alle Fälle eine Zwickmühle zu Tage gebracht. Eine, in der Patriki derzeit gefangen ist.
Wie gesagt, er hätte schon längst nach Portugal gehen können um dort zu studieren. Sein Vater lebt dort und drängt ihn sehr zu kommen. Seine Familie und seine Freunde die hier sind können ihn auch nicht verstehen. „Alle die die Möglichkeit haben zu gehen, gehen auch! Das war immer schon so!“
Jetzt ist ein neues ‚Zwick’ in Patrikis Lebensmühle getreten. Ein Fussballclub in Praia lockt ihn mit dem Angebot ihm einen Kurs auf der Privatuniversität der Hauptstadt zu bezahlen wenn er für sie spielt. Dazu sei gesagt, dass auch die Fussballclubs der Hauptstadt keinen ‚Ganzjahresbetrieb’ haben. Die Mannschaften beginnen ihr Training 2 Monate vor Meisterschaftsbeginn und wenn sie die regionale Meisterschaft nicht gewinnen ist der Spass nach 2 Monaten auch schon wieder vorbei.
Etwas skeptisch macht mich der Umstand, dass ein Studium auf dieser Universität umgerechnet ungefähr 150 € pro Monat kostet … woher hat der Fussballverein soviel Geld? Auch Patriki hat diesbezüglich seine Bedenken. Ein Studium dauert ja immerhin 3 Jahre und wer garantiert ihm, dass der Fussballverein nicht nach ein paar Monaten bekannt gibt kein Geld mehr zu haben??!
Trotzdem ist Patriki versucht dieses Angebot anzunehmen. Noch viel mehr als er sich einen Schub in seiner Fussballerkarriere verspricht wenn er in der Hauptstadt spielt. Leider ist es ja so, dass in allen nationalen Auswahlmannschaften ausschliesslich Spieler aus Praia oder Sao Vicente spielen. Oder eben jene Spieler die den Sprung nach Portugal geschafft haben. Aber nach Tarrafal verirrt sich nie ein Trainer des Verbandes. Obwohl es immer heisst Tarrafal sei bekannt für seine guten Fussballer.
Noch ein Aspekt von Patrikis Zwickmühle: der regionale Fussballverband dem Tarrafal angehört ist bis heute nicht existent. Und so gibt es keine Garantie, dass wir dieses Jahr Meisterschaft spielen können. Noch viel weniger als unsere Anmeldung beim Verband ja noch nicht abgeschlossen ist. Die Anmeldegebühr die wir vergangenes Jahr bezahlt haben ist in dunklen Kanälen versickert!!??
Und als wäre das nicht schon mehr als genug ‚Zwick’ in Patrikis Leben komme jetzt auch noch ich und verlange von ihm eine klare Aussage bezüglich seinen Zukunftsplänen …
Wobei ich ihn in keiner Weise in eine Richtung dränge. Auch wenn ich weiss, dass er eigentlich hier bleiben will. Es ist das was er will, aber er hat seine Probleme damit daran zu glauben, dass ‚die Fussballschule Tarrafal’ oder das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ ihm auf Dauer einen Lebensunterhalt bieten kann. Auch was seine Fussballerkarriere betrifft zweifelt er daran, dass hier der richtige Ort für ihn ist. Obwohl er genau weiss und auch sagt, dass hier im Vergleich zu anderen Fussballclubs oder Fussballschulen auf der Insel Santiago ein sinnvolles ganzjähriges Training angeboten wird …
Im Laufe dieses Gesprächs mit Patriki bin ich mir auch immer wieder meiner eigenen Zwickmühle bewusst geworden. Natürlich ist es in meinem Interesse, dass Patriki hier bleibt. Weil für die Fussballschule wäre es ein herber Verlust wenn er geht. Sowohl als Spieler als auch als Trainer ist er einer der Besten. ABER: kann ich ihm denn eine Zukunft hier in Tarrafal garantieren? Muss ich ihm nicht eigentlich auch dazu raten das Land zu verlassen? ABER: egal wo auf der Welt – welche Art von Garantien hat das Leben denn so zu bieten?
Eines ist sicher. Patriki will Psychologie studieren und das kann er hier in Tarrafal nicht. Die besagte Privatuniversität in Praia bietet so ein Studium an. Aber Delta Cultura ist derzeit leider nicht in der Lage ihm das zu finanzieren. Wie gesagt, 150 € pro Monat ist kein Pappenstiel. Das ist ungefähr genauso viel wie er jetzt hier verdient. Aber in Praia muss er ja auch von was leben …
Mit Sicherheit wäre dies für alle Beteiligten die Beste Lösung: Patriki studiert in Praia Psychologie, kann dann zwar nicht weiterhin die U17 trainieren, aber je nach dem wie viele Tage die Woche er die Universität besuchen muss könnte er in der Kampfmannschaft weitertrainieren und auch mit uns Meisterschaft spielen. Wenn er dann das Studium beendet hat stellt ihn das Zentrum als Psychologe ein, in 5 Jahren übergebe ich ihm die Fussballschule und ein halbes Jahr später das gesamte Zentrum …
Aber eben: das ist Theorie. Also was soll das Projektleiterchen dem guten Patriki raten?
Ich habe ihm die folgende symbolische Handlung ans Herz gelegt: er solle 3 Blatt Papier nehmen. Für jede seiner Entscheidungsmöglichkeiten eines. Dann huschhusch Vor- und Nachteile jeder Möglichkeit aufschreiben. Ruhen lassen. Gut durchmischen. Nochmals durchlesen. Entscheiden. Und abschliessend (der wichtigste Teil): die Zettel mit den Möglichkeiten für die er sich nicht entschieden hat irgendwie vernichten … z.B. in Beton giessen und im Meer versenken …
Kommenden Montag wird uns Patriki in unserer morgendlichen Versammlung seine Entscheidung bekannt geben!

