Projektleiterbericht aus Tarrafal

Florian versucht bekanntlich seit Jahren einen monatlichen Hintergrundbericht aus Tarrafal zu publizieren. Leider gelingt ihm das nicht. Aber so alle paar Monate kommt dann doch was. Hier ist der erste Bericht aus Tarrafal. Entweder in diesem Blogbeitrag ohne Fotos zu lesen oder hier als pdf mit Fotos. Auch zum Download.

Viel Spass beim Lesen!

Und schon ist er da. Der erste Bericht aus Tarrafal im Jahre 2011 nach Christi Geburt. Wobei ich auch schreiben könnte im Jahre 45 nach … naja, lass ma das.
Sicher ist: es ist das Jahr 01 nach dem letzten Bericht aus Tarrafal. Und es gibt viel zu erzählen.
Wenn sich mein angestrengtes Hirn nicht täuscht habe ich das letzte Mal vor meiner Ghana- Portugalreise in dieser Form von mir hören lassen. Folgerichtig ist kein schönes Wort. Folgerichtig will ich mit meinen Ausführungen über diese Reise beginnen.
In Ghana gab es ein Treffen aller westafrikanischen Organisationen die Unterstützung der FIFA bekommen. Also war Delta Cultura auch geladen. Geschickt kombinierend, wie es halt so meine Art ist, habe ich den Flug, der ja finanziert wurde, über Lissabon gebucht und konnte so einen einwöchigen Aufenthalt in Lissabon anhängen.
Aber zunächst Ghana. Das Meeting fand in einer riesigen Kakaoplantage im Norden der Hauptstadt Accra statt. Sehr grün war es. Und die Arbeiter dort haben mir ganz stolz erzählt, dass sogar Präsident George Bush diese Anlage besucht hätte … für mich fast ein Grund umgehend wieder abzureisen und erstmals in meinem Leben intensivster Ärger über Krokodile. Die gibt es dort nämlich und ich finde sie hätten sich aus den Büshen auf den Bush und so weiter.
Geleitet wurde das Treffen von zwei lieben Mitmenschen von streetfootballworld, sowie Vertretern von zwei ghanesischen Organisationen des Netzwerks. Gesamt waren wir fast genau 15 Teilnehmer. Und ganz ehrlich es waren ausschliesslich besonders liebe, bewundernswerte Menschen. Ich muss mich gar nicht ausnehmen. Auch ich habe mich von meiner besten Seite gezeigt. Ob mich jemand bewundert hat bezweifle ich trotzdem. Nicht einmal Krokodile kamen aus ihren Büschen um mich zu begutachten. Auch nicht des Nachts als ich Mutterseelen alleine, schlaflos durch die Anlage gegeistert bin und lauter blödsinnige Dinge aus meinen Gedanken zu vertreiben versucht habe.

