O Pulso in Assomada, Praia und Mindelo

Nach den drei Vorstellungen von O Pulso vor vollem Haus im Casa Cinema in Tarrafal standen Auftritte und Workshops in Assomada, Praia und später auf der Insel Sao Vicente in Mindelo auf dem Plan.

Eingang zum SOS Kinderdorf in Assomada

Eingang zum SOS Kinderdorf in Assomada

In Assomada konnten wir als Kooperationspartner zum einen die staatliche Kinderhilfsorganisation ICCA und zum anderen das SOS Kinderdorf gewinnen. Bei beiden Organisationen gab es zahlreiche Teilnehmer für die Workshops von Be, Fred und Mevlana, wobei die beiden Gruppen nicht unterschiedlicher hätten sein können.

Be van Vark beim Kinder Tanzworkshop in Assomada

Be van Vark beim Kinder Tanzworkshop in Assomada

Im SOS Kinderdorf, wo der morgendliche Workshop stattfand, wurden wir mit grosser Freude von dem Direktor empfangen und herumgeführt. Die Kinder und Jugendlichen leben dort in „Familien“ in einzelnen Häusern und das Gelände verfügt über zahlreiche Gebäude, Veranstaltungsräume, Gärten und Plätze die uns zur Auswahl standen für den Workshop. Nach den Workshops wurde jeder von uns eingeladen in einer der Familien Mittag zu essen und so konnten wir auch einen kleinen Einblick in das Familienleben bekommen.

Teilnehmerin des Tanzworkshops

Teilnehmerin des Tanzworkshops

Die Teilnehmer des Workshops waren Kinder im Alter von 8-14 Jahren und wir waren überrascht von der kreativen und offenen Atmosphäre und davon, dass die Kinder sehr motiviert und aufmerksam an den Workshops teilnahmen. Die ganze Stimmung im SOS Kinderdorf war durch und durch positiv und die Kids entsprechend gut aufgelegt. Wenn man bedenkt, dass es sich hier um Kinder aus den schwierigsten Verhältnissen handelt, dann ist man froh zu wissen, dass sie bei Aldeias Infantis SOS Cabo Verde in wirklich guten Händen sind. Für mich sind die SOS Kinderdörfer ein sehr gutes Beispiel dafür, wie wichtig die Arbeit von NGOs ist, gerade weil man dort regierungsunabhängig und ohne aufgeblähte Bürokratie schnell und wirkungsvoll helfen kann.

Teilnehmerin des Tanzworkshops

Teilnehmerin des Tanzworkshops

Nach dem Mittagessen ging es weiter zum Gebäude der ICCA (Caboverdeanisches Institut für Kinder und Jugendliche) in Assomada. Man gibt sich dort Mühe Kindern und Jugendlichen ein Zuhause zu geben, ganz ähnlich wie bei Aldeias Infantis SOS, nur eben in ganz anderer Form.

Zunächst fällt auf, dass das Haus vergittert ist, die Türen abgeschlossen. Das Personal trägt Uniform…
Das Interesse der Heimleitung an den Tanz-Workshops ist mässig. Man begrüsst uns, zeigt uns die Räumlichkeiten und … verschwindet und wird auch in den kommenden Tagen nicht mehr gesehen.

Die Workshop Teilnehmer haben Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, sich zu bewegen und vor allem Kreativ zu sein – und trotzdem, oder gerade deswegen, ist die Begeisterung über den Workshop riesig!

Eine Szene die uns allen am meisten in Erinnerung geblieben ist, hat mich tief bewegt und sehr traurig gemacht: Ein Workshop fand am Wochenende statt und wir standen vor verschlossener Türe. Wir blieben hartnäckig, klopften lange an und bleiben vor der Türe stehen. Gerade als wir diskutierten, ob wir die Leitung anrufen sollten, steckte drinnen eines der Kinder den Kopf um die Ecke und sah uns um sofort aufgeregt wegzulaufen.

