Unternehmerisch!

Dieser Artikel wurde von Florian Wegenstein verfasst und spiegelt nicht zwingend die Meinung von Delta Cultura Cabo Verde wider.

Seit einer Woche bin ich zurück von dem 3-tägigen Center-Host-Workshop in Johannesburg. Die Erlebnisse, die Inhalte der Workshops sowie zahlreiche Gespräche haben mich zu den folgenden Gedankengängen angeregt. Da sie viel mit den zentralen Themen zu tun haben mit denen ich mich in den letzten Monaten beschäftige möchte ich sie festhalten und teilen. Über Reaktionen von allen nur erdenklichen Seiten würde ich mich ernsthaft freuen!
Die Themen der Workshops waren Monitoring und Evaluation sowie Ressourcen Beschaffung. Hat also Beides (auch) mit Kooperationspartnern zu tun: Wie zeige ich, dass unsere Arbeit erfolgreich ist und die gewünschten Resultate erzielt. Wie überzeuge ich mögliche Geld- und Sonstwasgeber davon gerade unsere Institution zu fördern. Wie kann unsere Organisation in diesem Wettkampf um Ressourcen bestehen. Wie können wir wirtschaftlich nachhaltig arbeiten. Wie können wir eigene Einnahmen schaffen um unabhängiger zu werden. Welche Leistungen können wir verkaufen um Einnahmen zu schaffen …
Mir ist das während einem der Workshops irgendwie unangenehm geworden. Unheimlich. Und ich konnte nicht umhin die Workshopleiterin zu fragen ob sie denn überzeugt sei, dass social business und so Zeugs der richtige Weg für NGOs auf dem Weg zu sozialer Gerechtigkeit sei. Absolut … war ihre Antwort. So absolut war das, dass ich nicht weiter nachgefragt habe. Erst nach dem Workshop hab ich nochmals das Gespräch mit ihr gesucht. Auch weil sie mir nach einem Besuch bei uns in Tarrafal eine liebe Freundin geworden war und mich das Thema interessiert hat. Sie hat etwas gesagt, was mir hängengeblieben ist und mich beschäftigt hat: die NGOs müssen aus dieser veralteten Hippiehaltung ‚wir sind die Guten, ihr müsst uns finanzieren‘ herauskommen. Ich stimme dem schon zu: ‚wir sind die Guten‘ ist eine idiotische Haltung die nur in Sackgassen führen kann. Aber auf der anderen Seite ist es meiner Meinung nach sehr wohl wichtig, dass sich die Weltengemeinschaft um die Schwächeren kümmert. Also Aufgaben die oft NGOs übernehmen. Und ich finde sie sollten sich nicht zunächst um sich selbst, also um wirtschaftliche Nachhaltigkeit kümmern müssen und wenn dann noch bisschen Zeit bleibt auch was Gutes tun … so kann es ja auch nicht sein, oder?
Was mir bei derartigen Workshops auch immer wieder bisschen unangenehm auffällt sind so Floskeln die einfach kritiklos übernommen werden. Ein Beispiel: was nichts kostet ist auch nichts wert. Punkt das ist angeblich einfach so. Ist es aber nicht. Wenn ich ein 6 jähriges Kind, dass zu uns ins Zentrum kommt frage ob es nicht gerne kommt oder unsere Angebote wertlos findet weil sie kostenlos sind wird es mir das kaum bestätigen. Sprich wir lernen diesem Kind diese Haltung im Laufe der Erziehung. Es handelt sich um eine angelernte Haltung die es sehr wohl zu hinterfragen gilt. Einfach mal hinterfragen und darüber reflektieren, andere Meinungen einholen, und überlegen ob es diesbezüglich bessere Haltungen geben könnte. Ich finde Workshops wie jener in Südafrika sollten viel mehr für derartige (Hinter-)fragungen verwendet werden.
Ich kann auch erklären warum ich das finde: alle Organisationen die an diesem Workshop teilgenommen haben, wollen und arbeiten für notwendige soziale Veränderungen auf dieser Welt. Ich glaube aber nicht, dass Kindern mit ihren Hausaufgaben zu helfen oder ihnen zu erklären was sie tun müssen um nicht AIDS zu bekommen automatisch zu der erwünschten Veränderung führen wird. Es ist also sinnvoll immer aufmerksam und ehrlich zu hinterfragen, zu überlegen. Am Besten gemeinsam hinterfragen und überlegen.
So ganz allgemein finde ich sowieso, dass nicht alles auf dieser Welt wirtschaftlich sein muss, es muss nicht ununterbrochen eine Kosten- Nutzenrechnung angestellt werden … wenn es nicht wirtschaftlich ist den Hunger morgen abzuschaffen bin ich trotzdem dafür.

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