Das Treffen hat drei Tage gedauert und war neben dem Hauptteil eines Fundraisingworkshops dem Netzwerken gewidmet. Beides war fruchtbringend, lehrreich und das Kennenlernen der anderen Netzwerkmitglieder hat mich nachhaltig beeindruckt. Nett waren sie alle sehr und dazu waren ein paar ganz traumhafte Menschen dabei. Alle sind sie engagierte Menschen die in den verschiedensten Bereichen arbeiten. Viele im Bereich AIDS Aufklärung, aber zum Beispiel auch einer der mit beinamputierten Kriegsopfern Fussball spielt. Und alle kommen sie aus Gegenden die nicht gerade von Reichtum und Wohlstand gesegnet sind. Bewundernswerte Menschen die alle viel mehr Aufmerksamkeit, viel mehr Unterstützung und viel mehr Anerkennung verdienen.
Wunderschön war die Erzählung des Ghanesen Mohamed der aus dem Norden des Landes angereist kam und hierfür erstmals in seinem Leben in ein Flugzeug gestiegen ist. Wann immer ich an seine Ausführungen denke bekomme ich das starke Bedürfnis den guten Mann zu umarmen und zu busseln. Die Beschreibung seiner Begeisterung als das Flugzeug abgehoben hat. Sein Stolz, dass er in so einem Wunderding der Technik sitzen darf. Mohamed war super und es war mir eine Ehre ihn kennen gelernt zu haben.
In einigen abendlichen Sitzungen haben wir versucht sozusagen ein Netzwerk im Netzwerk ins Leben zu rufen. Also innerhalb des streetfootballworld Netzwerkes ein Westafrikanisches Netzwerk. Es war oder ist auch eindeutig die Bereitschaft und der Wille aller Mitglieder da diesbezüglich aktiv zu werden, nur holt einen nach einem derartigen Meeting und der Euphorie des sich Nähergekommen seins die grausame Realität ein. Ich habe versucht mit dem Einrichten einer Mailingliste die Sache in Gang zu bringen. Bisher aber erfolglos. Als Hauptgrund sehe ich die fehlende Zeit der Zuständigen und sicher auch der eigene Überlebenskampf und/oder der der Organisationen für die wir arbeiten. Ich glaube es bräuchte, um das Netzwerk stark zu machen, weitere Treffen aller Organisationen und dann vor allem einen bezahlten Netzwerker der sich um die Angelegenheiten kümmert. Um das zu Finanzieren bräuchte es jemanden der sich um die Finanzierung kümmert. Bevor man jemanden beauftragen kann sich um die Finanzierung zu kümmern bräuchte es eine Finanzierung für denjenigen. Diese Finanzierung aber müsste jemand suchen der dann wahrscheinlich auch Finanzen will … und damit wäre ich bei meiner ungebrochenen Hoffnung, dass sich eines Tages alles von alleine finanziert. Einfach so. Eine Illusion? Hirngespinste? Wahnsinn? Vollkommen unrealistisch? Nein! Das müsste dann halt so ähnlich laufen wie es heutzutage schon läuft wenn Staaten Geld brauchen um Banken oder derart wichtige Institutionen zu stützen. Sie gehen einfach zur Nationalbank und holen sich ein paar Milliarden Euro. Oder woher kommen beispielsweise die 750 Milliarden Euro die Griechenland gebraucht hat um aus irgendeiner Krise zu kommen. Hat sich die irgendjemand angespart?!
Also ich habe mir immer noch nichts angespart und war nach Ghana eine Woche lang in Portugal. Gewohnt habe ich bei der Familie von Patriki, unserem jahrelangem Leiter der Fussballschule der dieses Jahr nach Lissabon übersiedelt ist wo er derzeit in der dritten Liga Fussball spielt.
Sehr gastfreundliche Menschen, die mir nicht nur ein Bett sondern auch Frühstück, Mittag- und Abendessen zur Verfügung gestellt haben. Ich habe die Tage genutzt um Kontakte zu Fussballclubs aufzunehmen, zu anderen Vereinen die Cabo Verde Bezug haben und natürlich wollte ich endlich einmal wissen wie die vielen, vielen Caboverdeaner die ihre Heimat verlassen um ihr Glück in Portugal zu finden, denn so leben. Und was musste ich feststellen? Dass es auch bei Caboverdeanern in Portugal unzulässig ist zu verallgemeinern. Im Grossen und Ganzen kann ich aber sagen, dass ALLE Caboverdeaner Heimweh haben. Sehnsucht nach ihren Inseln. Ganz offensichtlich tun sich auch fast alle zu Beginn ihrer Emigrationsgeschichte extrem schwer sich an die anderen Lebensumstände zu gewöhnen. Gerade die Schülerinnen und Schüler sind in den ersten Jahren todunglücklich, finden dann aber doch mehr oder weniger ihren Platz. Und wenn man fragt wo es denn schöner sei zu leben bekommt man immer die Antwort: natürlich in Cabo Verde, aber jetzt sind wir schon einmal hier, jetzt müssen wir das Beste daraus machen.
Und was ist das Beste? Ich kann nur ein Beispiel nennen. Jenes von Patrikis Vater bei dem ich gewohnt habe. Er ist seit 9 Jahren in Portugal. Und er arbeitet bei einem Bauunternehmer. Schon seit Jahren. Ich glaube er ist so etwas wie Vorarbeiter. So war er einer jener die durch die Finanzkrise seinen Job nicht verloren haben. Er verdient auch nicht weniger als vorher, aber er muss viel mehr arbeiten. Jeden Tag bis mindestens 18 Uhr und oft auch am Wochenende. Das Geld reicht aus um seine Familie in Portugal (Frau und Tochter) durchzubringen, seine Eigentumswohnung in Lissabon abzuzahlen, seiner Tochter in Tarrafal ein Studium zu bezahlen und alle paar Jahre nach Tarrafal zu kommen um zu urlauben. Die Eigentumswohnung befindet sich in einem Vorort von Lissabon in einer grossen Wohnsiedlung. Kein ungewöhnliches Dasein also und auch ein Lebensstandard der wahrscheinlich etwas höher ist als hier in Tarrafal. Er ist also ein Caboverdeaner der es geschafft hat sich im Ausland zurechtzufinden. Dann gibt es in Lissabon aber auch Gegenden die nicht mehr viel mit ‚zurechtfinden’ zu tun haben. Gegenden in denen ausschliesslich Afrikaner leben, in denen man Abends nicht mehr auf die Strasse sollte, schon gar nicht als Weisser und die mich sehr an die Hauptstadt Praia erinnert haben. So bisschen Slum mässig.
Ich habe jetzt also so ein ganz bisschen Ahnung vom Leben der Caboverdeaner in Portugal und ich kann sagen, dass sich meine Meinung nicht geändert hat: weiterhin finde ich es sollten hier in Cabo Verde Möglichkeiten geschaffen werden, die es nicht mehr notwendigen machen ins Ausland gehen zu müssen um es zu etwas zu bringen. Habe also beschlossen weiterzuarbeiten obwohl ich ja jahrelang verkündet habe mit 45 in Pension gehen zu wollen.
Und bitte nehmt das ‚es zu etwas zu bringen’ nicht einfach so hin. Weil was genau das eigentlich sein soll weiss ich auch nicht mit absoluter Sicherheit.

