Monatsbericht aus Tarrafal

Erstmals in den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Projektleiterchen …

So hat mein Monatsbericht September 07 begonnen. Dann ist mir leider was dazwischengekommen und erst heute, im Dezember 07, finde ich die Zeit weiter zu schreiben. Inzwischen habe ich natürlich keine Ahnung mehr was ich damals erzählen wollte. Da ich mir aber sowieso immer schon schwer tue mit Einleitungen bin ich verleitet diesen Anfang trotzdem zu verwenden. Nichts leichter als irgendwas zu finden was ich in den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Projektleiterchen erstmals getan, gedacht, gesungen oder erfunden habe.
… erstmals habe ich ein Kinder- und Jugendzentrum ohne Finanzierung aus Deutschland geleitet.
… erstmals ist mir bewusst geworden, welch grossen Anteil am Erfolg unserer Arbeit meine Monatsberichte (gehabt) haben … ich muss mir verflucht noch mal die Zeit nehmen wieder regelmässiger zu schreiben.
… erstmals ist es mir gelungen ein Lied zu singen und dabei einen Ton zu treffen.
… erstmals habe ich mir gedacht ‚2008 wird alles (noch?) besser’ … aber das muss mir erst jemand beweisen.

Und ausserdem bin ich mir erstmals unsicher was ich alles in diesen Bericht fassen soll. Weil Monatsbericht habe ich ihn nach diesem turbulenten Monatsjahr ja nicht mehr nennen können. Also einfach ‚Bericht’. Aber die Jahreszeit schreit förmlich nach einem Jahresbericht … man stellle sich aber einen Jahrebericht eines Projektleiterchens wie mir vor … 100 Seiten? 200? … das kann ich ja Niemandem antun.
Ich belasse es also bei dem ‚Bericht aus Tarrafal’ und jeder Leser darf sich dann aussuchen um was für einen Bericht genau es sich gehandelt hat. Ich bin ja auch heimlich versucht einen Psychobericht aus Tarrafal zu verfassen … oder einen fiesen Hintergrundbericht (wieso fies?) …

Also das Ganze was so:
Im Jänner, Februar und März des Jahres war der Geldsegen aus Deutschland noch reichlich und das Projektleiterchen hat eh noch brav regelmässig berichtet. Dann kam der April und dann der Mai … aber das tut herzlich wenig zur Sache.
Was ich zu den, dem Geldsegen folgenden Monaten, mit Bestimmtheit sagen kann ist, dass die Arbeit ständig mehr und mehr und leider auch mühsamer geworden ist. ‚Mühsamer’ weil natürlich jede Arbeit die ständig mehr wird diese Eigenschaft inne hat, aber vielmehr weil ich als Projektleiterchen mit Dingen beschäftigt war und bin, die noch weniger ‚direkt helfen’. Und was bitte soll das jetzt wieder heissen?
Beispiel: wenn ich Stunden, Tage, Monate damit verbringen muss die Finanzierung für den Strom, das Telefon und sonstige Grundlagen für den Betrieb des Zentrums aufzutreiben, dann hilft das dem Jugendlichen aus Tarrafal der keine Zukunftsperspektiven hat herzlich Wenig. Und es ist eigentlich hauptsächlich diese Tatsache die mich hin und wieder verzweifeln lässt. Nicht ‚handtuchschmeiss-verzweifel’ sondern ‚zumheulen-verzweifel’. Und leider wird aus diesem Verzweifeln manchmal auch ein Zweifeln. Kein ‚an der Sinnhaftigkeit der Arbeit oder des Zentrums – Zweifel’ sondern ein ‚bin ich da eigentlich auf der Welt auf die ich immer wollte – Zweifel’. Und es braucht mir gar Niemand kommen mit ‚es gibt nur diese eine Welt’. Schon eher würde ich hören auf ‚aber auf dieser Welt bist du nun mal’. Auf das würde ich hören weil ich das nicht wiederlegen kann (bis ich es dann eins Tages doch kann?!).
Das Ganze geht jetzt schon sehr in Richtung ‚fieser Hintergrundbericht’. Gell? Die fiesen Stimmungen des Projektleiterchens in seinen täglichen Finanzierungs- und Hilfsturbulenzen.
Was ich schlicht und einfach zu schildern versuche sind meine Gedanken zu unserem Thema 2007: wie finanziere ich ein Kinder- und Jugendzentrum in Tarrafal ohne Hilfe von öffentlichen Stellen. Weil diese Stellen waren auch 2007 irrsinnig öffentlich und eventuell wahnsinnig bemüht, aber helfen wollten sie uns nicht.
Allerdings ist das verflucht positiv. Schliesslich arbeiten wir an einer langfristigen Finanzierung des Zentrums und nicht an einer vorübergehenden Hilfestellung bei der ein unnötig grosser Anteil der Finanzierung in blödsinnige Taschen und unsinnige Aktivitäten fliest. Und ich möchte nicht, dass jetzt jemand fragt was das denn schon wieder heissen soll. Das muss man ja nicht immer fragen … vor allem nicht wenn es aus der Feder (‚aus der Tastatur’ würde zu scheusslich klingen) eines Projektleiterchens kommt, das seit 5 Jahren intensivst auf diesem Gebiet arbeitet, forscht, horcht, liest und fühlt. Ich weiss ich bin ein Angeber – sogar ein blöder – aber auch die allerblödesten Angeber müssen manchmal angehört werden.
Daher gleich weiter zu meinen Angeberthesen die ich verflucht noch mal auch in Wittenberg anschlagen würde. Mir egal ob es 95 sind oder nicht:
Delta Cultura ist cool!
Delta Cultura ist einzigartig.
Delta Cultura ist unabhängig.
