Soka Afrika – Filmabend mit Diskussion

Um einen besseren Einblick in die Welt des afrikanischen Fußballs zu geben, organisierte Delta Cultura daher am 2. Juni 2016 im Wiener Schikaneder Kino einen spannenden Filmabend mit anschließender Podiumsdiskussion. Gezeigt wurde der 2012 erschienene und mehrfach ausgezeichnete sehenswerte Dokumentarfilm „Soka Afrika“ des Regiesseurs Suridh Hassan, der eindringlich die Werdegänge zweier afrikanischer Fußballspieler beschreibt, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Der Eine Julien Ndomo Sabo aus Yamoundé, einer Kleinstadt in Kamerun, der andere Kermit Erasmus aus Südafrika. Ndomo wurde eines Tages nach dem Fußballtraining in seinem Heimatort von einem Agenten mit den Worten „Du gehörst nicht nach Afrika. In Europa wartet die große Karriere und das große Geld auf dich“ angesprochen und natürlich offerierte der Herr, der scheinbar ein Fußballscout war – gegen eine entsprechende finanzielle Gegenleistung – seine Hilfe. Diese große Chance aus dem Ghetto und der Armut zu entfliehen und so seinem Traum von einer Profi Fußball Karriere in Europa näher zu kommen veranlasste Ndomo schließlich zuzusagen. Die Kosten für die Flugtickets sowie die Provision für denAgenten musste allerdings er selbst beziehungsweise seine Familie übernehmen. Diese enorme finanzielle Belastung nahmen er und seine Familie auf sich in der Hoffnug Ndomo würde bald in die Fußstapfen des legendären Kameruners Roger Milla treten. Der Agent organiserte Tickets und Visum und kurze Zeit später konnte der junge Kameruner in Frankreich ein paar Probetrainings bei einem kleinen Verein absolvieren. Eine Verletzung beim Training sorgte dafür, dass er einige Wochen nicht trainieren konnte und so verlor der Verein sein Interesse an ihm und schmieß ihn raus. Auch der Agent war längst über alle Berge und so fand sich Ndomo alsbald als Obdachloser auf den Straßen des winterlichen Paris wieder. Er irrte hungernd durch die Pariser Straßen und übernachtete in Metro Stationen. Glücklicherweise fand er Hilfe bei der Organsation „Foot Solidaire“, die ihm schließlich die Rückreise in seine Heimat ermöglichtete, da er keine weitere Existenzchance ohne Arbeit und Wohnmöglichkeit in Frankreich sah. Die Schmach, die er nach der Rückkehr in seine Heimat verspührte und die Enttäuschung der Familie waren groß. Die Verwandten hatten alle ihre Hoffnungen in ihn gesetzt und dafür auch ihre Ersparnisse investiert. Nach zwei Jahren in Afrika gelang ihm schließlich doch noch der Karrieresprung nach Europa – diesmal mit einem seriösen von der FIFA akkredierten Agenten. Keine Selbstverständlichkeit in Kamerun, da nur zirka 60 % aller Agenten über eine Akkreditierung der FIFA verfügen. So entstanden ihm und seiner Familie beim zweiten Anlauf keine dubisosen Kosten und er schaffte es einen Spielervertrag mit dem spansichen Erstlegisten La Coruna abzuschließen. Der zweite Protagonist des Films, der Südafrikaner Kermit Erasmus, hatte weit mehr Glück: Schon in jungen Jahren begann seine fußballerische Förderung an der südafrikanischen Academy of Port Elisabeth. Ein seriöser Agent organisierte für ihn einen Transfer in die Niederlande, wo er zuerst bei einem Zweitlegisten in Rotterdam erste Spielerfahrung in Europa sammeln konnte. Die Gesamtkosten hierfür übernahm – wie es in aller Regel sein sollte – der niederländische Verein. In der Folge brillierte Erasmus als Topspieler der Nationalmannschaft Südafrikas mit mehreren sehenswerten Toren. Dadurch wurden weitere europäische