Eine sehr viel saublöde Episode hat sich abgespielt während ich friedlich in einem portugiesischem Bett geschlafen habe. Ein Vollidiot ist bei uns im Zentrum eingebrochen und hat meinen Computer und ein paar Laptops gestohlen. Leider hatten wir zu der Zeit drei Wächter, weil es gilt als fast sicher, dass einer der Aufpasser die Tür ins Büro aufgeschlossen hat um den Vollidioten reinzulassen. Keinerlei Einbruchsspuren an Türen oder Fenstern lassen uns dies vermuten.
Als wäre das nicht schon Pech genug, habe ich nach meiner Rückkehr auch feststellen müssen, dass die Backups die ich gemacht hatte nicht ordentlich funktioniert haben und die Daten nur teilweise kopiert wurden. Furchtbar. Wochenlang bin ich gesessen und habe Daten wiederherstellen müssen. Grausam. Die ganze Buchhaltung noch mal machen. Der Vollidiot wirklich. Wenn ich den erwische werde ich dafür sorgen, dass er Bücher halten muss bis ihm hören und sehen vergeht.
Ein paar Tage nach dem Diebstahl hatten wir eine Möglichkeit den Vollidioten ausfindig zu machen. Leider hat es die Polizei verschissen. Wir hatten einen Hinweis wo unsere Rechner möglicherweise sein könnten. Das haben wir natürlich der Polizei mitgeteilt. Die lieben Ordnungshüter sind daraufhin zu dem Haus des Mannes und haben ihn gebeten zur Polizeistation zu kommen. Dort haben sie ihn dann gefragt ob er eventuell meinen Computer gestohlen hätte …
Während die Polizei zu dem Haus des Mannes gefahren ist hatte ich die Ehre mit dem Polizeichef persönlich auf der Station zu verweilen. Es war ein Sonntagmorgen, ich hatte gerade mal 3 Stunden geschlafen und durfte mir dann die abstrusesten Geschichten anhören. Der Polizeichef hat mir von Kühen erzählt die während der Revolution von den Portugiesen wahllos geschlachtet worden seien. Ansatzlos ist er dann zu Erzählungen aus der Apokalypse übergegangen um mir abschliessend zu erklären, dass Drogen an sich nichts Schreckliches wären. Das Fürchterliche sei, dass es keine reinen Drogen mehr gäbe und das Gift mit dem gestreckt würde sei das eigentliche Problem. Hab ich bis dahin auch nicht gewusst.
So hatte ich einen sehr lehrreichen Sonntagvormittag aber leider meinen Computer nicht zurück.
Erfahren habe ich diese demoralisierende, schockierende, wütend machende Neuigkeit als ich gerade auf dem Weg zum portugiesischen Fussballclub Sporting war. Das ist einer der drei grössten Vereine Portugals und ich wollte eine Kooperation. Sie spenden uns Bälle, Dressen, Trainingsutensilien, bilden unsere Trainer aus, zahlen uns Reisen für unsere Fussballkinder und wir erwähnen sie dafür im linken unteren Eck unserer Internetseite. Der blöde Zuständige ist aber nicht auf unser Angebot eingestiegen. Selber Schuld.
War aber wirklich ein frustrierendes Gespräch. Eine wunderschöne, riesige Anlage im Süden Lissabons mit was weiss ich nicht wie vielen Fussballplätzen, einer davon überdacht und dann fällt dem blöden Zuständigen nichts anderes ein als mit uns über Geschäfte zu reden, über Profite und so Zeugs. Und da er keine Möglichkeit gesehen hat mit unserer Fussballschule irgendwas zu verdienen hat ihn unser Anliegen in keiner Weise interessiert. Habe mich während dem Gespräch ständig gefragt wo der Typ seinen Horizont versteckt hat?
Das war also kein guter Tag für mich. Diebstahl im Zentrum, horizontlose Zuständige bei Sporting … aber es kam wie es im Leben immer kommt. Auf Regen folgt Sonnenschein … und dann wieder Regen? Egal, soweit muss man sich das ja nicht überlegen.
Am Tag eins nach Diebstahl und Horizont haben sich Patriki und ich auf den Weg in den Norden Portugals gemacht. Treffen mit Zuständigen von Porto und Sporting Braga. Ich verwende diesen übergeordneten Begriff des Zuständigen weil ich mit Sicherheit sagen kann, dass sie für irgendwas zuständig waren, aber ich weiss leider nicht für was.
Beide Treffen waren sehr positiv und konstruktiv. Nette, offen Menschen mit Horizont. Mit Sporting Braga werden wir eventuell ein Kooperationsprotokoll unterschreiben. So haben wir das eigentlich vereinbart, die Kommunikation über Email funktioniert aber leider seither nicht wirklich hervorragend. Aber ich bleibe dran.
Auch mit Porto könnte sich was entwickeln. Der Verein plant im Jahre 2011 Fussballschulen in Afrika aufzubauen … und zwar nicht ausschliesslich mit Blick auf Profit und Profi und so Zeugs.

Soviel zu meinen ghanesischen und portugiesischen Erlebnissen, die allesamt passierten während in Tarrafal das Kinder- und Jugendzentrum mit seinen Aktivitäten und ohne Projektleitercomputer wie eh und je lief. Fussballer machten ihre Hausaufgaben, junge Mütter drechselten, Schülerinnen bekamen Nachhilfe, Lebensfreude sprühte bei Batukosessions und die ganz Kleinen malten und bastelten, dass es eine sozialpädagogische Freude war.
Es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen wenn ich jetzt aus all diesen Bereichen im Detail erzähle. Ich verweise aber wie immer auf unsere Internetseite auf der ja regelmässig berichtet wird. Und zwar ohne Aus- Ab- oder sonstige Schweifungen, wie sie in diesem Bericht auftauchen.

