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Anekdoten

Der schlimme Khalifa und das Klavier (erzählt von Mathilde / Klavierlehrerin)

Khalifa (9 Jahre alt) ist allgemein bekannt als „schlimmer“ Bub. Er ist gross für sein Alter, kräftig wie sein Vater, der auch jahrelang im Bildungszentrum war und viele andere Kinder haben Respekt vor ihm und seiner leider oft gewalttätigen Art und Weise Probleme zu lösen. Als er eines Tages zu mir ins Klavierzimmer gekommen ist und gemeint hat, er wolle auch Unterricht, kamen sofort die Warnungen der anderen Kinder: Khalifa sei zu unkonzentriert, er mache dauernd nur Blödsinn, er folgt nicht … Ich habe diese Warnungen natürlich in den Wind geschlagen. Und was soll ich sagen: Khalifa ist im Klavierunterricht ganz brav, fast schon schüchtern und kann sich manchmal auch eine ganze Stunde lang konzentrieren … was Musik alles mit Menschen machen kann …
Anekdoten

Suely und ihre Nervosität

(erzählt von Kutxinha – Betreuerin, Fussballtrainierin) Suely ist heute 14 Jahre alt und schon seit vielen Jahren bei uns Bildungszentrum. Sie liebt es Fussball zu spielen und hat bei uns alle Altersklassen durchlaufen. Angefangen in der U7 bis zur U13 gemeinsam mit den Jungen. Dann kam der Schritt zu den grossen Mädchen. Sprich sie war erst 14 als sie schon mit den Erwachsenen Frauen mittrainiert hat, da wir nicht ausreichend Spielerinnen für die U17 hatten. In einem Vorbereitungsspiel für die regionale Meisterschaft, habe ich sie erstmals eingewechselt. Und zwar auf der Position der Innenverteidigerin. Sie war offenbar sehr nervös und wollte zuerst gar nicht aufs Spielfeld. Dazu muss ich sagen, dass sie ein sehr ruhiges, fast schüchternes Mädchen ist. Unsere Innenverteidigerin Edza, (16 Jahre alt) die noch im Spiel war, ist die Nervosität von Suely aufgefallen. Sie ist zu ihr gekommen und hat ihr gesagt: „Suely, du brauchst keine Angst haben. Spiel so wie du immer spielst und wenn du einen Fehler machst bin ich da um ihn auszubessern.“ Die beiden wurden ein eingeschworenes Innenverteidigerpaar und haben die gesamte regionale Meisterschaft zusammengespielt. So konnten wir an der nationalen Meisterschaft teilnehmen bei der Suely mit ihren 14 Jahren alle Spiele von Anfang bis Ende bestritten hat. Sie hat dafür viel Lob auch von Spielerinnen andere Teams bekommen.  
Anekdoten

Ruan und die Anfeuerungsrufe

(erzählt von Kutxinha – Betreuerin, Fussballtrainierin) Ruan (8 Jahre alt) kommt aus dem Nachbarort Chão Bom. Bevor er zu uns ins Bildungszentrum gekommen ist hat er in der Stadt Assomada gewohnt und dort für einen Fussballverein gespielt. Als er sich bei uns eingeschrieben hat, musst er, wie alle Kinder, sagen wen er von uns Betreuerinnen als Verantwortliche haben will. Er hat mich ausgesucht, obwohl ich ihn gar nicht gekannt habe. Ich habe ihn daher gefragt warum er gerade mich ausgesucht hat. Seine Antwort hat mich sehr gefreut: „Ich habe dich bei einem Spiel als Trainerin gesehen, als wir gegen euch gespielt haben. Du hast deinen Spielern immer Mut gemacht und sie gelobt und motiviert. Ich will, dass du mich jetzt auch so anfeuerst.“  
Anekdoten

Adriel und der weiche Bleistift

(erzählt von Kutxinha – Betreuerin, Fussballtrainierin) Ariel ist dieses Jahr in die Schule gekommen. Bereits in der ersten Woche hatte er sehr viel Hausaufgaben, musste eine ganze Seite mit verschiedenen Strichen füllen. Irgendwann wurde es ihm offensichtlich zu mühsam. Er hat den Bleistift zur Seite gelegt und erklärt: „Der Bleistift ist schon ganz weich. Ich muss warten bis er wieder hart wird.“  
Anekdoten

Mateus und die Würmer

(erzählt von Kutxinha – Betreuerin, Fussballtrainierin) In einem der Räume des Bildungszentrums ist ein menschliches Skelett an die Wand gemalt. Nicht um die Kinder zu erschrecken sondern um ihnen bei der Bezeichnung und Lokalisierung der verschiedenen Knochen zu helfen. Mateus (8 Jahre alt) hat sich dieses Skelett intensiv angeschaut und mir dann erklärt: „So werden wir eines Tages alle sein.“ „Warum meinst du?“ „Na wir müssen ja alle überleben. Und die Würmer brauchen doch etwas zu essen.“  
Anekdoten

Eine streitbare Freundschaft

(erzählt von Samir – Betreuer) Jeden Morgen kommen Taissa, Neimara, Nimara und Gissara, alle 9 Jahre alt, ins Bildungszentrum. Sie sind die besten Freundinnen und verbringen die gesamte Zeit im Zentrum gemeinsam. Wann immer ich einer von ihnen begegne, weiss ich, die anderen können nicht weit sein. Taissa ist die zierlichste und anhänglichste. Sie liebt es umarmt zu werden und kümmert sich immer um die anderen. Neimara ist die vorlauteste, immer voller Energie und bereit für die Abenteuer des Tages. Nimara ist sehr besitzergreifen und es ist sehr wichtig, dass immer alles nach ihrem Willen geht. Besonders wenn es ums Spielen geht. Gissara ist die zarteste, sie erobert alle Herzen mit ihrer liebevollen und fröhlichen Art. Alle vier Mädchen nehmen an allen Aktivitäten des Zentrums teil. Sei es an Spielen, Tänzen und auch im Kunst- und Musikraum sind sie regelmässig anzutreffen. Ein seltsames „Ritual“ gehört zum Zentrumsalltag der vier. Im Laufe des Tages entstehen immer so kleine Streitigkeiten zwischen ihnen. Kleine Diskussionen, manchmal auch Tränen. Aber mir scheint als würden diese Streitigkeiten zu ihrer Freundschaft dazugehören, weil wenn das Zentrum seine Pforten schliesst, umarmen sie sich, von Streit keine Spur mehr, sie gehen Arm in Arm nach Hause … und am nächsten Tag wiederholt sich dieses Schauspiel.