Der September war lang und ich habe nicht nur mit Patriki lange Gespräche geführt. Auch mit meinen Töchtern Natalina und Idalena. Den Beiden habe ich hauptsächlich ans Herz gelegt absolut gar nichts in Beton zu giessen und ja nichts im Meer zu versenken … die Beiden haben mir offensichtlich gut zugehört und halten sich bisher streng an diese Anweisung!!?? … aber das nur so nebenbei. Wollte nur wieder einmal herausstreichen was für ein herausragendes Väterchen ich bin.

Weitere lange Septembergespräche gab es mit Beat und seinem Freund Alex. Beat, der bd sport active – Verantwortliche – jener Schweizer Verein dem wir unser Fussballmaterial und Teile unseres Fussballwissens verdanken. Alex, der bd sport active wiederholt finanziell unterstützt hat. Die Beiden haben Tarrafal Ende September besucht.
Natürlich ging es auch in diesen Gesprächen … nein, nicht um Betongüsse, sondern um Fussballschule, Gesamtprojekt und Weltzustandsanalyse.
Es hat sich in den Jahren der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Verein ja doch eine etwas unterschiedliche Vorstellung bezüglich der ‚Fussballschule Tarrafal’ herauskristallisiert. Ganz grob gesagt wurden die folgenden Möglichkeiten diskutiert: entweder man führt die Fussballschule als Beschäftigungsangebot mit sozialem Schwerpunkt oder als Ausbildungsstätte für ProfifussballerInnen.
Auslöser für unsere diesbezüglichen Überlegungen war meist die Mädchengruppe. Bei dieser kann ja von regelmässigem Training keine Rede sein. Die Gruppe löst sich regelmässig auf um sich dann nach ein paar Wochen wieder zu gründen. Sodann erfolgt eine Phase von mindestens 2 Monaten in der ernsthaft trainiert wird. Zwar nie unter Anwesenheit aller Mädchen aber immerhin mit einem Grossteil. Langsam aber stetig wird dieser Grossteil dann zu einem Kleinteil und wenn dann nur mehr 4 Mädchen übrig sind löst sich die Gruppe auf und der Zyklus beginnt von Neuem.
Anders gelagert ist die Sache bei den Buben und Jugendlichen. Da gibt es in jeder Altersklasse einen ‚harten’ Kern von 10 bis 15 Spielern die seit Jahren regelmässig trainieren. Aber auch einem gewissen Anteil an Spielern die aufhören. Wir ersetzen diese dann sofort, weil die Nachfrage immer noch gross ist.
Kurz und gut: so bildet man keine Profifussballer aus. Es ist dies aber Beats Wunsch wenn er denn seinen Wohnsitz von der Schweiz nach Cabo Verde verlegen sollte.
Meine Haltung in dieser Angelegenheit ist seit jeher vielfältig, zwiespältig und sonst noch allerlei -ältig.
Eine Variante schliesse ich vollkommen aus: nämlich die Fussballschule Tarrafal zu einer elitären Einrichtung werden zu lassen, die beinhart nur die talentiertesten Spieler fördert und die anderen höflich aber bestimmt bittet ihrem Wunsch nach Fussballspielen anderswo nachzukommen.
Beat ist auch klar, dass dies hier bei uns nie passieren wird und er wünscht sich das auch nicht. Eine Fussballschule zu führen deren ausschliessliches Ziel es ist Profispieler auszubilden müsste neu gegründet werden. Er überlegt sich diese Variante. Ob und wie er sich entschieden hat, darüber hat er sich bei seinem Tarrafalbesuch nicht geäussert. Der liebe Beat ist ja ein Mann der sich seine Entscheidungen wohl überlegt und abwägt. Womit wir wieder bei diesen verdammten Garantien wären, die verflucht noch mal nicht ausfindig zu machen sind …
Zum sozialen Aspekt einer Fussballschule: der ist unbestritten gross. Kritik die ich diesbezüglich bekomme: auch der soziale Aspekt geht verloren wenn ich keine strengen Anwesenheitslisten führe und Kinder ausschliesse die sich nicht an die Regeln halten. Ich habe zwar schon einigen Kindern die Teilnahme am Training ‚verboten’, aber diese ‚Fälle’ sind sehr selten und haben meist andere Gründe als An- bzw. Abwesenheit.
Es gilt für mich das was wohl immer und überall gilt wenn man jemandem helfen will: ich muss ich ihn dort ‚abholen’ wo er sich gerade befindet. Ich halte es für wenig zielführend Regeln aufzustellen und all jene auszuschliessen die sich nicht daran halten. Dann fange ich ja schon wieder an elitär zu sein. Ich helfe nur jenen die es anscheinend eh schon begriffen haben. Aus Erfahrung kann ich sagen (egal ob aus der Fussballschule oder den diversen Ausbildungen die wir anbieten), dass wenn ich einem der Jugendlichen eine Regel ‚vor die Nase setze’ und ihm einfach sage entweder du parierst oder du gehst … dann geht er. Und wenn er geht – natürlich ist uns das auch schon ‚passiert’ – dann fühle ich mich jedes Mal als Verlierer. Meine Aufgabe ist es den Jugendlichen zu helfen und wenn es mir nicht gelingt weil derjenige einfach nicht mehr kommt, dann habe ich schlicht und einfach versagt. Natürlich könnte ich es mir leicht machen und sagen derjenige wolle sich eben nicht helfen lassen, aber das ist in eine Floskel die gerne als Ausrede verwendet wird. Auch wenn sie von ‚Fall zu Fall’ der Wahrheit entspricht.
Ich möchte an dieser Stelle Kutchinha zitieren. Sie ist seit Beginn in der Fussballschule und auch in der Batucogruppe. Das Zitat stammt aus einem Interview das ich vor ungefähr 2 Monaten mit ihr geführt habe. Das komplette Interview wird übrigens demnächst auf unserer Internetseite veröffentlicht. Bin gerade dabei es zu übersetzen. Neben dem mit Kutchinha sollen dann Weitere folgen. Jenes mit der Delta-Präsidentin Marisa ist auch schon auf Kassette und wartet darauf ins Deutsch übersetzt zu werden …
Also der Auszug aus dem Interview:
Frage: Du weißt, dass wir Trainer der Fussballschule von den Buben und Mädchen verlangen, dass sie an jedem Training teilnehmen. Bei den Mädchen ist das nie der Fall. Was würdest du diesbezüglich tun wenn du das Sagen in der Fussballschule hättest?Kutchinha: „ … ich würde diejenigen die oft fehlen fragen warum sie gefehlt haben. Wenn sie eine glaubwürdige Entschuldigung haben würde ich sie weiter trainieren lassen. Wenn nicht würde ich ihnen sagen, dass sie noch eine Chance haben, aber beim nächsten Mal fehlen … dürfen sie nicht mehr mit trainieren.“