Bisschen hintergrundberichten will ich aber doch. Zuerst von den jungen Müttern denen Salsa das Drechseln beibringt. Die Ausbildung läuft bestens, die jungen Frauen stellen schon wunderschöne Teller, Dosen, Mörser und Kerzenständer her, die auch bereits verkauft werden. Im Zuge der Festivitäten anlässlich des tarrafalensischen Dorfheiligen fand im Dorf ein Kunstmarkt statt den die Drechslerinnen genutzt haben um ihre Arbeit bekannt zu machen und auch zu verkaufen. Einige gute Kontakte sind dabei entstanden und die Drechslerinnen sind dabei ihre Gegenstände auch in der Hauptstadt Praia unters Volk zu bringen.
Es ist also etwas im Entstehen. Eine Schreiner- Drechslerwerkstatt im Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal die junge Frauen ausbildet und einen Beitrag zu den Betriebskosten des Zentrums beiträgt. Zukunftsmusik. Aber Musik. Und damit diese nicht verstummt machen wir Sitzungen und entwickeln ein Konzept wie wir dieses Ziel erreichen können. Genial wäre eine Projektleiterin für die Werkstatt. Jemand der die Ausbilderin begleitet, ein Marketingkonzept erstellt, Kontakte zu den Touristengeschäften auf Sal und Boavista aufnimmt, Prospekte designt, einen Webshop aufsetzt, die Produktion kontrolliert, Buchhaltung der Schreinerei macht und dabei noch Zuversicht, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit versprüht. Nichts leichter als so jemanden zu finden. Nur muss man diejenige dann halt auch finanzieren. Das könnte man ganz leicht mit den Einnahmen der Schreinerei finanzieren. Nur muss man halt vorher den Umsatz ankurbeln. Dazu braucht es ein Marketingkonzept, Kontakte zu den Touristengeschäften auf Sal und Boavista, Prospekte, einen Webshop, Kontrolle und Buchhaltung … Richtig! Kreislauf. Mit bisschen Teufel dabei.

Gott sei Dank ist es aber nicht ganz so dramatisch. Schliesslich haben wir bei Delta viele, sehr viele, Menschen die auch kostenlos arbeiten. Fu ist beispielsweise so jemand. Und er hat sich in unserer letzten Sitzung zu der wir ihn herzlich eingeladen haben bereit erklärt uns auch bei diesem Projekt unter die Arme zu greifen. Vor allem was Marketingkonzept betrifft wird er beratend zur Seite stehen und entwickeln.
Sieht also gut aus mit unserer Schreinerei und Drechslerei. Wobei ich auch die Schwachstellen nicht verheimlichen will. Da ist einerseits ein überforderter Projektleiter der seine Zeit damit verbringt saublöde Berichte nicht zu verfassen und andererseits junge Mütter die ganz ganz viel Liebe für ihre Kinder haben aber oftmals kein Durchhaltevermögen und daher Ausbildungen anfangen und umgehend wieder beenden. So erlebt auch bei unserer Drechslerinnenausbildung.
Und das ist jetzt böse gesagt aber nicht so gemeint. Wirklich nicht. Natürlich haben wir Verständnis für die Situation der jungen Mütter hier in Tarrafal. Und wenn ihnen jemand wie Delta Cultura eine kostenlose Ausbildung anbietet bei der allerdings kein sofortiger Verdienst dabei herausschaut, dann fangen sie halt mal an, aber dann kommt das Chinageschäft oder sonst wer und bietet Arbeit, oder ein Verwandter aus Portugal hat das Visum für das gelobte Land verschafft und eine weitere junge Mutter emigriert oder was auch immer. Es zeigt sich hier halt das gleiche Problem wie immer. Die Menschen glauben nicht an eine Zukunft hier im Lande. Wobei es DIE Menschen auch hier nicht gibt…
Derzeit sind zwei Frauen in Ausbildung die seit Beginn im Oktober 2010 mit Begeisterung dabei sind und auch das notwendige Talent mitbringen. Mit ihnen und der Ausbilderin Salsa werden wir das erwähnte langfristige Schreiner- Drechslereiprojekt aufziehen. Im Projektansuchen an die Stadt Wien reden wir ja von 10 jungen Müttern die wir ausbilden werden. Inzwischen haben wir auch schon weit mehr als 10 junge Mütter in Ausbildung gehabt. Aber wie erwähnt hört der Grossteil nach ein paar Wochen wieder auf. So sind wir inzwischen dazu übergegangen 4 Wochen lange Workshops anzubieten. Das ist ein Zeitraum den dann doch einige durchziehen, dabei das Handwerk kennenlernen und wenn dann eine der Mütter wirklich weiterlernen will werden wir ihr das natürlich auch ermöglichen.

Das war jetzt eine ziemlich genaue Beschreibung der Drechslerinnenausbildung. Und ich kann unmöglich alle Bereiche in denen wir arbeiten so genau beschreiben. Im nächsten Bericht lege ich den Schwerpunkt dann halt auf eine andere Bildung die sich hier bildet.

Hab ich überhaupt schon erwähnt, dass ich wahnsinnig gerne mit der Abschaffung der Zinsen und mit dem Verbot von Weltbank und Internationalem Währungsfond tanzen gehen würde. So richtig ausgelassen tanzen. Aber das nur so nebenbei.

Jetzt erzähle ich von der FIFA. Schliesslich haben wir ihnen die Fussballweltmeisterschaft in Südafrika zu verdanken und werden ihnen auch für Russland und Katar danken. Keine Frage. Und noch vielmehr Dank haben sie von Delta Cultura weil sie die Fussballschule die letzten 3 Jahre finanziell unterstützt haben. Derzeit tun sie es nicht mehr. Interne Revision und so Sachen machen sie jetzt. Daher müssen die Football for Hope Projekte warten. Aber es besteht weiterhin Hoffnung. Wie streetfootballworld, die Internetplattform der wir unter anderem diese FIFA-Förderung verdanken, uns versichert, wird die FIFA das Football for Hope Movement weiterführen.
Allerdings wird es von Ausschreibung bis eventueller Auszahlung der Förderung dauern. Monate. Monate der Hoffnung. Vor allem für Kutchinha, Nene und Zito. Die drei haben ja die vergangenen Jahre ihr Gehalt dank der FIFA Förderung erhalten.
Leider ist Delta Cultura derzeit nicht in der Lage diese Kosten zu übernehmen. Die Drei haben sich aber trotzdem bereit erklärt weiterzuarbeiten. Das bedeutet, dass weiterhin 150 Kinder und Jugendliche Tarrafals regelmässig ihr Fussballspiel perfektionieren können wenn sie vorher ihre Hausaufgaben machen und auch ihre Nachhilfe bekommen sie falls wir sehen, dass sie das benötigen.
Aber natürlich ist das kein Dauerzustand. Kein Mensch dieser schönen Welt kann kostenlos 8 Stunden pro Tag arbeiten. Auch in armen, benachteiligten Ländern mit extrem hoher Jugendarbeitslosigkeit nicht.

