Monatsbericht Oktober 2006

Wie allgemein bekannt gibt es gute Monate, schlechte Monate und die diversen Mischformen. Der Oktober bei uns in Tarrafal hat sich allerdings an diese Einteilung so garnicht halten wollen. Er hat neue ‚Monatsmassstäbe’ gesetzt! Er hat sich zu einem ‚unglaublich phantastischen’ Monat aufgeschaukelt … also wirklich schade, dass er schon vorbei ist. Möge sich der November und der Dezember ein Beispiel an diesem Oktober nehmen … und das Jahr 2007 auch! Und 2008 sowieso! Genauso 2009 … weil dann hätten wir bis 2010 ganz Cabo Verde in ein riesiges harmonisches Kinder- und Jugendzentrum verwandelt … wenn wir das überhaupt wollen?!
Auf alle Fälle hat sich der blöde, gute, alte Spruch: ‚nach Regen folgt Sonnenschein’ für unser ‚Kinder- und Jugendzentrum’ wieder einmal als vollkommen blöd, gut, alt und richtig erwiesen. Unseren finanziellen Engpass habe ich im vergangenen Monatsbericht ja erwähnt und erklärt … meine dazupassende Stimmung auch ein bisschen. Möchte dazu aber noch einen Satz loswerden: zwar begleitet mich, was das Kinder- und Jugendzentrum betrifft, seit jeher eine sehr starke Zuversicht, aber sogar mir, dem Finanzgeniechen, dem Weltmeistertrainerchen, dem Durch-und-durch-Gereiftem, wird es manchmal zuviel. Das äussert sich in miesen Monatsberichten, kraft- und zeitbedingter Vernachlässigung des Alltagbetriebes und ganz manchmal in eiligst einberufenen Mitarbeiterversammlungen, in denen ich dann alle an meinem Wahnsinn teilhaben lasse?!
Aber dann folgt, Dank allen Geistern, Göttern, Engeln und was sich da sonst noch so herumtreibt, ja doch immer wieder der Sonnenschein! Und von diesem Licht soll der folgende Bericht handeln!

Die grösste Erhellung unserer Gemüter und Perspektiven verdanken wir Ingrid und Christian Reder. Den Gründern und ‚Köpfen’ der Plattform ‚transferprojekte-rd’ (http://www.transferprojekte-rd.org).
Mit einer grosszügigsten ‚Finanzspritze’ haben sie ‚Delta Cultura’ aus dem ‚Finanzloch’ geholt in das wir durch die ‚saublöde – grossartig bewältigte – Dachsanierung’ geworfen worden sind.
Von vielen Seiten wurde mir in den letzten Monaten immer wieder nahegelegt die Vergangenheit ruhen zu lassen und mich der Zukunft zu widmen. Ein Ratschlag den ich durchaus ernst genommen habe. Ich habe mich auch redlich darum bemüht. Muss aber gestehen, dass es mir selten gelungen ist. Zu stark war der ‚Finanzdruck’. Schliesslich habe ich ja gewusst, dass Ende Oktober zwar nicht Schluss mit lustig aber Schluss mit Geld sein wird. Bis dahin hat der Anteil des Deutschen Ministeriums für 2006 gereicht. Sodann war der Eigenanteil den Delta Cultura in das Projekt einbringen muss fällig.
Man kann die Geschichte drehen und wenden wie man will, am Ende bleibt die Erkenntnis: Schuld an dieser ‚Misere’ waren schlicht und einfach die undichten Dächer des Zentrums. Und die Ursache für die undichten Dächer waren Ereignisse die allesamt in der Vergangenheit stattgefunden haben. Daher also meine Schwierigkeiten mit ‚Vergangenheit sein lassen und der Zukunft widmen’.
Bevor ich aber wieder einmal ganz abschweife, möchte ich an dieser Stelle noch etwas zu unserem Partner, ‚transferprojekte-rd’, der uns jetzt ja doch schon einige Jahre begleitet, sagen. Zuallererst natürlich unseren allerherzlichsten Dank für die geleistete Unterstützung.
Dann aber noch etwas, was mir genauso am Herzen liegt. Ich bin ehrlich stolz – und alle die mich kennen wissen, dass ich das nicht so schnell einmal bin – dass es gerade Ingrid und Christian Reder sind die uns unterstützen.
Um diese auf den ersten Blick etwas komische wirkende Aussage zu erklären ein ‚Auszug’ aus deren Internetseite:
„Die 2001 von Ingrid und Christian Reder gegründete Plattform transferprojekte-rd.org bringt Mittel für Forschungsvorhaben und Interventionen auf, um sozialpolitisch und kulturell relevante Initiativen zu ermöglichen (rd steht für research & development).“
Ich kenne Ingrid und Christian Reder seit meiner Kindheit. Christian hat viele Jahre mit meinem Vater zusammengearbeitet. Und die Beiden waren für mich immer Menschen die ich bewundert habe, die mir Respekt eingeflösst haben. Als Kind war mir wohl nicht klar warum. Heute weiss ich, dass sie Menschen sind die in einer anderen ‚Liga’ denken und leben. Intellektuell bewegen sie sich in Höhen die ich wohl nie erklimmen werde! Und daher bin ich ehrlich stolz, dass wir sie als Partner des ‚Kinder- und Jugendzentrums Tarrafal’ bezeichnen dürfen! Und es ist mein grosser Wunsch, dass sich unsere Zusammenarbeit in Zukunft intensivieren wird. Schon alleine die Tatsache, dass Christian Reder Professor an der ‚Angewandten’ in Wien ist zeigt die diesbezüglichen Möglichkeiten!