Delta Cultura ist keine Entwicklungshilfeorganisation im herkömmlichen Sinn!
Delta Cultura arbeitet ausschliesslich aus Liebe zu den Menschen.
Und das schlage ich an bis mir jemand einen Verein zeigt der mit so geringen finanziellen Mitteln wie wir genau soviel auf die Beine stellt! Und bis mir jemand ein aktives Vereinsfunktionärchen zeigt, dass sich bei seinem Lebensmittelhändler verschulden muss um zu einem Abendessen zu kommen (wir haben dieser Funktionärchens hier in Tarrafal gleich vier!).
Das todtraurige an der Sache ist, dass uns das nicht so schnell jemand glaubt. Das ist vielen Menschen zu unglaubwürdig, zu unrealistisch. „Man kann doch nicht einfach arbeiten wenn die eigene Existenz nicht gesichert ist!“ … Man kann es vielleicht nicht, aber Delta Cultura kann das. Marisa, Fu, Jenny und ich wir können das. Wir tun das seit Jahren. Mit Erfolg.
Natürlich sind das nicht nur wir die das ermöglichen. Das gibt es noch ganz viele liebe Menschen die auf unterschiedlichste Weise beitragen: Liz, Ariane, Rupert, Anna, Kris, Daniel, Hanna, Petra … und wie sie Alle heissen.
Ich sag’s euch: Delta Cultura ist cool! Der Geist der uns treibt und Erfolg beschert ist ein ganz Besonderer! Ich weiss das, hänge es aber nur ab und zu in gewissen Berichten an die grosse Glocke.

Keine Angst ich erzähle dann schon auch noch was sich hier konkret so abgespielt hat in den letzten Monaten. Aber in den Genuss dieser Schilderungen kommen nur jene Leser die sich durch meine Angeberthesen lesen.
Die sind eh schon fast fertig. Verlangen aber noch nach einem Angebervergleich:
Unsummen an Förder- und Spendengeldern werden ständig auf der Welt herumtransferiert. Das freut zuallererst einmal die Banken, die so tun als bräuchte es 7 Tage um Geld von der ersten in die dritte Welt zu schicken (jeder Marathonläufer wäre schneller!?), sodann freut sich die Consultingfirma die – mit hohen Reisekosten verbundene – Studien durchführen darf. Sodann freuen sich Arbeitnehmer der Hilfsorganisationen in der ersten Welt, die einen coolen Job haben bei dem sie sagen können sie tun Gutes, dann freuen sich Taschen die gar nicht zur Teilnahme an dieser Freude vorgesehen waren, es folgen die Arbeitnehmer in der dritten Welt für die die Hilfs- oder Sozialarbeit oft die einzige Möglichkeit ist ein halbwegs ordentliches Gehalt zu verdienen und sollte dann noch was übrigbleiben kann man ja immer noch in Armut lebenden Menschen helfen. Eines bin ich mir sicher: nicht einmal diese verkotzten Millenniumsziele werden erreicht werden wenn das so weitergeht. Entwicklungshilfe ist und bleibt eine extrem verlogene Wirtschaftsangelegenheit.
Es tut mir echt herzlich Leid, aber ich muss betonen, dass Delta Cultura, das Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal vollkommen anders sind. Ich kenne (ohne Übertreibung) kein einzig vergleichbares Projekt. (Ich bin mir sicher es gibt es, aber ich kenne es leider nicht.)
Ich kenne inzwischen ja doch ziemlich viele Projekte.
Ich kenne ein riesiges Radioprojekt das den Jugendlichen Tarrafals helfen soll. Die komplette Ausstattung verstaubt seit einem Jahr irgendwo. Die Rechner die für die Realisierung zur Verfügung gestellt wurden werden inzwischen von einem Privatunternehmen fleissig genutzt. Die bereits finanzierten Ausbildungen bekommen vielleicht irgendwelche Jugendlichen, aber keine aus Tarrafal. Verarschen lässt sich dabei die UNESCO. Ob sie es weiss oder nicht weiss ich nicht.
Ich kenne unzählige Vereine die bereits erfolgreich Geld sammeln für Projekte die gar nie entstehen. Entschuldigungen sind dann sehr schnell zur Hand: die Gemeinde tut nicht weiter, die Bürokratie ist höllisch, etc. Dazu kann ich nur sagen, dass auch bei uns die Gemeinde nicht weitergetan hat. Das Zentrum steht aber trotzdem. Ich wäre kein Projektleiterchen hätte ich mich von der Bürokratie behindern lassen. Auch sei erwähnt, dass Delta Cultura mit der Spendensammlung intensiv angefangen hat als es schon klar war, das wir das Zentrum bauen werden. Sprich, wir haben keine Spenden für die jahrelangen Vorbereitungsarbeiten gesammelt! Es hat auch kein Mensch von Delta Cultura ein Gehalt gehabt, bevor der Bau nicht begonnen hat.
Vielleicht noch ein ‚kleines’ Beispiel? Eine von uns oft und oft unterstützte Fussballschule im Nachbarort Chao Bom. Der Verantwortliche war/ist ein Mann aus ärmsten Verhältnissen, der mit seinem Durchhaltevermögen schon extrem viel erreicht hat. Seine Fussballschule existiert genau so lange wie die Unsere. Wir helfen ihm weil wir wissen, dass er nicht so viele Möglichkeiten hat an Material, etc. zu kommen wie wir. Jetzt hat er sich einen neuen Partner gefunden. Den Vizebürgermeister von Tarrafal. Klingt vielversprechend, gell?! Hatte auch schon einige Gespräche mit diesem Mann und er hat mir von grossen Plänen für diese Fussballschule erzählt. Klingt grossartig, gell?!