Und während ich so dasitze und über all die Förderungen nachdenke dir wir bekommen und nicht bekommen haben, noch bekommen und nie bekommen werden erfahre ich von Vanessa:
DELTA CULTURA DEUTSCHLAND ist ein e.V. Vanessa hat es geschafft. Der Verein ist in Deutschland als gemeinnützig anerkannt. Er kann jetzt also gemein nützen. Aber das kann er natürlich nur wenn ganz viele liebe Menschen gemein spenden. Was wir jetzt mit gemeinen Quittungen bestätigen können womit die Spenden von der gemeinen Steuer absetzbar sind. Gut, gell?!
Ein weiterer Fortschritt in unseren Bemühungen Kinder- und Jugendzentren zu Selbstläufern zu machen. Zu gemeinen Selbstläufern? …
Es ist gemein, dass ich auch über erfolgreiche Aktivitäten nicht normal schreiben kann. Das kann dazu führen, dass mich eines Tages niemand mehr ernst nimmt. Will ich das?
Vollkommen ernst gemeint ist unser aller Dank an Vanessa Ebert die mit unglaublichem Durchhaltevermögen den Verein den deutschen Behörden schmackhaft gemacht hat. Ein Jahr lang hat das deutsche Finanzamt versucht Vanessa den Glauben an die gemeine Nützlichkeit des Vereins auszureden. Mit immer neuen Einwänden wurde abgelehnt und gebeten doch alles nochmals zu überarbeiten. Vanessa wurde die Anmeldungsarbeit auch von so einem komischen Projektleiter aus Tarrafal erschwert. Immer musste er seinen Senf dazugeben. Aber von all den Senfen und Bürokraten liess sich Vanessa nicht stören. Stur ging sie ihren weg, bis es Anfang des Jahres gelungen ist.
Die neuen Möglichkeiten die sich für uns jetzt auftun sind zahlreich. Wie schon erwähnt können deutsche Spender, seien es Privatpersonen oder Firmen, ihre Spenden an Delta Cultura jetzt von der Steuer abschreiben. Hierfür müssen sie uns nur Geld auf das Vereinskonto überweisen, wir stellen ihnen eine Spendenquittung aus und Angela Merkel kann schauen wo sie ihr Geld herbekommt.
Weitere Möglichkeiten eröffnen sich für Delta Cultura im ach so geliebten, gemeinen Bereich des Förderansuchens. Als deutscher Verein können wir jetzt direkt bei den öffentlichen deutschen Stellen ansuchen. Und natürlich bei deutschen Stiftungen die ausschliesslich an deutsche Vereine stiften.
Sobald ich Zeit finde werde ich mich darum kümmern. Und kommt der Kummer von kümmern? Und wer krümmt sich wenn ich mich um meinen Kummer kümmere? Naja!

Von Oktober bis Dezember 2010 war Delta Cultura wieder mal ganz am Puls der Zeit. Dank Tanztheater Global aus Berlin und deren Inszenierung O Pulso. Be, Mev, Fred, Sandrine, Julek und Alexi kamen aus der ganzen Welt nach Tarrafal um das fortzusetzen was sie 2009 mit Silencio, Sodade e Sonho begonnen haben: Ausbildung von jungen Tänzern aus Tarrafal und Erarbeitung einer Videotanztheaterinszenierung. O Pulso.
Nachdem es 2009 noch eine Massenausbildung von 30 Jugendlichen gab, haben sich die Tänzer dieses Jahr intensiv mit den 6 Begabtesten des Vorjahres beschäftigt. Ballet, Contemporary Dance und noch ein paar Tanztechniken deren Namen ich jetzt vergessen habe haben sie 6 Wochen lang mit den Jugendlichen aus Tarrafal trainiert. Und so nebenbei O Pulso entwickelt.
Dieses Jahr gab es 3 Vorstellungen in Tarrafal, eine in Assomada, eine in Praia und als weitere Neuerung auch eine Vorstellung in Sao Vicente.
Die Inszenierung gibt es übrigens auch auf youtube zu begutachten. Ist zwar lange nicht so imposant wie wenn man das live erlebt, aber es gibt doch einen Eindruck um was es sich dabei handelt … nämlich sicherlich nicht um eine Kunstrichtung wie sie Tarrafal seit Jahrzehnten kennt.
Die Kooperation zwischen Tanztheater Global und Delta Cultura Cabo Verde wird es hoffentlich auch 2011 und 2012 und 2013 und überhaupt bis 2113 geben. Wenn nicht muss ich halt persönlich nach Berlin und mal ein ernstes Wort mit ihnen reden.