Und weil wir gerade bei den ‚Möglichkeiten’ sind, gleich weiter in den ‚Oktoberphantasien’. Ich habe in diesen Berichten schon öfters einen Herren Namens Arnaldo Andrade erwähnt … und dann gibt es noch ein paar weitere Persönlichkeiten in Cabo Verde die unsere Arbeit schätzen und immer bestrebt sind uns zu helfen. Diesen Menschen haben wir zu verdanken, dass eines schönen Tages eine sehr nette Dame von der UNESCO im Zentrum erschienen ist. Gemeinsam mit der Chefredakteurin einer caboverdeanischen Wochenzeitung. Und sie hatte von ganz unglaublichen Dingen zu berichten: auf einem Schiff das sich gerade durch den Atlantik kämpf befindet sich eine verflucht komplette Ausstattung für eine Radiostation. Gleichzeitig warten irgendwo im Senegal Radiotechniker ganz gierig darauf hierher zu kommen um diese Anlage zu installieren.
Das ist ja an sich schon eine grossartige Geschichte. Aber sie wird noch verdammt viel grossartiger … weil diese Radiostation nämlich in Tarrafal installiert werden soll. Und Delta Cultura soll sich darum kümmern, dass über diese Radiostation die ‚gewaltlose Revolution’ ausgerufen wird: Abschaffung des Zinswesens, Geldhortungsverbot, Ausstattung einer paradiesischen Insel für Büshe und sonstige Verwachsungen … aber hoppla, das war’s ja garnicht was ich sagen wollte …
Worum sich Delta Cultura tatsächlich kümmern soll: Programmierung des Radiosenders, Organisation von Veranstaltungen zur Förderung von Kunsthandwerk, Musik, etc. Diese Radiostation soll Teil eines Multimediacenters werden und ‚dem Volk eine Stimme geben’. Das ist die Idee der UNESCO die weltweit bereits viele derartiger Radiostationen ausgestattet hat. Die in Tarrafal ist die erste in Cabo Verde und gilt als Pilotprojekt für dieses Land. Wenn sich die Projektleitung und Delta Cultura ordentlich ins Zeug legen und gute Arbeit machen sollen weitere auf anderen Inseln folgen.
Ist also eine schöne Sache!! Wir sind gerade dabei die verschiedenen Aufgabenbereiche zu definieren, Gruppenleiter und Mitarbeiter zu ‚installieren’ und dann bekommen diese Gruppenleiter eine entsprechende Ausbildung.
Delta Cultura ist nicht mit der Projektleitung beauftragt sondern ist sozusagen durchführender Projektpartner. Und die eigentlichen ‚Macher’ der Radiostation sind die Jugendlichen Tarrafals.
Eine für uns sehr gelungene Konstellation weil wir uns nicht um Finanzierung und so kümmern müssen. Wir sollen allerdings darauf schauen, dass sich die Radiostation möglichst schnelle ‚selbst erhält’. Werbeeinnahmen und so! Die Jugendlichen die sich darum kümmern sollen, werden von der Projektleitung ausgebildet …
Soviel also zur Radiostationen!