Vereine auf ihn aufmerksam und so schaffte er nach kurzer Zeit den Sprung zum niederländischen Top Klub Feyenoord Rotterdam. Das Podium bei der anschließenden Diskussion war gut besetzt und die Debatte dementsprechend informativ und spannend. Kurt Wachter, Obmann der fairplay Initiative und Kenner der afrikansichen Fußballszene, Michael Schmied vom Verein Delta Cultura moderierte, Peter Hackmair, ORF Fußballanalyst und ehemaliger Profi bei der SV Ried sowie Vinzenz Jager, Scouting Koordinator der Rapid Akademie und der Rapid Nachwuchsakademie, der auch für die Fußballzeitschrift „Ballesterer“ schreibt. Einige Auszüge der Statements auf dem Podium: Kurt Wachter, Obmann der fairplay Initiative: „DEN afrikanischen Fußball gibt es nicht. Es gibt viele Unterschiede in den einzelnen Ländern des Kontinents. Die Zeit der Mtte 90er Jahre, als man am afrikansichen Kontinent nach Rohdiamanten suchte , zum Beispiel Elfenbeinküste, ist längst vorbei. Migration von Humankapital von Süd nach Nord gibt es in diesem Ausmaß nicht mehr. Heute geht man andere Wege und baut teilweise bereits in Afrika Akademinen auf. Redbull hat sich zwar aus Afrika zurückgezogen, aber andere Vereine wie zum Beispiel Feyenoord Rotterdam haben Akademien vor Ort gegründet, bilden hoffnungsvolle Spieler aus und holen sie später nach Europa. Vom afrikanischem Fußball werden sie bestmöglich abgeschottet.“ Hier braucht es ein Umdenken: Als positives Beispiel nennt er Sambia, wo eine indigene Akademie (community based academy) gegründet wurde, die gleichermaßen Sport UND Bildung fördert. Südafrika heute sei sicherlich die beste afrikanische Liga dank finanzstarker Sponsoren und dem Frensehen. In Westtafrika beispielsweise sei die Situation hingegen um einiges schwieriger. Peter Hackmair, ORF Fußball – Analyst, der selbst bereits mit zwölf Jahren gescoutet wurde und einige Jahre beim SV Ried als Profi spielte, meint: „Das Sytem kümmert sich leider immer nur um das eine Prozent, also den Profifußball, nicht jedoch um die anderen 99 Prozent.“ Genau dies sei aber wichtig. Zudem gebe es bei den ganz Jungen oftmals zu viel Druck seitens der Familie, der Trainer oder Manager. Obwohl Scouting natürlich in einem gewissen Ausmaße notwenig sei, sieht er das Scouting von Spielerhoffnungen auch kritisch, da der Fokus zu sehr darauf läge.Man solle mehr auf den Aufbau von Eigenspielern setzen. „Wenn die Kids bereits im U 10 Kader dabei sind bringt das mehr“ so der ORF Analyst, weil es eine wünschenswerte größere Identifikation mit dem Klub gäbe. Schließlich könne er sich auch Obergrenzen bei Gehältern und Ablösen vorstellen. Auch wenn eine aktive Fußballerkarriere mit zirka 35 Jahren zu Ende sei, so habe man sich in dieser Zeit auch ein rießiges soziales Netzwerk aufgebaut und damit jede Menge Jobmöglichkeiten in diesem Bereich. Vinzenz Jager, Scouting Koordinator beim SK Rapid, sieht die Sache etwas anders: „Was zählt ist die Leistung. Unsrere Aufgabe ist es, Leistungsfußball zu betreiben und kein Sozialprojekt. Die Talentprognose ist oft schwierig, ein satrker Wille ist aber besonders wichtig und eben Charktersache.“ Hätte um 21:30 nicht bereits der nächste Spielfilm begonnen, hätte die entstandene lebendige Diskussion zwsichen Podium und Publikum sicher noch eine weitere kurzweilige Stunde gedauert. Bericht von Sebastian Seidl (FairPlay) Links: www.sokaafrika.com www.footsolidaire.org www.fairplay.or.at www.facebook.com/fairplay.or.at

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*
*
Website