Es gibt bestimmt Leser die sind überzeugt ich hätte jetzt alles Wichtige der letzten Monate erzählt. Weit gefehlt. Ich habe zum Beispiel standhaft verschwiegen, dass uns Ende Februar das Geld ausgeht. Auch zu Batukofestival, Lukas Hüller, Brueghel, Kinder Rechten und anderen Tief- und Höhepunkten habe ich noch geschwiegen. Das wird sich aber gleich ändern.

Es war bereits das 5. Batukofestival das Delta Cultura im Dezember 2010 organisiert hat. Und es war erfolgreich wie eh und je. Die Menschenmenge die sich jeden ersten Sonntag im Dezember zu diesem Festival auf dem Dorfplatz einfindet wird von Jahr zu Jahr grösser. Es ist vor allem Marisa zu danken, dass wir uns jetzt auch mit diesem Festival einen Namen gemacht haben. Sie organisiert dieses Musikfest Jahr für Jahr fast im Alleingang.
Eine Kleinigkeit hat sie dieses Jahr allerdings übersehen. Wofür sie fast ins Gefängnis gegangen wäre. Die katholische Kirche hat nämlich am gleichen Tag einen Jugendgottesdienst in der Kirche am Hauptplatz angesetzt. Kutchinha, die Präsidentin von Delta Cultura hat von dieser Überschneidung gewusst und den Priester auch gebeten diesen Gottesdienst doch in dem beschatteten Hof wo auch die normalen Sonntagsgottesdienste gefeiert werden zu verlegen. Das wollte er aber anscheinend nicht.
So hat um 15:00 als die erste Batukogruppe die Bühne betreten hat gerade dieser Gottesdienst stattgefunden.
Die fröhlichen Batukogesänge haben die heiligen Worte des Priesters anscheinend übertönt, denn ganz überraschend hat mich plötzlich der Bürgermeister angesprochen und gemeint wir sollten das Festival wegen diesem Gottesdienst für eine Stunde unterbrechen. Ich hab nur gesagt ich werde es an Marisa weiterleiten. Sie hat sich natürlich geweigert …
Eine halbe Stunde später kam ein 5 köpfiges Polizeiaufgebot und hat ihr unter Androhung von lebenslanger Einzelhaft befohlen das Festival zu unterbrechen.
Das Festival wurde unterbrochen. Trotzdem war der Platz voll als es dann ebenso begeisternd weiterging wie zuvor.
Das Konzept des Festivals mit der Einladung von über 20 Gruppen der gesamten Insel Santiago, einem gemeinsamen Mittagessen und dem eigentlichen Festival am Hauptplatz von Tarrafal hat sich durchaus bewährt und wird sicher auch im Grossen und Ganzen beibehalten. Marisa und Fu arbeiten aber auch daran das Festival 2011 noch grösser zu machen. Sie haben bereits mit der Vorbereitung begonnen. Ich habe das was von Zweitagefestival läuten hören …

Es ist auffallend wie kurz und bündig ich gegen Ende eines Berichtes immer schreibe. Weil mir nämlich dauernd noch mehr Sachen einfallen, die ich eigentlich erzählen sollte. Aber dann wird der Bericht wieder 102 Seiten lang und kein Mensch liest ihn. Ich mache mir bei der derzeitigen Länge schon Sorgen. Wer hat denn überhaupt noch 20 Minuten Zeit sich mein Gewurschtel da durchzulesen? … Wirklich? Niemand? Schade. Dabei hab ich mich so bemüht.

Damit niemand glaubt wir machen hier nur Fussballschule, Hausaufgabenhilfe, Nachhilfeunterricht, Batuko, Tanzprojekte, Drechslerinnenausbildung, Informatikkurse, Photoprojekte, künstlerische Workshops und so Sachen, muss ich erwähnen, dass wir zu Weihnachten zwanzig Kindern aus besonders armen Verhältnissen jeweils ein kleines Weihnachtsgeschenk gekauft haben.
Wir konnten das tun weil uns Daniel aus Holland dankeswerter Weise eine Finanzierung dafür zukommen hat lassen.
Am 23.12. während dem Geburtstagsfest meiner Tochter Idalena haben wir dann die Geschenke übergeben. So konnten sich die Kinder nicht nur über die Geschenke freuen sondern sich auch noch die Bäuche vollschlagen.

Verdammt ich muss diesen Bericht zu Ende bringen. Ich schreib ja schon wie ein Volksschüler in seinen Midlife Crises. Was auch immer das sein soll. Ich leide auf alle Fälle unter akutem Formulierungsnotstand. Es muss wahnsinnig mühsam sein sich durch diese letzten Zeilen zu kämpfen. Bin echt heilfroh, dass ich das nicht lesen muss.