Frage: Du weisst, dass wir eine Kooperation mit einem Schweizer Verein haben. Beat und Daniela. Die Beiden haben uns extrem viel geholfen. Du weisst auch, dass die Beiden nicht zufrieden sind mit der Fussballschule. Auch diese Probleme mit dem Training der Mädchen stört sie. Wie erklärst du ihnen das? Was willst du ihnen diesbezüglich sagen?

Kutchinha:
„Ich erkläre ihnen, dass die Mädchen hier nicht soviel Zeit haben und ich sage ihnen dass sie mehr Geduld haben müssen. Sie müssen toleranter sein, weil hier ist Sport betreiben für Mädchen schwierig. Wir müssen uns die Zeit irgendwie frei machen. Oft passiert es, dass unsere Mütter uns auftragen das Essen zu kochen. Wenn dann um 4 Uhr Training ist müssen wir halt schauen, dass wir vorher kochen. Aber immer geht sich das nicht aus. Wir kommen ja erst um halb 2 von der Schule nach Hause. Und lernen müssen wir auch … Beat und Daniela kennen das Leben hier halt nicht … darum sagen und machen sie so. Aber ich bitte sie um mehr Toleranz …“

Ich selbst, als Projektleiterchen und langjähriges Trainerchen der Mädchen, habe natürlich auch meine Probleme mit dieser Unregelmässigkeit … es ist keinesfalls so, dass ich diesbezüglich nicht versuche gegenzusteuern.