Wie sich das allerdings in Zukunft abspielen wird hat die erste Veranstaltung gezeigt die die Fussballschule unter der Schirmherrschaft des Vizebürgermeisters organisiert hat. Der gute Mann ist auch irgendwer oder irgendwas bei CCS-Sida, der Organisation die AIDS bekämpfen soll. Also hat die Fussballschule eine Förderung für diese Veranstaltung von umgerechnet 3000 € bekommen. Der Plan für diese Veranstaltung: ein zweitägiges Turnier (wir waren eingeladen) mit 4 Mannschaften, ein Spiel zweier Mädchenmannschaften, eine Aufklärungsveranstaltung (AIDS) mit anschliessendem Mittagessen, eine Pokalübergabe an die Turniersieger …
Folgendermassen hat sich das dann abgespielt: am Samstag gab es die ersten zwei Spiele des Turniers. Auf dem Fussballplatz in Chao Bom. Die Tore hatten keine Netze, es waren keine Linien gezogen. Der Verantwortliche den ich darauf angesprochen habe hat nur gemeint er hätte keine Zeit gehabt … Linien ziehen lassen kostet allerdings nicht viel Zeit sondern 20 € für denjenigen der das seit Jahren macht. Die Netze muss man bei der Gemeinde abholen.
Egal, das Spiel hat stattgefunden (1 ½ Stunden zu spät) und wir haben es 4:1 gewonnen und uns damit für das Finale am Sonntag qualifiziert. Da gab es dann vorher die erwähnte Aufklärungsveranstaltung über AIDS, das Mittagessen und dann das grosse Finale. Vorher noch das Spiel um Platz 3. Die Aufklärungsveranstaltung habe ich geschwänzt weil die immer vom gleichen Typen durchgeführt werden der halt erzählt man soll Präservative verwenden wenn man Fussball spielt (oder war es was anderes?). Bis heute verstehe ich nicht warum für derartige Veranstaltungen soviel Geld zur Verfügung steht. Ich bin mir sicher es wissen heute alle Jugendlichen in Tarrafal wie man AIDS bekommt und wie man sich schützen kann. Wenn sie trotzdem keine Präservative verwenden (bei der Menge an Schwangerschaften fast zu vermuten) dann liegt das Problem anscheinend wo anders. Vielleicht daran, dass sie diese Gefahr nicht ernst nehmen?! Sollte das der Fall sein würde ich mir andere ‚Aufkärungsveranstaltungen’ ausdenken als Sport- oder Kulturveranstaltungen bei denen 5 Minuten erzählt wird dass die Nächstenliebe ab einem gewissen Moment nach Präservativen verlangt.
Aber zurück zu dieser 3000 € Veranstaltung. Am Mittagessen habe ich natürlich teilgenommen. Auch ein Projektleiterchen freut sich über kostenloses Essen. Bevor die Spiele angefangen haben kam noch der Vizebürgermeister zu mir. Er hat sehr geheimnisvoll getan und gemeint er müsse mit mir reden. Ich dürfe aber ja niemandem weitersagen worum es ginge … natürlich war ich da schon skeptisch … Es ging um einen ganz tragischen Fall von Diebstahl. Die Pokale die für die Turniersieger gekauft worden waren (mit Geld von der AIDS-Bekämpfung?!) wurden gestohlen und jetzt stehe man vor dem Dilemma keine Pokale zu haben. Ob nicht vielleicht Delta Cultura aushelfen könne. Wir hätten sehr wohl aushelfen können, ich hatte aber Angst, dass auch die von uns gespendeten Pokale wieder gestohlen würden und habe glatt gelogen und gemeint wir hätten keine …
Das Spiel um Platz 3 hat dann wieder viele Stunden zu spät angefangen. Auf einem Fussballplatz ohne Netze an den Toren und ohne Linien. Meine Befürchtung, das grosse Finale gehe sich vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus hat sich leider bewahrheitet. Zwar konnten wir die reguläre Spielzeit über die Bühne bringen, aber die ging gegen die besagte Fussballschule aus Chao Bom 1:1 aus. Mit einem ordentlichen Schiedsrichter wäre das nicht passiert. Der gute Mann hat uns ohne Übertreibung mindestens 3 Elfmeter in der Schlussphase nicht zuerkannt. Mir war das egal. Ich habe das Spiel als Vorbereitung für die Meisterschaft gesehen.
Um ein Elfmeterschiessen durchzuführen war es dann zu dunkel und so hatte das 3000 € Turnier keinen Sieger. Für die Veranstalter kein Unglück. Pokale hätte es sowieso keine gegeben …
Geschätzte Kosten für diese Veranstaltung: 150 € für die Miete der Musikanlage, 500 € für das Essen. Aus. Was mit den restlichen 2350 € passiert ist weiss wohl nur der Vizebürgermeister.
Für mich bedeutet das, dass wir unsere Hilfe für die Fussballschule einstellen werden. Nichts geht mir mehr auf die Nerven als diese verdammte Freunderlwirtschaft und Veruntreuung von Spendengeldern. Ich bin mir allerdings sicher, dass sich der Verantwortliche der Fussballschule sehr bald schon von seinem neuen Partner trennen wird. Er selbst ist nämlich ein sehr lieber, korrekter Typ. Er fällt schlicht und einfach auf die leeren Versprechungen des Vizebürgermeisters herein, von dem allerdings alle Welt weiss wie er drauf ist und wie er mit öffentlichen Geldern umgeht. Seine Privatvilla in Praia spricht davon Bände.