Eine Aufseherin kam angeschlurft und schloss uns auf. Sie ging sofort zurück in die Küche, wo anscheinend das gesamte Personal versammelt war, während die Kids im Aufenthaltsraum stumpf Fernsehen guckten. Als wir eintraten brach eine Freude und Jubel aus, als wäre gerade Weihnachten, Geburtstag und Lotterie Hauptgewinn gleichzeitig eingetreten – „ihr habt uns nicht vergessen!“, „wir können Tanzen!“. Ich habe meine Tränen nur mit Mühe unterdrücken können und auch jetzt im Augenblick da ich diese Zeilen schreibe einen ziemlichen Klos im Hals. Ich weiss seitdem: Wir müssen unbedingt mit diesen Kindern dort arbeiten! Sie sind Zahlen in Statistiken, Abgeschobene der Gesellschaft, aufbewahrt in einem vergitterten Haus. Ich sage nicht, dass man sich bei ICCA keine Mühe gäbe, aber der Unterschied zu SOS, die ganze Stimmung, die Eindrücke die wir dort hatten waren so frappierend, dass mir klar ist, dass wir handeln müssen.

Das Publikum in Assomada

Das Publikum in Assomada

Auch der Auftritt in Assomada war dann etwas ganz besonderes. Wir hatten die Gemeinde Assomadas als Kooperationspartner und diese machte „O Pulso“ zu einer offiziellen Veranstaltung im Rahmen ihres alljährlichen Stadtfests.

Als Veranstaltungsort durften wir die frisch fertiggestellte Sporthalle in Nhagar nutzen. Ein grosser Raum. Platz für 1200 Leute und eben… eine verdammte Sporthalle! Hier war also einiges an Kreativität und Flexibilität seitens des Teams von Tanztheater Global gefragt. Zunächst musste der Raum für den Auftritt etwas verkleinert werden, dann die Bühne und vor allem die Leinwand arrangiert werden. Der Aufbau klappte allerdings reibungslos und schlussendlich war es gar nicht mehr so schlimm in einer Sporthalle aufzutreten.

Die Abendveranstaltung war mehr als nur gut besucht: In Ermangelung von Sitzplätzen vor der Bühne verteilte sich das Publikum auf der Tribüne an Stellen die leider nur wenig Blick auf die Bühne boten. Das Publikum war sehr gemischt: Zum einem Leute aus der Nachbarschaft, Familien, Festbesucher, zum anderen Studenten und örtliche Intellektuelle und Offizielle. Die Stimmung war klasse, und so wurde der Auftritt zu einem vollen Erfolg.

Workshop bei Raiz Di Polon in Praia

Workshop bei Raiz Di Polon in Praia

In Praia, der quirligen Hauptstadt Kapverdens, hatten wir nach dem Erfolg von „Silensio, Sodade e Sonho“ im letzten Jahr eine vielversprechende Kooperation mit Raiz di Polon, DER Dance Company in Praia und konnten zudem in der Nationalversammlung auftreten, der wahrscheinlich besten Location Kapverdens.

Für Be und Tanztheater Global war es natürlich eine Freude zur Abwechslung in den Workshops mit Menschen zu arbeiten, die Tänzer sind, oder bereits seit Jahren tanzen. Der Aufenthalt in Praia wurde zudem genutzt um die Netzwerke weiter zu auszubauen und zu festigen und sich mit „wichtigen“ Personen zu treffen.

Assembleia Nacional: Pendant zum Deutschen Reichstag

Assembleia Nacional: Vergleichbar mit dem Deutschen Reichstag

Der Auftritt auf der grossen Bühne in der Assembleia war wohl einer der Besten, auch wenn vorher unsere Tänzerin Sheela wegen einer Verletzung am Fuss (Verbrennung bei einem Unfall Zuhause) ausschied und somit das Stück etwas umgestellt werden musste. So ist dieser Auftritt dann auch derjenige, den wir ausgewählt haben um ihn demnächst als Video zu veröffentlichen.