Schon lange vor dem Gespräch mit Patriki und Kutchinha habe ich mir natürlich den Kopf darüber zerbrochen was ich mit der Fussballschule eigentlich will. Will ich Profispieler ausbilden? Will ich Beschäftigung bieten? …
Heute weiss ich genau was ich will: Beides! Und zusätzlich noch 2014 Fussballweltmeister mit Cabo Verde werden.
Dass es nicht möglich ist der sozialen Komponente einer Fussballschule ausreichend Raum zu schenken und gleichzeitig Spieler auszubilden muss erst bewiesen werden … nein, andersrum: in ein paar Jahren werde ich den Beweis angetreten haben, dass es möglich ist! Schliesslich gelingt es Spielern aus Tarrafal immer wieder bei portugiesischen Klubs unterzukommen. Spieler die nie in irgendeiner Fussballschule waren … aber das Ganze ist ein extrem heikles Thema … mit ganz vielen Aspekten.
Einen möchte ich noch ins Rennen bringen: wenn ich in Europa einen Jugendlichen in einer Fussballschule habe, dann kann ich ihm sagen ich will ihn zum Profispieler ausbilden. Dass ich ihm keine Garantie geben kann ist klar. Aber wenn es ihm nicht gelingt, dann hat er 400 andere Möglichkeiten. Er kann im Fussball bleiben, die Trainerausbildung bei einem Verband durchlaufen oder sonst was. Er kann den Fussball aber auch ganz verlassen, ein Studium seiner Wahl absolvieren, oder einfach eine andere Arbeit beginnen …
Hier in Cabo Verde ist das anders. Wenn ich einem Jugendlichen anbiete ich bilde ihn zum Profispieler aus dann wecke ich enorme Hoffnungen und wenn sich diese dann nicht erfüllen … ist diese einzige Chance auf die er gesetzt hat dahin. Alternativen hat er dann kaum eine …
Hier im Zentrum könnte ich ihm vielleicht noch eine andere Ausbildung anbieten. Aber was, wenn diese Ausbildungen nicht seinen Interessen und Talenten entsprechen? So wie im Fall von Patriki. Er will Psychologie studieren. Diese Studium bieten wir derweil noch nicht an …
Kurz gesagt: ich habe definitiv Hemmungen den Jugendlichen hier etwas in der Art zu versprechen. Oder ihnen in Aussicht zu stellen. Ich habe das Gefühl, dass wenn ich es mache, dann übernehme ich eine Verantwortung, die ich schlicht und einfach nicht tragen kann. Den 15 Lehrlingen der Schreinerei und den 10 aus der Schneiderei kann ich sagen ich helfe ihnen solange bis sie sich in ihrem Beruf etabliert haben. Ich kann ihnen helfen eine Arbeitsstelle zu finden oder einen eigenen Betrieb aufzubauen. Etwas was wir übrigens ab März 2007 – wenn die Ausbildungen enden – auch machen werden. Aber den 150 Buben und Mädchen der Fussballschule kann ich nicht versprechen ich helfe ihnen bis sie es geschafft haben!!?? Ich kann auch nicht dem einen sagen ich bilde ihn zum Spieler aus und helfe ihm bis er einen Verein in Europa gefunden hat und dem Anderen bei dem ich Zweifel habe ob er es schaffen kann sage ich was anderes …
Das Alles ist ein ‚gefährliches Spiel’. Und es geht um die Zukunft und das Leben von Jugendlichen und nicht um irgendwelche materiellen Einsätze.
Eine Tatsache, die aus mir unerfindlichen Gründen immer wieder erwähnt werden muss!!!! Wir reden da von Menschen!
Daher fällt es mir bis heute unglaublich schwer mich auch in meiner Jugendarbeit mit ‚messbaren Erfolgen’, ‚Kosten-Nutzen-Rechnungen’ etc. zu beschäftigen.
Das mit den Euros und den Menschenleben ist nämlich etwas schwierig. Amerikanische Wissenschaftler haben ja bekanntlich soeben herausgefunden, dass ein Menschenleben 253,27 € Wert ist. Andererseits hat eine maltesische Untergrundorganisation vor nicht langer Zeit eine Studie veröffentlicht die diesbezüglich von 3333,33 € spricht. Ich selbst, mit meinem übergrossen sozialromantischen Herzen, halte da natürlich den Maltesern die Daumen …
Und dann haben ungarische Physiker gerade ein Messgerät entwickelt, dass den Werdegang eines Menschen mit Fussballschule und eines Menschen ohne Fussballschule im Voraus berechnen kann. Die Ergebnisse haben teilweise ganz verkehrte Ergebnisse gebracht. So wird der Mensch der eine Fussballschule besucht hat zu 90% zweifacher Vater, der ohne Fussballschule 11-facher??!! Was bitte, ist da passiert?
Im Weiteren wurde auch gemessen was mit einem Menschen passiert der in einer Fussballschule war die strenge Anwesenheitslisten geführt hat und einem Menschen der noch nie von Anwesenheitslisten gehört hat. Das Ergebnis: die einen schaffen Einiges manchmal die anderen schaffen manchmal Anderes. Kein vielsagendes Ergebnis, aber ich vertraue den Ungarn, dass sie ihr Messgerät noch verbessern.

Und in der Ganzwirklichkeit versuche ich mit den vorhandenen Mitteln möglichst vielen Menschen zu helfen ohne dabei herumzurechnen. Natürlich verfalle auch ich oft in Diskussionen und Überlegungen über die ‚Erfolge’ die ich in der Jugendarbeit erreicht habe und ich will mit meinen obigen Ausführungen auch niemandem auf den Schlips treten. Ich finde nur man muss vorsichtig sein bei solchen Denkspielen und sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass man von Menschenleben spricht bzw. mit Menschen arbeitet. Und ich zweifele an der Existenz von Patentrezepten bezüglich den ‚Hilfsmethoden’. Gott behüte, dass es die jemals geben wird. Weil wenn, dann erst wenn wir alle gleich gestrickt sind. Und das wir dann höllisch fad. Sinnvoller wäre es wohl, die vielfältigen Strickmuster zu akzeptieren und zu schauen dass keine Laufmaschen entstehen??!!!!!