Ich könnte noch unzählige ‚Vorteile’ aufzählen die Delta Cultura von anderen Organisationen hervorhebt. Trotzdem gelingt es uns seit bald einmal einem Jahr nicht, eine lächerliche Förderung für die Betriebskosten des Zentrums zu bekommen. Keinen Cent. Wird derzeit Alles von Delta Cultura in Österreich und einigen Zentrumseinahmen finanziert. Cool, oder?!
Es kann jetzt leicht passieren, dass einige Leser hinter diesem verallgemeinernden Rundumschlag einen frustrierten Projektleiter vermuten. Ein gescheitertes Leiterchen, dass jetzt blind um sich schlägt, alle Menschen zum Teufel schickt … aber das, liebe Leser wäre eine allzu leichte Erklärung.
Meine Arbeit hat mich in den Vorsommermonaten frustriert. Bis ich zwei Wochen auf einem Segelschiff ein paar caboverdeanische Inseln erkundet habe. Nach meiner Rückkehr habe ich zwar vielleicht noch ein paar Wochen gebraucht um wieder so richtig in die Arbeit zu finden, bin seit dem aber mit der gleichen Freude und Kraft dabei wie eh und je.
Der Tod meines Vaters Anfang Oktober war sodann natürlich ein Einschnitt. Inwieweit mir das bis heute ‚Schwierigkeiten’ macht, wie ich damit umgehe … das gehört denn doch nicht hierher.
Also, ich habe bisher nur erklärt was alles so verflucht ist in der Entwicklungshilfearbeit, was Alles nicht Schuld an meinen Angeberthesen ist, aber nicht das was mich eigentlich treibt.
Schlicht und einfach die Tatsache, dass ich hier ständig Menschen begegne die ohne Hilfe nicht wirklich weiterkommen in ihrem Leben. Menschen die vollkommen zu Recht perspektivlos durchs Leben gehen und nichts anderes im Kopf haben als hier weg zu kommen. Menschen die nicht ganz lupenreine Strategien verfolgen um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Menschen die sich prostituieren, einzig um einen Weg nach Europa zu finden … Lustig ist das nicht. Weder für mich und noch viel weniger für diese Menschen. Es vergeht, ohne jegliche Übertreibung, kein Tag an dem nicht Irgendwer zu Marisa oder mir kommt und sich von uns Hilfe, in welcher Form auch immer, erbittet. Natürlich sind Viele dabei, die einfach schnorren obwohl sie es nicht wirklich brauchen, aber viel zu oft sind es Menschen deren ‚Schicksal’ trostlos ist. Natürlich helfen wir oft mit Geld für Medikamente, für Schulmaterial oder sonst was, aber was hilft das diesen Menschen auf lange Sicht???!!! Ich finde es echt furchtbar das zu sehen. Nicht selten kann ich nicht anders als darüber weinen … ich arbeite da monatelang wie ein Schwein, fahre wöchentlich nach Praia, versuche was weiss ich nicht Alles um Strom- und Telefonkosten zu finanzieren damit wir ordentliche Angebote, die wirklich langfristig helfen würden, entwickeln können und stosse überall nur auf Ignoranz, hirnrissige Richtlinien, leere Versprechungen … das dies eine Rechnung ohne das Projektleiterchen ist werden sie schon noch merken, früher oder später bekomme ich was ich will, aber dieses ‚irgendwann’ hilft dem Jugendlichen der zu mir kommt und Arbeit oder eine Ausbildung will, derweil herzlich wenig. Und das schmerzt.
Dieser Schmerz ist es also der mich manchmal wütend macht und Thesen anschlagen lässt … es reicht jetzt aber trotzdem.

Das wir hier nicht ausschliesslich mit Stromrechnungen kämpfen ist unter anderem der FIFA zu verdanken. Wir sind ja seit Juli Partner von deren ‚Football for Hope Movement’ … wie ich meine ein sehr gelungener Name und ich bin stolz (so wie ein Projektleiterchen halt stolz sein kann?!) dass Delta Cultura da dabei ist. Ein weiterer Beweis, dass wir cool sind!
Was genau bedeutet diese Partnerschaft für uns und was hat sie uns bisher gebracht? Viel! Unglaublich viel!
Zunächst einmal haben wir von Juli 07 bis Juli 08 Geld für Material, zwei Gehälter (Leiter der Fussballjugendabteilung, Patriki und ein Trainer, Nene), einen Beitrag zu den Betriebskosten des Zentrums sowie die Finanzierung für zwei Jugendtrainerlehrgänge.
Zu den Gehältern sei gesagt, dass sie eine unglaubliche Hilfe sind. Nicht nur weil sie zwei Jugendlichen Arbeit geben, sondern weil sie Beweis dafür sind was ich den Jugendlichen hier so gerne vermitteln will: dabeibleiben, das machen wozu ihr Talent habt, dann kommt der Erfolg (das Geld) früher oder später. Und das gilt auch für Cabo Verde. Nicht nur für ‚den goldenen Westen’.
Patriki ist das beste Beispiel dafür: er könnte schon lange nach Portugal. Sein Vater drängt ihn sogar dazu. Aber er liebt das Zentrum, den Fussball und ist seit Anfang an dabei. Lange Zeit ohne Gehalt. Jetzt hat er eine zeitlang Eines gesichert und wir werden für ihn, wenn er das denn will, eines schönen Tages auch ein langfristig gesichertes Einkommen auftreiben. Ausserdem bekommt er neben der Praxis als Jugendtrainer (U15 und U17), eine Ausbildung als Jugendtrainer und lernt im administrativen Bereich zu arbeiten. Nicht zu vergessen, dass er weiterhin der tarrafalbeste Innenverteidiger bleiben und uns dieses Jahr hoffentlich in die nationale Meisterschaft führen kann.