Und als wäre all das nicht schon genug des Guten hat uns der Oktober auch noch Anna, Sandra, Kris und Daniel geschickt. An sich ja nichts wahnsinnig besonderes. Es waren sicher schon unzählige Annas, Sandras, Krises und Daniels in Tarrafal … aber ganz sicher keine Anna, keine Sandra, keine Kris, kein Daniel die nach Tarrafal gekommen sind um das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ zu photografieren und zu filmen. Über 1000 Photos und mehr als 50 Stunden Videoaufzeichnungen sind in den 3 Wochen ihres Besuches entstanden!!!
Mit diesem für Delta Cultura unbezahlbar wertvollem Material haben sich die Vier zurück nach Wien begeben. Sie studieren dort auf ‚der Graphischen’. Aus dem ‚gesammelten’ Material werden sie ihre Diplomarbeit machen. Aber nicht nur das!!!! Es wird Ausstellungen geben, Postkarten, Kalender, neue photographische Gestaltung unserer Internetseite, kurze Videoclips der Fussballschule, der Batucogruppe, der Ausbildungen, eine halbstündige Dokumentation über Delta Cultura und das Zentrum, eine Präsentations- CD … wirkliche geniale Möglichkeiten eröffnen sich! Das wird zwar alles noch eine zeitlang dauern, schliesslich müssen Anna, Sandra, Kris und Daniel nebenbei (?) ja auch noch ihre Ausbildung abschliessen, aber nach und nach werden sie das Material fertig stellen und uns zur Verfügung stellen.
Wir alle von Delta Cultura freuen uns schon ganz höllisch darauf und möchten uns herzlichst bei den Vier bedanken. Weil: leicht war dieses Unternehmen ‚3 Wochen Tarrafal’ für die Studenten wirklich nicht. Finanzierungen gab es von Seiten Delta Culturas überhaupt keine (einzig eine Wohnmöglichkeit haben wir ihnen zur Verfügung stellen können), die Graphische in Wien war zunächst nicht wirklich damit einverstanden dass die Vier 3 Wochen ihrer Schulzeit in Tarrafal verbringen … das Alles hat sie nicht abhalten können! Einmal ‚in den Kopf gesetzt’, konnte sie nichts mehr abhalten.
Und vonwegen Finanzierung: aufmerksamen Lesern ist es ja bekannt, dass Delta Cultura diesbezüglich ein bisschen ‚am Rudern’ war. Anna, Sandra, Kris und Daniel haben sich also alles aus eigener Tasche bezahlen müssen! Da auch die Vier zu der Gattung Mensch gehören die keinen Esel besitzen der Geld ‚herausverdaut’, war das Alles ein finanzielles Gehänge und Gewürge und bis zuletzt unsicher ob sie überhaupt kommen können!
Delta Cultura ist also nicht nur zu Dank verpflichtet sondern fühlt sich auch dafür verantwortlich, dass den Vieren ihre Mühen belohnt werden.
Was wir jetzt schon machen können ist Werbung für die 4 Künstler. Also wer Photos braucht, Videos oder sonstige graphische Arbeiten der soll sich doch an sie wenden!
Anna Leitenstorfer: alei1@gmx.at
Sandra Fockenberger: hat eine Internetseite: http://www.schnut.at
Kristina Rohacek: escapardia85@gmx.at
Daniel Drexler: da habe ich leider keinen Kontakt, er ist aber über eine der anderen Kontakte erreichbar. Und im Übrigen ein grosser Informatikspezialist! Er hat uns hier einige kaputte Computer repariert, hilfreiche Programme installiert, etc.