Mevlana und Ghost auf der Bühne in Praia

Mevlana und Ghost auf der Bühne in Praia

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter auf die Insel Sao Vicente, genauer gesagt in die heimliche Hauptstadt Kapverdens, Mindelo. Heimliche Hauptstadt deswegen, weil sie neben ihrer Grösse über eine bewegte Geschichte verfügt, voll von Kultur, Musik und eben auch Tanz und Theater.

Auch hier gab es wieder zwei Workshops pro Tag: Einen in einem Kloster in Mindelo und einen weiteren in einem der problematischsten Viertel Mindelos, das bekannt ist für die grösste Streetgang der Insel. Wir waren daher auch überrascht Teilnehmer anzutreffen, die bereits einiges an Vorkenntnissen und tänzerischen Fähigkeiten mitbrachten. Vor allem die Improvisationen waren herausragend.

Claudio, Virginy, Ghost und Dji

Julek, Claudio, Virginy, Ghost und Dji

Der Auftritt fand dann auf einer kleinen Bühne, aber einem anständig geräumigen Saal statt. Volles Haus. Prominenz. Ein toller Auftritt vom Ensemble und dann endlose Standing Ovations und Gratulationen an die Tänzer. Ein unvergesslicher Abend für das Publikum, das Team und vor allem auch die Tänzer, die von dem positiven Feedback und den Gratulationen überrascht waren. Mindelo zeigte sich also wiedermal von seiner so berühmten weltoffenen Seite und es war klar, dass dies nicht das letzte Mal auf Sao Vicente sein sollte. Darüber hinaus kam es in Mindelo zu Treffen mit Vertretern wichtiger Organisationen, so z.B. dem Direktor von „Mindelact„.

Das Feedback nach der Tour ist gross. Neben einer sehr guten Präsenz in den Kapverdischen Medien ist vor allem das grosse Interesse seitens der Regierung und wichtigen Organisationen beachtlich. Es kam bereits zu mehreren Meetings bei denen Be und Tanztheater Global mehr als nur ein interessantes Angebot für die nächsten Jahren gemacht wurden. Es zeigt sich wieder einmal, wie wichtig kontinuierliches Arbeiten gerade in der Entwicklungszusammenarbeit ist. Von dem Erfolg des Projekts profitieren dabei nicht nur die zahlreichen Zuschauer und Workshop-Teilnehmer, sondern vor allem auch die Tänzer, deren Talent gefördert und denen eine mögliche Perspektive gezeigt wird.

Eine Zukunft als Tänzer: Dji aus Tarrafal

Eine Zukunft als Tänzer: Dji aus Tarrafal

So sieht z.B. der Tarrafalenser Teilnehmer Dji nun seine Zukunft im Tanz. Wir helfen ihm zur Zeit dabei sich bei internationalen Tanzlehrern- und schulen zu bewerben, damit er nach Abschluss seines Abiturs im nächsten Jahr weiter an seiner Laufbahn als Tänzer arbeiten kann.

Ich werde in den nächsten Wochen noch Videomaterial von „O Pulso“ veröffentlichen. Zum einen das Stück selbst, zum anderen die Dokumentation über O Pulso, die von unserem Video Workshop-Teilnehmer Kabungo gefilmt und erstellt wurde. Kabungo ist übrigens ein weiteres Beispiel für den nachhaltigen Erfolg dieses Projekts – aber dazu später mehr.

Wir möchten uns bedanken bei allen Besuchern, Teilnehmern, Tanztheater Global, den Kooperationspartnern hier in Kapverden und allen voran der Aktion Afrika vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland die den grössten Teil finanziert hat.

Ohne Euch alle wäre dieses tolle Projekt nie möglich gewesen. Auf das wir in Zukunft noch viele solcher gemeinsamen Projekte auf die Beine stellen werden!

DANKE!

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Autor: Christian Fu Müller

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