Ich erzähle jetzt noch von Lukas, Juliane, Laurent und Claudio. Ihnen haben wir einen ersten Höhepunkt im noch so jungen Jahr 2011 zu verdanken.
Das Spiel ist das Projekt das sie uns nach Tarrafal gebracht haben. Kinderrechte sind das Thema. Genauer, der Artikel 31 der von dem Recht der Kinder auf Spiel und Teilnahme am kulturellen Leben spricht.
Aber zuerst möchte ich vorstellen:
– Lukas Maximilian Hüller. Photograph aus Wien. Bekannt durch seine inszenierten Photos zu den 7 Todsünden und den Menschrechten.
– Juliane Hauser. Maskenbildnerin, Malerin aus Wien. Die bessere Hälfte von Lukas.
– Laurent van Wetter. Schauspieler aus Belgien.
– Claudio dos Santos ebenfalls Schauspieler aus Belgien. Allerdings mit caboverdeanischen Wurzeln und der kreolischen Sprache mächtig.
Lukas und Juliane haben in Wien den Verein thehumansrightproject ins Leben gerufen. Laurent in Belgien den Verein asbl HUMAN R. Die Vereine die eigentlich einer ist haben als erstes Projekt die Photoserie zu den Menschenrechten mit einer Schule in Südafrika gemacht. Den Erlös dieses Projektes haben sie jetzt für den Start des Projektes zu den Kinderrechten genutzt.
Ideengeber für dieses Projekt war der leider schon verstorbene flämische Maler Pieter Brueghel. Er hat 1560 das Bild Kinderspiele gemalt. Ein Gemälde mit über 80 Spielen und über 200 spielenden Kindern.
Lukas und/oder Juliane hatten die Idee, zu dem erwähnten Artikel 31 aus den Kinderrechten – dem Recht auf Spiel – ein sogenanntes Megapixelphoto nach Art dieses Gemäldes zu machen.
Was genau ein Megapixelphoto ist kann ich auch nicht erklären, tut aber nicht wahnsinnig viel zur Sache. Wichtig ist zu wissen, dass am Ende ein riesiges Photo entsteht auf dem über 250 Kinder Spiele spielen die typisch für Cabo Verde sind.
Ein derartiges Photo wird sodann in allen wunderschönen Erdteilen dieser wunderschönen Welt entstehen. Mit jeweils landestypischen Spielen.
Das Ganze spielt sich jetzt aber nicht so ab, dass Lukas einfach alle Kinder irgendwohin stellt, spielen lässt und dann fotografiert, sondern das gesamte Bild ist inszeniert. Gestellt. Wie eine Filmszene. Das Endprodukt besteht dann aus vielen Photos die von einem Computerprogramm zu einem einzigen zusammengefasst werden.
So also waren die Vier sechs Wochen lang in Tarrafal um dieses Photo zu inszenieren und zu schiessen. Und soviel sei schon jetzt verraten: es waren produktive, kreative, lustige Wochen mit ihnen und den 250 Kindern und Jugendlichen die teilgenommen haben.
In den ersten Wochen ging es darum den Kindern das Projekt vorzustellen, ihnen zu erklären, dass es sich dabei eben um eine Inszenierung handelt und dass sie selbst bestimmen müssen welche Spiele auf diesem Photo zu sehen sein werden.
Das haben wir allerdings nicht allen 250 Kindern auf einmal erklärt sondern in kleinen Gruppen. Zunächst einmal all den Kindern und Jugendlichen des Kinder- und Jugendzentrums die Interesse hatten mitzumachen. Sodann sind wir auch nach Assomada um die Kinder des SOS Kinderdorfes und eines staatlichen Kinderheimes zu involvieren. Leider ist uns das SOS Kinderdorf, nachdem wir schon präsentiert und auch geprobt hatten, abgesprungen weil sie uns den Wisch, dass wir die gemachten Photos veröffentlichen und verwenden dürfen nicht unterschreiben wollten. Keine Ahnung warum. Die oberste SOS Kinderdorf Aufsicht hat das verboten.
So haben wir einfach auch die Fussballschule aus dem Nachbarort Chao Bom involviert. Was mir im Endeffekt eh lieber war. Irgendwie habe ich mich in diesem SOS Kinderdorf nie so recht wohl gefühlt. Alles so steril dort. So brav. So katholisch. Die Kinder sind aber natürlich nett und lieb und es hat mir leid getan, dass sie nicht mitmachen durften.
Die Projektpräsentationen haben sich so abgespielt, dass wir zuerst Photos von mir gezeigt haben, die mich auf einem Thron sitzend zeigen … wie im realen Leben halt. Es folgte ein vierstündiger Vortrag über meine Stärken und Vorzüge. Den Kindern hat das wahnsinnig gut gefallen.
Dann haben wir Lukas, Juliane und die Schauspieler vorgestellt und anhand des Gemäldes, das wir in Grossformat gezeigt haben, erklärt was wir machen werden.
Dann mussten die Kinder sämtliche Spiele aufzählen die sie so kannten und spielen. So kamen wir im Endeffekt auf die 86 Spiele die auf dem Photo sein werden.
Am Ende jeder Projektpräsentation haben wir die Kinder dann gleich zu einem der Spiele zugeordnet und ihnen ihren Probetermin bekannt gegeben.
Die Probe war wichtig weil die Kinder auf dem Photo ja in einer für das Spiel typischen Position stillstehen mussten. Diese musste gefunden werden.
Die Proben waren immer ein Riesenspass für die Kinder. Dank Laurent und Claudio die das phantastisch gemacht haben. Die Kinder haben die Beiden geliebt und Laurent ist heute in ganz Tarrafal als Mr. Bean bekannt.
Es war also ein ziemlicher logistischer Aufwand das alles hinzubekommen.
Die Spieleinteilung, die Probentermine und natürlich das benötigte Spielmaterial. Wir haben das aber gut hinbekommen. Sehr zur Zufriedenheit des Regisseurphotographen.
Irgendwann so in der Mitte der Probenphase hat plötzlich ein Apfel Blödsinn gemacht. Genauer gesagt der Apple von Lukas hat seinen Geist aufgegeben. Lukas hat sich wahnsinnig gefreut. Schliesslich waren all seine wichtigen Dokumente, Fotos und Programme auf dem Rechner. Auch wenn die Tante Jolesch den lieben Gott bittet sie doch vor allem zu beschützen was noch mal ein Glück war, bin ich heilfroh, dass wir in diesem Fall eines hatten. Albert Hosp, ein Freund aus Wien stand nämlich kurz vor seiner Reise nach Tarrafal und musste als Retter in der Not eingreifen. Lukas hat sich in Wien über Freunde einen neuen Apfel – einen professionellen wohlgemerkt – besorgt und Albert hat ihn mitgebracht. Dann hat noch Fu sein Informatikwissen eingesetzt, hat die Festplatte aus dem alten Apfel ausgebaut und die Daten und Programme auf den neuen Rechner gespielt. Problem gelöst.
Der Sonntag an dem das Photo dann entstanden ist war ein grosses Event. Ein Spieltag für über 250 Kinder. Wir haben sie auf einem Platz etwas ausserhalb der Photoszene versammelt. Dort haben wir mit ihnen Spiele gespielt und natürlich gab es auch Speis und Trank.
Was für die Kinder ein grosser Spass war, war für uns Organisatoren hektische, nervenaufreibende Arbeit. Lukas, Juliane und Fu waren auf dem Dach von dem aus fotografiert wurde. Marisa hat die Spielsachen ausgegeben und die Gruppen zusammengestellt. Für jede Szene – gesamt waren es elf – gab es einen Zuständigen. Die oder der musste die Kinder ihrer oder seiner Szene aus der Menge der herumtollenden Kinder herausfischen und auf das Set bringen.
Dort haben Laurent und Ana gewartet und die Kinder positioniert. Natürlich hatten wir das alles vorher geprobt und jedes Spiel hatte seine Nummer auf die Strasse gepinselt.
Es hat alles wunderbar geklappt. Einzig auf ein Dach auf dem drei Spiele hätten stattfinden sollen haben wir keinen Zugang bekommen. Der Besitzer war den ganzen Tag im Haus, als es dann soweit war und wir die Kinder raufbringen wollten war er wie vom Erdboden verschluckt.
Die weitere Arbeit für dieses Projekt liegt jetzt einmal bei Lukas. Er muss das Gesamtbild zusammenstellen und die Feineinstellungen vornehmen. Wir sind alle schon sehr gespannt und freuen uns auf das Endprodukt.
Vielversprechend ist auch die Kooperation mit thehumanrightsproject. Also mit Lukas, Juliane und Laurent.
Es wird weitere gemeinsame Projekte geben und wie wir hoffen werden wir uns gegenseitig in ungeahnte Höhen schwingen. Die erstaunlichsten Projekte realisieren. Lang notwendige Veränderungen heraufbeschwören. Und da wir nicht gestorben sind so leben wir noch heute.