Weiterhin glaube ich, dass Beispiele wie Patriki viel mehr zur Entwicklung beitragen als so manche professionelle Ausbildung, bei der nach 2 Monaten Diplome vergeben werden und die Jugendlichen dann trotzdem nach Portugal auf die Baustelle arbeiten gehen.
Patriki und Nene sind für mich die Zwei Jugendlichen von denen ich mich – wiederum stolz wie ein Projektleiterchen eben stolz sein kann – zu sagen getraue: wir haben ihnen wirklich geholfen! Und seien es die Einzigen Beiden, die ungefähr 450.000 € die das Kinder- und Jugendzentrum (inklusive Bau) bisher gekostet hat sind in keiner Weise zum Fenster rausgeworfen. Trotzdem kotzt es mich an, dass ich nicht sagen kann wir haben schon 200 Jugendlichen wirklich geholfen … verdient hätten sie es sich. Verflucht. Weil – vielleicht habe ich das noch nicht erwähnt – es handelt sich auch bei den Jugendlichen in Tarrafal um Menschen. ?
Zurück. Football for Hope. Wie erwähnt haben wir ja auch eine ordentliche Summe für Material bekommen. Wir haben zwar noch nicht Alles ausgegeben, aber doch genug um die gröbsten Versorgungsprobleme zu lösen. Ausreichend Bälle sind für einige Zeit vorhanden. Auch mit Fussballschuhen sind wir gut ausgestattet. Wobei das bei 150 Kindern und Jugendlichen und einem steinigen Erdboden natürlich relativ ist.
Hilfreich für eine sinnvolle Trainingsgestaltung sind Stangen, Markierungskegel und Medizinbälle, für eine ‚gesunde’ Trainingsgestaltung elastische Binden, alles Dinge die wir jetzt erstmals nach 5 Jahren Fussballschule unser eigen nenne können.
Und dann hat uns das Materialgeld noch eine weitere Hoffnung beschert. Wir können mit dem zur Verfügung stehenden Geld auch für alle Altersklassen einheitliche Dressen kaufen. Derweil noch ‚wir könnten’ damit kaufen. Einer der wenigen Sporthändler der Hauptstadt hatte im September nämlich nichts derartiges lagernd. Musste in Portugal bestellen. Ende November hätten die Dressen (rot-weiss-rot – nein das sind nicht meine österreichischen Wurzeln, sondern die Farben von Varandinha Tarrafal) ankommen sollen. Wie gesagt für alle Altersklassen. Was aber leider angekommen ist waren blau-gelbe Dressen nur für Erwachsene. Ich war bisschen böse mit dem Geschäftsführer, wollte eigentlich augenblicklich meine Anzahlung zurück, nachdem er mir aber versprochen hat bis Ende Dezember Alles wieder gutzumachen, habe ich ihm halt noch eine Chance gegeben. Ob er jetzt um-näht und färbt oder ob er Neue bestellt weiss ich nicht.
Warum ich aber gesagt habe, dass gibt uns Anlass zu Hoffnung ist die Möglichkeit Sponsoren ein Logo auf diesen Dressen anbieten zu können. Auch deshalb bin ich derzeit allwöchentlich in Praia und schau ob ‚da was geht’. Bisher noch nicht mit zählbarem Erfolg, aber auch noch mit keinen nennenswerten Absagen. Wie immer hier in Cabo Verde muss man ziemlich zäh und lästig sein. Kein Problem für mich. Ich bin’s doch: das lästigste aller zähen Projektleiterchen. Ausserdem ist Delta Cultura cool!
Leider etwas schwieriger als erwartet gestaltet sich die Suche nach einem geeigneten Ausbilder für die finanzierten Trainerlehrgänge. Hatten einen sehr guten Mann aus Lissabon an der ‚Angel’. War eigentlich schon Alles geplant. Erster Lehrgang hätte im Dezember stattfinden sollen. Aber dann hat der Mann im November einen Trainerposten bei einem portugiesischen Erstligaverein bekommen und hat uns aus zeitlichen Gründen abgesagt. Das mag uns jetzt den geplanten Ablauf (ein Lehrgang 2007, der zweite im Frühjahr 2008) über den Haufen werfen, aber Delta Cultura ist ja bekannt für die gute Arbeit mit über den Haufen geworfenen Abläufen. Vieles lässt uns verzweifeln, aber sicher keine Haufen. Das ist Alltag in Cabo Verde.
Derzeit versuche ich über meine Kontakte zu Austria Wien etwas zu organisieren. Es besteht seitens des Jugendleiters von Austria auch grosses Interesse. Das Ganze ist allerdings eine Terminfrage. Er würde gerne mit einem Sportwissenschaftler der Uni-Wien kommen und alle Beide sind sie vielbeschäftigte Männer. Aber vielleicht wird das ja doch noch was zu Anfang von 2008.
Natürlich sitzen wir nicht herum und warten ob das gelingt sondern strecken unsere Fühler auch Richtung Portugal aus. Sicher ist, dass es bis Juli 08 zwei Lehrgänge geben wird. Schliesslich haben wir die Finanzierung für Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung und auch Spesenersatz …
Na gut, das sind die Dinge die wir durch unsere Kooperation mit der FIFA finanziert haben. Aber wie hat diese Finanzierung unseren täglichen Fussballschulenbetrieb beeinflusst? Positiv. Unglaublich positiv. Mit riesigen kleinen Schritten nähern wir uns meiner Idealvorstellung dieser Fussballschule. Die zwei Gehälter haben es uns nämlich ermöglicht mit den Kinder und Jugendlichen auch über die Fussballschule hinaus zu ‚arbeiten’. Wir bieten ihnen Nachhilfeunterricht und haben Gruppen gebildet die jeweils vor den Trainingseinheiten zusammenkommen und Hausaufgaben machen. Wir haben eine sehr umfangreiche Datenbank mit zahlreichen Informationen zu allen Teilnehmern der Fussballschule angelegt, die sich jetzt füllt und uns die Möglichkeit gibt im fussballerischen und schulischen Bereich besser auf die individuellen ‚Schwierigkeiten’ einzugehen.