Viele Seiten, voll mit philosophischen Kinkerlitzchen. Als ob’s nichts Wichtigeres gäbe.?!
Gibt es natürlich schon!
So z.B. unseren Lehmofen. Er ist endlich, endlich eingeweiht!!!!!! Eine weitere unendliche Geschichte findet damit ihren erfreulichen Abschluss … einen Abschluss der gleichzeitig ein Startschuss ist. Weil jetzt werden Fliesen produziert, Ton ‚hergestellt’ und zu den unglaublichsten Dingen verformt und All das landet dann in unserem Gas-Sägespänne-Lehmofen und wird dort auf über 900° erhitzt. Aber der Reihe nach. Es war im Jänner des Jahres als uns Maria und Martin (http://www.midgard-fliesen.at), die zwei Keramikspezialisten aus Österreich zum zweitenmal besucht haben. Sie haben uns einen grossen Lehmofen gebaut der mit Gas und Sägespännen beheizt werden sollte. Leider kam es während ihrem Aufenthalt zu keiner Einweihung weil sich der Wind als zu störend herausgestellt hat. Auch gab es Probleme mit dem Gasanschluss. Die benötigten grossen Gasflaschen gab es nicht ‚einfach so’. Dazu musst die Gasgesellschaft erst überzeugt werden uns hierfür einen Vertrag zu geben.Das mit dem Wind war relativ einfach zu lösen. Wir haben einfach eine Windschutzmauer aus Lehm rund um den Ofen gebaut. Aber die Gasgesellschaft hat uns ordentlich genervt. Sie sind nicht und nicht dahergekommen um sich ein Bild der Lage zu machen.
Als es dann endlich soweit war hat der Typ mich für wahnsinnig gehalten oder geglaubt ich halte ihn zum Narren … er hat sich auf alle Fälle geweigert uns einen Gasanschluss zu genehmigen. Wir sind der Gasgesellschaft weiter auf die Nerven gegangen bis sie einen Menschen vorbeigeschickt haben dessen Brett vorm Kopf einen ganz klitzekleinen Schlitz gehabt hat. Immer hin Schlitz genug um einen Blick auf den Horizont zu genehmigen. Er hat uns versprochen einen Spezialisten vorbeizuschicken der sich die Sache anschauen wird … das hat er auch gemacht. Allerdings kam die Spezialist erst nach weiteren 2 Monaten … Sodann mussten wir eine kleine Hütte aus Betonstein errichten in der die Gasflaschen gelagert werden sollten. Als das dann endlich gemacht war haben wir doch tatsächlich den Anschluss bekommen.
Mitte September sind wir dann zur Heiztat geschritten. Der Ofen wird von 6 Gasbrennern beheizt und hat 4 Öffnungen in die man Sägespäne werfen kann. Um 9 Uhr Vormittags haben wir begonnen. Nene und Tchipai sind am Ofen gesessen und haben fleissig Sägespäne geworfen. Dazu sei gesagt, dass sich der Ofen derzeit unter einer Plane befindet. Vonwegen Regen. Nur der Kamin schaut raus. Und unter dieser Plane ist es heisser als in einer Sauna. Dazu dann der Ofen der langsam aber stetig seine Temperatur gesteigert hat. Also ich habe die Beiden nicht beneidet. Schweissgebadet sind sie da gesessen und haben gehofft, dass der Ofen in wenigen Stunden die benötigten 900° erreicht. Wir haben ja jetzt die Möglichkeit mit unserem Superthermometer – einer Spende von Maria und Martin – die Temperatur im Ofen zu messen. Hierfür hat der Ofen zwei ganz kleine Löcher – eines links das andere rechts – in die der Messstab des Thermometers gesteckt werden kann. Ein Display sagt einem dann wie heiss es da drinnen ist.
Im Laufe des Tages bin ich immer wieder zum Ofen und habe die Temperatur gemessen. Sie ist zwar stetig gestiegen aber viel langsamer als erhofft. Ich habe meine Besuche dazu genutzt die ‚Heizer’ – inzwischen waren es 4 – lange Vorträge darüber zu halten wie die Menschen in Europa viel Geld dafür ausgeben um so zu schwitzen wie sie es gerade tun. Ich habe ihnen die genauen Stoffwechselvorgänge während des Schwitzens erläutert und ihnen ein langes Leben garantiert wenn sie es noch acht Stunden lang aushalten die von ihrem Schweiss inzwischen tropfnassen Sägespäne in den Ofen zu werfen. Das hat sie natürlich alles wahnsinnig motiviert und sie haben sich kein bisschen beschwert. Um 4 Uhr am Nachmittag kam der Erste der Heizer in mein Büro und hat mir mitgeteilt ich könne ihn gerne entlassen, aber er halte diese Arbeit nicht mehr aus. Mein Hinweis das koste ihn jetzt mindestens 2 Jahre seines Lebens weil er noch lange nicht alles rausgeschwitzt hat, konnte ihn nicht umstimmen.
Um halb 5 kam der zweite Heizer in mein Büro. Er hat zwar nicht darauf bestanden die Arbeit zu beenden, aber sein Hitzausschlag am Bauch hat doch mein Mitleid erregt und ich habe ihm gestattet duschen zu gehen. Danach war er so erfrischt, dass er mir hemmungslos erklärt hat ich könne ihn gerne rausschmeissen aber er halte diese Arbeit jetzt nicht mehr aus und er wolle garnicht 100 Jahre alt werden.
Nach meinem Training um 6 Uhr Abends habe ich mich also selbst an den Ofen gesetzt und habe Sägespäne geschmissen. In den 10 Minuten am Ofen habe ich einen ganz unglaublichen Stolz auf Nene und Tchipai entwickelt. Die Beiden sind ja seit der Früh in dieser Hitze gesessen. Wenn auch mit Pausen. Aber ich habe es tatsächlich nie länger als 10 Minuten ausgehalten. Dann musste ich an die frische Luft.