Letzter Teil. Wie üblich Bitte und Ruf um Spenden. Bittespendenaufruf. Nur diesmal nicht wie üblich sondern viel viel intensiver, lauter, frecher, eindringlicher, unverschämter … nein, nicht unverschämt. Das wäre ja unverschämt.
Für das Jahr 2011 sieht es eigentlich sehr gut aus. Nur die nächsten zwei bis drei Monate werden eng. Sehr eng. Und es ist mein grösster Wunsch, dass wir diese Monate überstehen ohne Löcher aufzureissen die wir dann nachher wieder mühsam stopfen müssen und so in einen Kreislauf mit bisschen Teufel kommen.
Positiv stimmt mich vor allem der sehr gute Kontakt von Marisa zur Ministerin für Jugend. Deren Mutter ist Patin der Batukinhas – der ‚kleinen’ Batukogruppe – und deren Vater wird aller Voraussicht nach der nächste Präsident Cabo Verdes.
Den guten Kontakt belegt ein Email das Marisa heute Früh an diese junge Dame geschickt hat. Zwei Stunden später hatte sie bereits die Antwort.
Es ging um eine Förderung für die Betriebskosten des Zentrums die sie uns zugesagt hat. Vor den Wahlen die am vergangenen Sonntag stattgefunden haben. Also normalerweise unbedeutend und nichtssagend weil eben kurz vor den Wahlen. Aber erstens hat die PAICV die Wahlen gewonnen, die junge Dame wird also aller Voraussicht nach Ministerin bleiben, aber auch wenn nicht hat sie Marisa in dem Mail heute Früh versprochen sich für uns einzusetzen. Allerdings gehe derweil gar nichts weil die neue Regierung noch nicht angelobt worden ist. Das passiert angeblich im März. Sprich bis von der Seite was kommt werden noch ein paar Monate ins Land gehen.
Auch bei der FIFA wird es früher oder später wieder die Möglichkeit geben anzusuchen. Aber auch da werden die Monate ins Land gehen. Zwar die gleichen wie die von der caboverdeanischen Regierung aber trotzdem Monate.
Die zwei weiteren Kooperationen die ich in diesem Bericht erwähnt habe die auch eine rosige Zukunft versprechen sind jene mit thehumanrightsproject und natürlich Delta Cultura Deutschland. Beides sind mehr als Kooperationen. Viel mehr Freundschaften. Und ausserdem langfristige Verbesserungen. Keine einmaligen Förderung und dann tschüss schau selber wie es jetzt weitergehen soll. Daher also rosig.

Fazit: die Vergangenheit war rosig, kreativ und lustig, die Zukunft wird rosiger, kreativer und lustiger nur die blöde Gegenwart macht wieder mal Schwierigkeiten. Typisch. Aber der werden wir es schon noch zeigen! Mit eurer Hilfe! Mit eurer Spende! Bitte!
Und nicht vergessen. Ihr könnt jetzt an Delta Cultura Deutschland spenden und das von der Steuer absetzen.

Vielen Dank für eure unglaubliche Aufmerksamkeit.

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