Ein eindeutig riesiger Schritt, oder? Warum aber sage ich weiter oben ‚riesige kleine Schritte’? Weil sich die Realität nicht so einfach gestalten lässt wie ein Absatz in einem Bericht.
Die Datenbank mit Informationen zu fussballerischen Fertigkeiten, zum sozialen Umfeld und zur schulischen Leistung musste ja zunächst einmal gebaut werden. Lang habe ich im Internet herumgesucht um eine geeignete Datenbankvorlage zu finden. Ergebnislos. Dann habe ich ein paar Freunde um Hilfe beim Bau der Datenbank gebeten. Nicht erfolglos, aber doch der wiederholte Hinweis, so was sei sehr viel Arbeit und brauche viel Zeit. Etwas was bekanntlich kaum ein Mensch dieser Welt mehr hat. Ich musst mir diese Zeit also selber nehmen und mich in Access einarbeiten. In vielen, vielen Stunden habe ich mich mit Hilfe des Internets zum Access-Programmierer ausgebildet und habe Datenbank gebaut. Wer mich kennt weiss, dass Logik nicht unbedingt meine allergrösste Stärke ist. Da Datenbanken aber verflucht logisch sind, war und ist das eine recht mühsame Angelegenheit. Die Datenbank füllt sich inzwischen wie erwähnt mit Daten. Als fertig kann man sie aber noch lange nicht bezeichnen. Ständig kommen mir Verbesserungsideen und Patriki der die Daten einpflegt muss mich leider immer wieder mal auf Teile der Datenbank aufmerksam machen die nicht so funktionieren wie sie sollen.
Aber das macht Alles nichts. Diese Datenbank ist ein langfristiges Projekt das seinen Anfang gefunden hat und sich mehr und mehr zu einem phantastischen ‚Werkzeug’ entwickelt, das unsere Arbeit erleichtert und verbessert. Ziel ist es natürlich diese Datenbank eines Tages auf unsere Internetseite zu stellen. Also: kommt Zeit, kommt Internetdatenbank, kommt noch mehr Transparenz und Information zur Fussballschule, kommt noch mehr Erfolg, kommt Weltmeistertitel 2014! Und das Wunderbare daran: ist Alles ganz logisch!
Genauso logisch wie die Probleme die wir mit den Nachhilfe- und Hausaufgabengruppen haben. Die Kinder und Jugendlichen kennen die Fussballschule jetzt seit 5 Jahren und so lästige Neuerungen wie ‚mit der Schultasche ins Training kommen’ lassen sich nicht von heute auf morgen durchsetzen. Dazu sind zahlreiche Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen einerseits aber auch mit den Eltern andererseits notwendig. Immer wieder natürlich auch vorübergehender Ausschluss vom Training, Prügelstrafen, Ankettung an den zentrumseigenen Marterpfahl, Wochen bei Brot und Wasser in unserer hypermodernen Gummizelle … wir sind’s: die atlantischen Inselpädagogen!?
Stimmt natürlich nicht. So harte Massnahmen wie vorübergehender Ausschluss vom Training, das würden wir nie übers Herz bringen.
Und ernsthaft pädagogisch: wir sind uns bewusst, dass wir langfristige Aufbauarbeit leisten und mit und gegen allerlei tarrafalensischer Realität leben und arbeiten.
Mit einigen Rückschlägen, so hat uns z.B. eine freiwillige Helferin des Peacecorps, die Nachhilfegruppen geleitet hat, von einem Tag auf den Anderen verlassen, verbessert sich die Teilnahme an unseren Schulhilfsprogrammen zusehends.
Und ganz ehrlich: die Entwicklung der Fussballschule gibt derzeit viel Anlass zur Freude. Nach den 2 Jahren die wir mit Bau des Zentrums und dem Ausbildungsbetrieb beschäftigt waren und in denen wir der Fussballschule, die ja auch ohne Finanzierung existiert hat, nicht die Aufmerksamkeit widmen konnten die sie verdient hätte, entwickelt sie sich jetzt wieder in die Richtung in die wir sie haben wollen. Football for Hope!

Die Fussballschule ist also jener Teil des Zentrums der sich Dank einer finanziellen Unterstützung ständig weiterentwickelt. Aber es gibt auch viele Bereiche die sich entwickeln obwohl wir kaum Geld dafür haben. Und zwar nur weil wir lauter grossartige Menschen bei Delta Cultura haben die sich alles mögliche aufreissen damit wir helfen können. Es schmerzt, zu sehen und zu wissen was diese Menschen auf die Beine stellen könnten wenn mehr von diesem blöden Geld da wäre … ehrlich! Das schmerzt. Oft und oft überlege ich mir wie wir diese Tatsache glaubhaft vermitteln können. Immer wieder werde ich aber vor die traurige Tatsache gestellt, dass wir es eh schon glaubhaft vermitteln, dies aber kein Kriterium ist um gefördert zu werden. Und das ist krank! Verflucht! Verdammt! Kotze! Verlogen! Verirrt! Verwickelt! Teuflisch! Korrupt! Falsch! … Aber es gibt mir Kraft. Ich weiss, dass Delta Cultura cool ist. Und Delta Cultura steht für eine Menge Menschen die sich von dieser Krankheit nicht bremsen lassen.