Während die Temperatur im Ofen immer langsamer gestiegen ist (links waren wir auf 820°, rechts auf 770°) haben wir ein ganz phantastisches Phänomen entdeckt. Die Fliesen am Ofenboden – man konnte sie durch die Heizöffnungen sehen – haben begonnen zu schmelzen … da ich ja inzwischen ein Lehmofenfachmännchen bin habe ich sofort gewusst was das bedeutet: am Ofenboden muss es bereits über 1000°!!!!!! haben. Weil vorher lässt sich Lehm nicht dazu bringen zu schmelzen.Es hat auf alle Fälle ganz toll ausgesehen. Auch nach dem Auskühlen haben diese geschmolzenen Fliesen etwas für sich … sie haben eine leicht lila Färbung und sind wirklich steinhart!!
Um 10 Uhr Abends haben wir dann unseren ersten Brennversuch im neuen Ofen abgebrochen. Die Temperatur war zwar nicht überall im Ofen auf 900°, aber ich wollte einmal die Meinung unserer Spezialisten aus Österreich einholen … und der liebe Martin hat am nächsten Tag sehr erfreut auf meine Schilderungen geantwortet. Das ‚Problem’ sei es jetzt nur die richtige Art und Weise zu finden den Ofen einzuräumen. Das er grundsätzlich ‚funktioniert’ haben wir mit den 1100° wohl bewiesen.
Also kann es jetzt so richtig losgehen mit unserer Fliesenproduktion. Nene und Tchipai sind aber nächster Woche nur noch damit beschäftigt. Und im Dezember wird einer meiner Deutschschüler, der auch jetzt schon oft bei unserem Lehmprojekt hilft, für 3 Monate zu Maria und Martin nach Österreich gehen um dort Alles!!!! über Fliesenproduktion zu lernen.
Wenn er dann zurück ist und es mir beigebracht hat werde ich ihn entlassen, mein Projektleiterchendasein an den Nagel hängen und gross ins caboverdeanische Fliesengeschäft einsteigen. Ich möchte Fliesenmogulchen werden. Dann können mir die Jugendlichen mit ihren verdammten Zukunftsperspektiven gestohlen werden … und was ist das bitte für ein Projektleiterchen das derartige Sprüche loslässt??!! Das wird noch mal ins Auge gehen … schliesslich lesen ja nicht nur Menschen die mich kennen diese Berichte?! Und was werden die sich wohl denken wenn ich von ‚verdammten Zukunftsperspektiven’ rede?
Meine diesbezügliche Stellungnahme und Hoffnung: Ziel dieser Berichte war es immer, die Stimmung im Projekt und der beteiligten Menschen zu beschreiben. Auch wenn diese schlecht war oder ist. Und ein Projektleiter der sich nur –chen nennt und über blöde Zukunftsperspektiven referiert gehört eben auch dazu. Und all die Schwierigkeiten mit den Dächern, der Streit mit unserem deutschen Kooperationspartner, die monatelange Verzögerung des Terracottaprojektes …
Es gibt viele Menschen die mir dazu raten solche Dinge unerwähnt zu lassen, vonwegen ‚schlechtem Bild’ oder so. Aber ich habe mich bisher nicht dazu hinreissen lassen, weil ich der Meinung bin, dass trockene Tatsachenberichte so richtig überhaupt nichts über ein Projekt, über die Menschen die es betreiben, etc. aussagen. UND: ich habe nichts zu verbergen und vor allem halte ich nichts von Schönfärberei (das Weglassen von Schwierigkeiten und Streitereien ‚färbt’ ja auch schon!) … der Satz der gerade eben noch hier gestanden ist, den habe ich einfach weggelöscht. Der war viel zu umständlich aufgebaut und hat nicht sonderlich viel Aussagekraft besessen …

Ich komme jetzt zu einem Teil des Berichtes den ich eigentlich an den Beginn setzen wollte. Aber dann sind mir einige Seiten mit anderen Gedanken dazwischen gekommen. Ich kann jetzt nur hoffen, dass es ein paar Leser gibt die sich bis zu dieser Stelle durchgekämpft haben. Weil das was jetzt folgt ist äussert ernst und wichtig. Und was ist heutzutage das Einzige was wirklich ernst und wichtig ist? Das Geld!!!
Wirklich, wirklich wichtig und ernst ist das Geld aber nur dann wenn man es nicht hat! Es ist schon auch ernst wenn man es hat, aber wenigstens kann man dann lustige Sachen damit machen!
Was denn also das liebe Geld betrifft, befinden wir uns derzeit in einer etwas kritischen Phase. Und bevor aus der kritischen eine bedrohliche Phase wird, wähle ich als eine der Massnahmen das Bitten und Betteln. Das innige Bitten um eine Spende für das ‚Kinder- und Jugendzentrum’. Alle die mich kennen wissen, dass ich das wirklich nicht gerne mache und nur dann, wenn wirklich Not am Mann ist. Wobei ‚Not am Mann’ ein Ausdruck ist der aus sämtlichen Monatsberichten dieser Welt ersatzlos gestrichen werden sollte. Weil was soll das heissen? Not am Mann? Was ist dann mit der Not der Frauen? Können nur wir Männer in Not sein? Oder müssen wir Männer die Nöte der Frauen übernehmen? Als ob wir nicht schon selbst genug hätten?! Und was soll in Bezug auf Not die Trennung zwischen Mann und Frau? … Also: ich lanciere derartige Spendenaufrufe wirklich nur dann wenn Not am Menschen ist. Ausserdem bin ich stolz das Wort ‚lancieren’ in meinem Wortschatz zu haben und es auf Anhieb richtig geschrieben zu haben. Schön blöd wäre jemand der lancieren mit ‚z’ schreibt. Lanzieren. Das hat ja nichts mit Lanzen zu tun. Sind wir verdammte Ritter oder was?
Aber abgesehen von Raubrittertum, unsere Finanzlage ist derzeit wirklich nicht rosig. Ich denke mir, dass sich ein potenzieller Spender diesbezüglich zwei Fragen stellt: ‚wie konnte es zu dieser Notsituation kommen?’ und ‚was unternimmt Delta Cultura, dass dies in Zukunft nicht dauernd passiert?’.
Es sind dies zwar sehr komplexe Fragen, aber ich will versuchen sie auf meine kurze und prägnante Weise zu beantworten.
Bezüglich ‚wie konnte es dazu kommen’:
Dazu sei erklärt, dass Delta Cultura ‚dazu verpflichtet’ ist einen Eigenanteil in das Projekt einzubringen. Sprich, an jenen ‚Teilen’ des Projektes die vom deutschen Ministerium und dem ASB finanziert werden muss sich Delta Cultura mit 15% beteiligen. Von Dezember 2004 bis heute hat Delta Cultura ca. 30.000 € Eigenanteil eingebracht. Und ‚nebenbei’ noch jene Teile des Projektes finanziert die nicht Teil der Förderung sind (Fussballschule, Terracotta-Produktion, Alphabetisierung Strassenkinder).
Im Jahr 2006 muss Delta Cultura ca. 12.000 € ins Projekt einbringen. Hat bisher aber erst ca. 2000 € beigetragen. Und das Jahr geht seinem Ende entgegen. Wir MÜSSEN also jetzt unseren Beitrag leisten sonst hat das Projekt kein Geld mehr …
Es ist natürlich nicht so, dass Delta Cultura im gesamten Jahr 2006 nur 2000 € an Spenden lukriert hat. Nur ist der Grossteil leider in die Dachsanierung ‚geflossen’ (ca. 12.000 €). Und dass die Sache mit der Dachsanierung nicht gerade erfreulich verlaufen ist, das wissen aufmerksame Monatsberichtleser ja schon. ‚Differenzen’ mit einem Kooperationspartner haben zu Verzögerungen geführt. Durch den dadurch entstandenen Zeitdruck haben sich leider auch die Kosten erhöht. Wie das halt so ist: wenn man etwas schnell, schnell über die Bühne bringen muss, verursacht das Mehrkosten. Auch war der besagte Kooperationspartner leider nicht in der Lage sich wie erhofft an der Finanzierung zu beteiligen.
So ist uns die Dachsanierung zwar (eine Woche vor dem ersten Regen!!!) geglückt, mit den ‚Nachwirkungen’ (Geldknappheit) haben wir aber bis heute zu kämpfen. Daher also diese Bitte um Spenden.