So also war der Oktober von lauter guten ‚Entwicklungen’ geprägt! Etwas aus der Reihe getanzt ist eigentlich nur unsere Kooperation mit dem Schweizer Verein bd-sport-active. Aber nur auf den ersten Blick ‚aus der Reihe getanzt’.
Aus mir bis heute unverständlichen Gründen hat der Vereinsverantwortliche Beat nach seinem Besuch in Tarrafal einen Bericht auf der Internetseite seines Vereines veröffentlicht der ganz seltsame Passagen aufweist:
Mehr oder weniger vollkommen ins Stocken resp. zum Erliegen gekommen ist aber leider der Fussballbetrieb. Während unseres gesamten Aufenthaltes konnten wir nicht einer einzigen Trainingslektion beiwohnen.

Beat war 2005 und Anfang 2006 monatelang hier in Tarrafal. Und er wird sich daher sicher noch erinnern können, dass der Grossteil der Trainingseinheiten morgens von 7:00 bis 10:00 stattfinden. Aber auch nachmittags ab 16:30!
Ich kann es daher nicht nachvollziehen warum er ‚während seines gesamten Aufenthaltes’ genau 4 mal ins Zentrum gekommen ist und zwar immer Mittags. Oder Samstags wenn kein Betrieb ist …
Ich persönlich mache mir nicht wahnsinnig viele Gedanken zu seinem Verhalten. Er kann Tarrafal und das Zentrum besuchen wann er will, angemeldet oder unangemeldet, aber ich finde es unseren Trainern gegenüber unfair wenn er behauptet das Training sei zum Erliegen gekommen. Die guten Männer stehen seit 4 Jahren fast täglich um 06:00 in der Früh auf um Kinder und Jugendliche zu trainieren!!! Und dann kommt der gute Beat, ist morgens wenn unsere Trainer ihre Trainingseinheiten bereits abgeschlossen haben wahrscheinlich gerade dabei auf der Sonnenterrasse des Hotels zu frühstücken und verblödet sich dann nicht zu behaupten das Training sei zum erliegen gekommen?!
Auch erwähnt Beat in seinem Bericht ein Fussballturnier das die Gemeinde Tarrafal organisiert hat. Dass wir daran teilgenommen haben verschweigt er aber!? Dabei hat er unserem Spiel persönlich beigewohnt!?
Langer Rede, kurzer Sinn: Beat sein Verhalten ist ganz eindeutig von persönlichen Entwicklungen und Umständen geprägt. Ganz offensichtlich geht es ihm nicht um die Fussballschule oder das Zentrum!
Wir haben ihm daher den Gefallen getan und die Kooperation für beendet erklärt! Ich glaube wirklich, dass er sich jetzt befreit fühlt! Er kann ruhigen Gewissens darauf hinweisen, dass wir es waren die die Zusammenarbeit beendet haben, er kann sein eigenes Projekt aufziehen, nach seinen Vorstellungen und braucht sich nicht mehr mit diesem wahnsinnigen Projektleiter herumzuschlagen, der sich standhaft weigert Profifussballer auszubilden!
Ich glaube wirklich, dass es für beide Seiten besser ist! Daher mein Eingangs erwähnter Satz ‚auf den ersten Blick aus der Reihe getanzt’.

So, dieser Bericht ist jetzt schon arg verspätet … es war soviel Besuch hier, dass ich nicht zum Schreiben gekommen bin. Und als dann ‚Ruhe’ eingekehrt ist bin ich krank geworden. Ein verfluchter Durchfall begleitet mich jetzt seit ein paar Tagen und raubt mir Kraft und Schreibvermögen! Ich beende diese Bericht daher und verspreche (wie so oft) einen pünktlichen bisschen ausführlicheren Novemberbericht.

Allen, alles Gute,

das Projektleiterchen

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