Was passiert also sonst noch in unserem schönen Zentrum? Da ist einmal der Informatikraum mit seinen 8 Computern, die sich jetzt wieder vermehren dürfen weil liebe Menschen aus Europa uns ihre Rechner per Post schicken. Zwei sind schon angekommen, Weitere sind auf dem Weg. Eine Aktion die Fu in die Wege geleitet hat, an deren Erfolg ich immer gezweifelt habe und die mich wieder einmal eines Besseren belehrt hat. Es ist Wahnsinn: ich habe mich in meinen 42 Jahren jetzt schon so oft eines Besseren belehren lassen, dass das Bessere in mir langsam die Oberhand gewinnt?!
Der bessere Informatikraum: 3 mal wöchentlich gibt dort das Projektleiterchen Abendunterricht. Bin also jetzt auch ein Informatiklehrerchen. Ist allerdings wirklich nur als vorübergehende Lösung gedacht. Ziel: Ausbildung eines Jugendlichen der dann selbst diesen Unterricht geben kann. Fu steht mir zur Seite, unterrichtet den ‚Internetteil’ der Kurse und bis Mitte 2008 sollten wir beruhigt und stolz diese Aufgabe übergeben können. Weil es ist ja nicht wirklich so, dass wir Beide (Fu und ich) nicht Besseres zu tun hätten?!
Einen eigenen Bericht könnte ich über die ‚Tagsüber-Nutzung’ des Informatikraums schreiben. Anlass zu zahlreichen heftigen Diskussionen innerhalb der Projektleitung, unzähligen projektleiterischen Zornesausbrüchen, ständigem Riesenwirbel im unterhalb der Projektleitungsbüros gelegenen Informatikraum, hohen monatlichen Internetkosten … und Alles weil wir dort kostenlosen Internetzugang gewähren. Gedacht für SchülerInnen die das Internet nach nützlichen Informationen durchforsten. Dieses Angebot wird auch zusehends in Anspruch genommen. Aber eben nicht nur. Oft ist der ganze Saal voll mit Socialnetworkern die sich auf hi5 oder myspace Accounts einrichten und sich sodann auf die Suche nach hübschen Mädchen und Buben in diesen Netzwerken begeben.
Jetzt ist es natürlich nicht unbedingt Delta Culturas oberstes Ziel der(ab?)artige Freundschaften zu fördern und zu finanzieren. Trotzdem wehrt sich das Projektleiterchen standhaft gegen jene Stimmen die finden wir müssen dieses Angebot kostenpflichtig gestalten. Das führt unter anderem dazu, dass ich, wenn ich mal wieder wutentbrannt meinen Arbeitsplatz verlassen muss um für Recht und Ordnung im Informatikraum zu sorgen, von meinen MitarbeiterInnen nur ‚du wolltest es ja so’ zu hören bekomme.
Aber was soll’s. Ich habe so Einiges von so Einigem?! Da kommt es darauf auch schon nicht mehr an.
Natürlich ist es aber doch so, dass ich mir die Argumente meiner MitarbeiterInnen sehr wohl sorgfältig anhöre. Ich bleibe diesbezüglich bisher aber stur, weil ich erstens vom Wert des Internets für die Jugendlichen Tarrafal als unerschöpfliche Informationsquelle überzeugt bin und ich zweitens DER Feind von Regeln und Gesetzen bin wenn sie denn auch nur einem Menschen unrecht tun … wir haben wirklich viel über dieses Problem diskutiert. Regelungen überlegt. Einschränkungen besprochen, etc. Aber von dem ‚kostenlos’ sind wir nicht runter. Und haben jetzt doch hoffentlich Lösungen gefunden die die diesbezüglichen Probleme einschränken werden.
Zunächst ist es mir gelungen von der Telecom eine 50 prozentige Ermässigung auf unsere Internetrechnungen zu bekommen. Ein Erfolg meiner erwähnten wöchentlichen Praiafahrten. Ist zwar noch nicht in Kraft weil wir noch Unterlagen nachreichen mussten, aber die liebe Frau von der Telecom wird mich morgen wieder zu Gesicht bekommen …
Um das zeitweilige Chaos im Informatikraum in den Griff zu bekommen haben wir seit Anfang Dezember versuchsweise eine Angestellte, die unsere Kantine betreibt und die Aufsicht über die Computer inne hat. ‚Versuchsweise’ weil sie ihr Gehalt von ca. 150 € grossteils über den Verkauf in der Kantine ‚einspielen’ muss. Ansonsten können wir uns das nämlich nicht leisten. Die Sache lässt sich aber recht gut an und ich bin zuversichtlich, dass die Rechnung aufgeht. Auch weil Tuda, so heisst die liebe Frau, sehr engagiert und selbständig an die Sache rangeht. Wäre für alle Beteiligten eine gute Sache. Die Schaffung von Arbeitsplätzen kann in Tarrafal ja wirklich nicht schaden …
Zusätzlich haben wir jetzt auch ein Programm auf den Rechnern laufen, dass es uns erlaubt gewisse Internetseiten zu blocken. Ist gut was die, auch in Tarrafal allseits beliebten, Pornoseiten betrifft, aber auch die sozialen Netzwerke lassen sich ausschliessen, das herunterladen von Programmen, Fotos, Videos …
Also derweil einmal weiterhin kostenloses Internet im Zentrum!

Ein weiterer Bereich ist die Schreinerei, die ja seit März 07 auf selbständiger Basis weiterfunktioniert. Allerdings in keiner Weise zu meiner Zufriedenheit. Aufträge für die Schreiner sind derzeit zwar ausreichend vorhanden, sie und das Projektleiterchen sind die Einzigen die heute, Sonntag, fleissig bei der Arbeit sind, aber die Selbständigkeit der Werkstatt geht mir etwas zu weit. Nicht nur produzieren sie nicht das worum wir sie bitten (‚andere’ Arten von Kästen, Betten, Sesseln und einigen Souvenirideen die wir ihnen vorgeschlagen haben), sie kommunizieren auch kaum mit uns. Rufen Jenny nicht wenn sie wiedereinmal ein Möbelstück produziert haben, dass Jenny fotografieren sollte um eines Tages einen Katalog zu erstellen usw.