Bezüglich ‚welche Massnahmen setzt Delta Cultura, um derartige Notsituationen in Zukunft zu vermeiden’:
Sehr eindrücklich haben wir die Bedeutung von schriftlichen Abkommen und Regelungen kennen gelernt. Auch mit Kooperationspartnern im Entwicklungszusammenarbeitsbereich. Einfach alles vorher in Ruhe schriftlich regeln, dann gibt es im Nachhineinen keine Streit. Oder wenn es einen gibt, kann man sich auf die schriftlich festgehaltenen sachlichen Inhalte besinnen und die persönlichen Differenzen entweder beibehalten oder auf den Mond schiessen. Je nachdem wie einem gerade zumute ist. Aber die Sache selbst kann dann nicht darunter leiden.
Was die langfristige Finanzierung des Zentrums betrifft befinden wir uns derzeit in einer entscheidenden Phase. Im März 2007 endet die Förderung des deutschen Ministeriums und des ASB. Bis dahin muss Delta Cultura noch die oben erwähnten 10.000 € bis Ende 2006 einbringen und dann bis März 2007 nochmals etwa 2000 €.
Für die Zeit nach März 2007 hat Delta Cultura bereits das inhaltliche Konzept, sowie die Kosten- und Finanzpläne erstellt. Dieses Konzept befindet sich derzeit in Überarbeitung bei der Gemeinde Tarrafal, beim caboverdeanischen Institut für professionelle Ausbildung, bei unserem Kooperationspartner ASB sowie bei ein paar ausgesuchten ‚Spezialisten’. Delta Cultura will die Meinungen dieser Stellen und Menschen einholen, das Konzept gegebenenfalls nach deren Ideen und Anregungen ergänzen und/oder ändern und dann damit an die ‚breite Öffentlichkeit’ gehen. Natürlich wird es auch auf unserer Internetseite veröffentlicht werden.
Bezüglich Finanzierung sei soviel gesagt: der Eigenanteil von Delta Cultura am Gesamtprojekt ist mit 20.000 € jährlich angesetzt. Das ist eine Summe die in etwa den bisherigen jährlichen ‚Einnahmen’ (Amen) des Vereins entsprechen.
Mündlich zugesagt, aber noch nicht schriftlich bestätigt, ist der ‚Einstieg’ der Gemeinde Tarrafal mit ungefähr der gleichen Summe. Damit wären die Betriebskosten des Zentrums finanziert. Also die Gehälter der Projektleitung, Strom, Wasser, Betriebskosten Fahrzeug , etc. und auch die Gehaltskosten einer Psychologin. Somit wäre ein Fortbestand des Zentrums garantiert. Weil wenn die Projektleitung arbeitet kann immer nach Finanzierung für die professionellen Ausbildungen, etc. gesucht werden. Weiters besteht bereits ein Vertrag mit dem caboverdeanischen DGAE (Institut für Alphabetisierung), die die Gehaltskosten für die Lehrer im Bereich der Grundbildung übernehmen. Egal wie viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene wir für diese Grundbildung ‚gewinnen’ können, das DGAE übernimmt die Kosten für die Lehrer und das Lehrmaterial.
Mit der praktisch gesicherten Finanzierung der Betriebskosten ist aber auch der Fortbestand weitere Angebote garantiert: Fussballschule, Workshops, psychologische Beratung, Hilfe für die Jugendlichen die im März ihre Ausbildung abschliessen (Suche eines Arbeitsplatzes, Gründung eines Betriebes, etc.).
Mehr dazu aber im nächsten Monatsbericht. Zurück zu den Massnahmen die Delta Cultura setzt um Notsituationen wie die Momentane zu vermeiden: Delta Cultura – Österreich hat jetzt eine Angestellte (Johanna Lauber, von der im letzten Bericht schon die Rede war). Sie studiert ‚Internationale Entwicklung’ und setzt sich seit Anfang Oktober auch für die Entwicklung von Delta Cultura ein. Einen Tag und eine Nacht pro Woche.
Weiters ist gerade Delta Cultura – Deutschland im Entstehen. Schliesslich haben wir auch in diesem schönen Land viele Helfer und Förderer, die sich eine eigene Plattform ‚verdient’ haben.
Lang Red, kurz Sinn: Delta Cultura hat aus der Not gelernt! Ist ständig bemüht das Fundraising in Österreich und Deutschland zu verbessern und setzt sich keine unlösbaren Ziele (20.000 € pro Jahr ist ‚machbar’).
Also abschliessend: alle ‚Delta Cultura Menschen’, alle Kinder und Jugendliche Tarrafals, bitten höflichst und inständigst um finanzielle Unterstützung für unser Zentrum. Im Namen Aller möchte ich mich schon im Voraus bei all Jenen bedanken die unserem Aufruf folgen und einen kleinen/grossen Beitrag leisten!
Vielleicht nochmals unsere Bankverbindung in Österreich. Dort sammeln wir ja Spenden aus Europa und überweisen dann hierher oder geben es vertrauenswürdigen Caboverde-Reisenden mit (um Überweisungsgebühren zu sparen – was sollen die verfluchten Banken an unseren Bemühungen verdienen??!!):

BAWAG (das ist diese skandalöse Bank!!??)
Delta Culture – Verein für interkulturelle Kommunikation
Kontonummer: 03010 – 666 – 936
Bankleitzahl: 14000
BIC: BAWAATWW
IBAN: AT121400003010666936

So, jetzt ist es also raus … das Wichtige und das Ernste. Das Geld. Das Fehlende.
Ich kann mich wieder dem Genausowichtigem und dem Lustigen widmen. Lustig ist zum Beispiel, dass dieser Bericht jetzt schon 10 Seiten hat und ich noch nichts über den Musikworkshop, das Fussballturnier, die Neuorganisation der Projektleitung, den erneuten Wechsel der Informatikausbilderin, den Streit zwischen den beiden Schneiderausbilderinnen (nein der war ja erst vor ein paar Tagen, also im Oktober), den Beginn einer Kooperation mit einem amerikanischen Verein und über unsere Veranstaltungen ‚Jugend und Verliebtsein’ sowie ‚Allgemeines zur professionellen Ausbildung’, erzählt habe.
Aber keine Angst. Ich werde das in diesem Bericht auch nicht mehr tun. Wieder einmal habe ich nur ein paar Details unseres Zentrumdaseins und meiner Gedanken zu unserer Arbeit ‚herausgepickt’ und hoffe damit unterhalten zu haben. Wer wirklich Alles über das Zentrum wissen will der kann sich ja auf unserer Internetseite informieren. Und wer wirklich Alles, Alles wissen will muss sowieso herkommen. Auch noch so prägnante Berichte können nicht vermitteln wie das denn Alles wirklich ist!!??

Ich schliesse diesen Bericht und mache ihn ‚rund’ indem ich nochmals auf das eingangs erwähnte Gespräch mit Patriki zurück komme. Jene Leser mit photographischem Gedächtnis werden sich erinnern, dass ich gesagt habe er wird sich kommenden Montag entscheiden ob er bleibt oder geht. Heute ist dieser kommende Montag und Patriki hat seine Entscheidung bekannt gegeben. Zwar nicht bei unserer wöchentlichen Versammlung – das war ihm denn doch zu peinlich – sondern still und heimlich unter vier Augen in meinem Büro. Und? … Wie hat er sich entschieden? … Es würde mich jetzt interessieren auf was die Mehrheit der Leser tippt??!! …
Wir könnten ja folgendes machen: jeder Leser gibt sogleich seinen Tipp ab und alle die richtig geraten haben überweisen uns morgen 5 €. Alle die falsch getippt haben aber, ja – die überweisen uns morgen 50 €! Und wenn das Spielchen gut funktioniert machen wir in Zukunft jeden Monat sowas??!!!
Bevor ich denn also Patrikis Entscheidung bekannt gebe, möchte ich dem werten Leser noch etwas Zeit geben zu überlegen … und fülle diese Pause mit zwei eindrucksvollen Photos von einer Werkausstellung die Schreiner und Schneiderinnen dieser Tage im kurzfristig umfunktionierten Unterrichtsraum gemacht haben. Sämtliche Möbelstücke, Polster, Decken, etc. sind hier im Zentrum hergestellt worden!
Das also war der September … und Patriki hat sich entschieden ein weiteres Jahr bei uns zu bleiben!!

Dank, Gruss und deus ku njos,

das Projektleiterchen

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