Das liegt gewiss am Werkstattleiter, der ja in den ersten Jahren der Ausbilder war, der ganz ungeheure Stärken hat, aber viel zu schüchtern und verklemmt ist um hemmungslos zu kommunizieren.
So ist auch dies ein Bereich über den ich mich regelmässig ärgern und wie ein Teufelchen durchtanzen muss, aber auch da bin ich der Meinung es wäre falsch die Leute rauszuschmeissen oder gar den Betrieb einzustellen. E geht darum Lösungen zu finden. Und wir werden sie finden. Auch wenn es oft nicht den Anschein macht und auch wenn ich doch immer wieder mal herumfluche, so bin ich doch zuversichtlich auch die Schreinerei so gestalten zu können, dass wir Alles zufrieden sein können. Sprich, dass wir Lehrlinge aufnehmen können, etc. Ist eine Frage der Zeit und steht ganz oben auf meiner ‚Gutenvorsatzliste’ für 2008.

Nach Schreinern nochmals zurück zum Fussball. Da gibt es ja auch noch die Kampfmannschaft. Varandinha, deren Trainer ich auch dieses Jahr noch bin. Nach Nichterreichen der nationalen Meisterschaft vergangenes Jahr, habe ich auch da nach einigen Wochen der Kraftlosigkeit wieder Motivation gefunden. Und die neue Meisterschaft steht vor der Tür. Heute sollte die Auslosung stattgefunden haben. Nächste Woche sollte die Meisterschaft losgehen. Dieses Jahr im gleichen Modus (zwei Gruppen a 9 Mannschaften, die zwei Gruppenersten spielen in Hin- und Rückrunde den regionalen Meister aus) allerdings mit viel mehr Spielen weil die erste Phase dieses Jahr auch in Hin- und Rückrunde gespielt werden soll.
Unsere Vorbereitungsphase war durchaus zufriedenstellend. Haben viel Augenmerk auf Schnelligkeit und Schnelligkeitsausdauer gelegt, sollten diesbezüglich jetzt auch klare Vorteile haben und haben auch kein Spiel der Vorbereitung verloren (zweimal Unentschieden). Mit etwas zwiespältigen Gefühlen sehe ich das gestrige letzte Vorbereitungsspiel gegen unsere U21. Die Kampfmannschaft hat es 11:1 gewonnen … bemerkenswert. Wir spielen ja regelmässig gegeneinander. Gewinnen zwar meist, aber nie in dieser Höhe. Ist gut für das Selbstvertrauen der Kampfmannschaft, aber schlecht für die U21, die mir natürlich auch am Herzen liegt.

So, ihr Lieben! Das ist ja nach langer Pause ein Projektleiterchenbericht der seinem Namen gerecht wird. Bin auch wahnsinnig stolz, dass ich die Zeit dafür gefunden habe. Sie war ganz unten in meiner Schreibtischschublade versteckt! Hatte ich noch vom letzten Jahr. Vielleicht solltet ihr auch mal suchen? Und uns berichten. Ideen geben wie wir 2008 zu einer langfristigen Finanzierung des Zentrums finden werden? Wie wir gemeinsam das Projektleiterchen dazu anhalten können Blödsinnigkeiten in seinen Berichten zu unterlassen (das gelingt uns nie!?).
Bevor ich aber ein endgültiges Berichtsende finde muss ich doch noch erzählen was wir uns für 2008 so Alles vorgenommen haben. Und damit das auch schön übersichtlich wird in Listenform:
– die erwähnte langfristige Sicherung der Betriebskosten des Zentrums
– Start der Musikschule im Zentrum (an der Finanzierung arbeite ich)
– Start der Ausbildung zum Mediengestalter (an der Finanzierung arbeiten wir Alle!)
– Weitere Verbesserung der Fussballschule und aller weiterer Zentrumsangebote
– Europareise der Batucogruppe und einer Fussballmannschaft (auch daran arbeite ich derzeit wöchentlich in Praia)
– Gewinn der regionalen Meisterschaft um dann die nationale Meisterschaft zu gewinnen damit wir sodann die afrikanische Championsleague gewinnen können weil nur so können wir 2009 die Weltmeisterschaft für Klubmannschaften gewinnen …
– Nasenoperation des Projektleiterchens damit die endlich gerade in die Welt rausriecht.

Habe sicher irgendwas Wichtiges vergessen. Aber wie so Mancher schon bemerkt hat komme ich in Zeitdruck und will den Bericht beenden und rausmailen bevor ich morgen für 2 Tage nach Praia verschwinde.
Ganz sicher will ich aber nicht vergessen mich bei allen HelferInnen die unsere Erfolge 2007 ermöglicht haben ganz herzlich zu bedanken. Ich mache das nicht namentlich weil ich meiner Hektik dann irgendwen vergesse den ich absolut nicht vergessen will!

Und seid euch gewiss: ich könnte noch seitenlang über unsere Aktivitäten, über meinen Wahnsinn der sich ständig in meinem Hirn abspielt, erzählen. Aber für dieses Jahr lasse ich es gut sein.
Wir alle von Delta Cultura wünschen Euch erholsame Feiertage und ein gesundes, gesegnetes Jahr 2008!

Umarmungen und Küsse in alle Richtungen!
Das Projektleiterchen

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